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LoChorMotion absolvierte gleich zwei Auftritte zum Jubiläum. Foto: t&w

Da stecken viel Spaß und Klasse drin

Lüneburg. Vor der Aufführung teilen Veranstalter gern mit, dass man das Handy nach der Vorstellung wieder einschalten soll. Bei LoChorMotion, dem Chor, bei dem einiges anders und nichts dem Zufall überlassen ist, wird eine Datenschutzverordnung verlesen. Die darf man getrost nicht ernst nehmen wie die folgende „abgedrehte“ Inszenierung. Das Konzert wird ja live in 150 oder 250 oder mehr Länder übertragen, wie der Warm-Upper, die Chorleiterin, die Moderatorin mitteilen. Musikalische Klasse, Ironie und solch lustvollen Quatsch verbindet der Lüneburger Rock- und Pop-Chor über drei lange und doch kurze Stunden an zwei ausverkauften Abenden in der Christianischul-Aula.

Die erste Überraschung heißt tonIKUM. Da hat sich in Lüneburg ein neues starkes A-Cappella-Ensemble formiert. IKUM steht für Ines, Karsten, Uli und Monja. „Wir sind nur die Vorband“ sagen und singen sie sowie in feiner Abstimmung und klugen Arrangements Bekanntes und Freches wie Bastas „kleinen Gondoliere“. Das macht Spaß und dürfte Zukunft haben.

Altlassiker und Neue Deutsche Welle

Dann marschieren – die einen tussig, die anderen prollig – Sopran, Alt, Tenor und Bass auf. Hinter dem Chor glitzert der Name LoChorMotion, gebastelt aus Toffifee-Packungen. Die Gaumenkleber-Karamelle ist Probenbegleiter des Chors; 1500 oder 2500 oder mehr Packungen sind bisher verfuttert. Da steckt viel Spaß drin, und dass sie nun „Sweet Dreams“ singen, das passt schon.

Vieles spricht für den Chor, der geradeso auf die Bühne passt. Zum Beispiel die Songauswahl, die sich fern aller Betulichkeit aus überwiegend neueren Pop-Songs speist von „Take Me To Church“ von Hozier über Culcha Candelas „Monsta“ zu Anna Depenbuschs „Tim und Tina“. Dabei wird auch mancher Kitsch und manche Banalität veredelt, von Adel Tawils „Ist da jemand?“ bis Josh Grobans Hochzeitsschnulze „You Raise Me Up“. Hinzu mischt LoChorMotion Altlassiker wie Queens „The Show Must Go On“, Jungklassiker wie Annett Louisans „Prosecco“, und die Neue Deutsche Welle bekommt ihre Reverenz mit Tom Schillings „Major Tom“.

Der Chor singt alles frei

Natürlich spricht die Inszenierung für den Chor. Der zehnte Geburtstag ist ja Anlass für die Live-Übertragung in 350 oder 450 Länder. Eine so überdrehte wie überhebliche Moderatorin samt eingeschüchterter Assistentin hühnert zwischen den Songs über die Bühne und interviewt die sich verdruckst gebende Chorleiterin Nicole Lohmann, die bei Licht besehen einen überragenden Job macht.

Denn weit besser als alles Drumherum ist die Qualität, die sich aus vier- und mehrstimmigen Arrangements entwickelt. Einiges stammt aus der Maybebop-Ecke, deren Oliver Gies sich als Arrangeur bundesweit einen Namen erschrieben hat. Für Arrangements sorgt auch Kreischorleiterin Monika Grade. Der Chor singt alles frei (!), gut abgestimmt und alles mit so viel Herz wie Können – Respekt! Nicole Lohmann braucht beim Konzert oft gar nicht viel machen, die Sätze sitzen, auch das Anspruchsvolle vermittelt sich locker. Das Publikum, das momentweise einbezogen wird, sitzt am Ende nicht mehr.

Es gibt weitere LoChorMotion-Termine: am 27. September in der Hamburger Zinnschmelze, am 28. in Lauenburgs Osterwold-Halle. Sicher werden auch diese Konzerte in 450 oder 550 oder mehr Länder übertragen.

Von Hans-Martin Koch