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Oliver Völkening
Ein Päckchen mit Fundstücken und eine fertigen Arbeit: Oliver Völkening stellt auf dem Kulturboden aus. (Foto: ff)

Die Kunst der Archäologie

Scharnebeck. Oliver Völkening ist ein Wanderer, ein Entdecker und ein Sammler. Steine, Muscheln, Stöcke findet er auf seinen Wegen, anderswo etwa auf dem Dachboden, fallen ihm zerfledderte Bücher, kleine Plastikfiguren – Piraten und Cowboys – und viel weiterer Schnickschnack in die Hände. „Ich traue jedem Gegenstand zu, eine Geschichte zu erzählen“, sagt der Künstler, der in Edemissen lebt, also im Landkreis Peine, und jetzt in der Scharnebecker Galerie Kulturboden ausstellt.

Die Arbeiten haben etwas mit Archäologie zu, der Titel „Ars Fossilium“ sagt es: Mischtechniken, Collagen, Materialbilder – Szenarien, die in ihren Erzählstrukturen erst einmal entschlüsselt werden wollen. Wo der Archäologe auf dem Boden einen Rahmen setzt, in dem er dann Schicht für Schicht die Erde abträgt, um Artefakte aufzuspüren, die den Wissenschaftler in die Geschichte zurückführen, setzt Völkening einen Rahmen, in dem er dann – umgekehrt – Schicht um Schicht aufträgt, malt, zeichnet und druckt, um neue Zusammenhänge zu schaffen.

Fundstücke aus der Zukunft

Manches erinnert an Höhlenmalerei, manches an ein Fundstück aus der Zukunft. Dabei gibt es auch ästhetische Aspekte, „die Komposition muss stimmen“, sagt Völkening. Wichtig ist der Abstand zum eigenen Werk, im wahrsten Sinne des Wortes. „In meinem Atelier stehen die Farben fünf Meter von der Staffelei entfernt. Dadurch bin ich gezwungen, immer wieder aus der Distanz zu schauen.“ Ein Bild mit Elementen und Bedeutung zu überladen, würde seine Wirkung zerstören.

Dazu gehört auch der Verzicht auf Farben, mehr als zwei pro Bild gibt es selten, „Farbexplosionen liegen mir nicht, das habe ich schon während des Kunststudiums erfahren“, sagt der Künstler, der daheim als Kulturbeauftragter der Kommune arbeitet und nebenbei auch als Schauspieler aktiv ist. Grau, Braun, das sind die bevorzugten Farben, das Erdige passt ja auch zur Archäologie, und wie bei den Forschern der Ur- und Frühgeschichte (eine Speerspitze allein bringt meist keine neuen Erkenntnisse) erlangen auch die eingesetzten Objekte bei Oliver Völkening ihre Bedeutung erst durch den Zusammenhang.

Zur Vita: seit 2002 Studienseminar an der Europäischen Kunstakademie Trier und Internationalen Akademie für Bildende Kunst Dresden, unter anderem bei Yolanda Tabanerea (Madrid) und Claude Mancini (Paris), Meisterschüler von Franziskus Wendels; Gründung der Gruppe “Künstler im Peiner Land“

Auf der Vernissage in Scharnebeck am Sonnabend, 21. September, 16 Uhr, begrüßt Bürgermeister Hans-Georg Führinger die Gäste, Kurator Anton Bröring spricht zur Einführung. Die Ausstellung „Ars Fossilium“ läuft bis 12. Oktober, jeweils geöffnet freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends 15 bis 17 Uhr, sonntags 11 bis 13 Uhr.

Von Frank Füllgrabe