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Andrea Stopford nimmt am liebsten helle, freundliche Farben für ihre Arbeiten. Foto: ff

Hauptsache Keramik

Lüneburg/Bad Bevensen. Eine rundliche Teekanne mit Goldrand und fröhlichen bunten Herzen schmückt den neuen Flyer des Arbeitskreises Angewandte Kunst Lüneburg ( AKL). Seriöses und Verspieltes in einem Produkt, das ist ein ideales Werbemotiv, denn um dieses Spektrum geht es in der neuen FormArt. Kunsthandwerk und Design präsentiert die Messe in der Kulturbäckerei am kommenden Wochenende, mit dabei ist natürlich die Schöpferin der Teekanne, das ist Andrea Stopford.

„Eigentlich wollte ich Goldschmiedin werden“, sagt die Keramikerin, „aber es gab keine Lehrstelle“. Also studierte sie nach dem Abi erst einmal Kunst auf Lehramt in Braunschweig. Lehrerin werden, das merkte Andrea Stopford bald, das war nicht ihr Ding – „aber das Institut hatte eine super Keramikwerkstatt.“ Dort wurden Brennöfen gebaut, „dort merkte ich: Ton ist mein Material, mich auszudrücken.“

„Einfach ins kalte Wasser gesprungen“

Das Gute am Ton: „Man muss nicht exakt arbeiten, jedenfalls nicht sofort.“ Tatsächlich kann etwa eine Vase auf der Drehscheibe in viele Formen gezogen werden, bis endlich die richtige gefunden ist. Also suchte und fand Andrea Stopford eine Lehrtselle in Schleswig-Holstein, lernte das korrekte, effiziente Drehen für Serien. Andere Fähigkeiten sind in der Baukeramik gefragt, in Kiel arbeitete Andrea Stopford an der Außenfassade des Arbeitsamtes.

Dann wagte Andrea Stopford etwas ganz anderes: 1988 eröffnet sie in Hamburg, auf St. Georg, eine eigene Galerie mit dem Titel „Hauptsache Keramik“. „Ich war 27 Jahre alt, total blauäugig, bin einfach ins kalte Wasser gesprungen.“ Die junge Künstlerin klapperte das ganze Land ab, stellte sich das Auto voll mit Exponaten. Dabei half ihr Jörg von Manz, der spontane und anscheinend unendlich kreative bayerische Keramiker gilt heute in der Branche als Legende.

Goldrand und Streifenmuster

Es lief jedenfalls gut für Stopford, ihre Ausstellungen wurden in der Fachpresse gespiegelt, 18 Jahre lang hielt sie sich auf dem teuren Pflaster Hamburgs, stellte das eigene Arbeiten in der Werkstatt hinten im Haus zurück. Dann wurde es doch ein bisschen zu eng, die Keramikerin wagte erneut einen denkbar großen Sprung, diesmal ins Wendland, nach Luckau, beteiligte sich an der Kulturellen Landpartie und profitierte von den Kontakten aus der Hamburg-Zeit: Die wichtigen Fachjournalisten – etwa von „Schöner Wohnen“ – fanden den Weg nach Luckau. Dann, nach zwölf Jahren, noch einmal ein Wechsel, nicht ganz so weit: Heute lebt und arbeitet Andrea Stopford auf Hof Besenthal, er stammt aus dem 15. Jahrhundert und liegt mitten in Bad Bevensen. Eines hat sich nicht geändert, das Atelier heißt weiterhin „Hauptsache Keramik“, und auch ihrem Design als Markenzeichen ist Andrea Stopford treu geblieben: seriöser Goldrand trifft auf fröhliches Streifenmuster, natürlich gibt es auch freie Arbeiten, Windlichter besipielsweise, oder Skulpturen.

Bei der Eröffnung der FormArt am Freitag, 6. September, 17 Uhr, spricht Andreas Scheffer zur Einführung. Und der Name Stopford taucht noch einmal auf, denn Sohn Tom Eric spielt Cello. Die Ausstellung ist noch am Sonnabend und Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Von Frank Füllgrabe

Die Messe FormArt in der Kulturbäckerei

Wir können auch anders

Veranstalter der FormArt in der Kulturbäckerei ist der Verein Angewandte Kunst Lüneburg e.V. (AKL). Zu sehen sind unter anderem Arbeiten aus den Bereichen Keramik, Mode, Hüte, Kissen, Möbel und Taschen. Parallel dazu wird es eine kleine Sonderschau mit dem Titel „Wir können auch anders …“ im Foyer geben, sie ist als Experimentierfeld ausgelgt. Begleitend zur FormArt sind auch die Ateliers der Kulturbäckerei geöffnet. Der Eintritt ist frei. lz