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Klaus Voormann
Hängt auch alles richtig? Klaus Voormann begutachtet die Lüneburger Exponate. (Foto: t&w)

Eine lebende Legende

Lüneburg. Ins Gedächtnis und ins Auge der Pop-Chronik kam Klaus Voormann 1966 mit dem Cover für das Beatles-Album „Revolver“. Viel tiefer noch steckt Klaus Voormann, um im Bild zu bleiben, im Ohr der Pop-Geschichte. Das wissen aber vergleichsweise wenige. Er spielt den Bass bei „Imagine“ und „Instant Karma“ und bei vielen Welt­hits mehr, bei „Mighty Quinn“ dazu die so sehr präsente Querflöte. Jetzt steht Voormann in der Lüneburger Kulturbäckerei und sagt: „Großartig!“ Er meint die Stadt. Er meint die Kulturbäckerei. Er meint das Konzept zu einer Ausstellung. Seiner Ausstellung.

Der typische Mann am Bass

Klaus Voormann ist heute 81 Jahre alt und verkörpert Beat- und Rockgeschichte wie nur noch wenige. Er machte und macht keinen Wirbel um seine Person, er tritt zugewandt auf, ausgesprochen leise und sehr, sehr freundlich. Er drängt sich, ganz der Mann am Bass, nicht in den Mittelpunkt und hat doch unendlich viel zu erzählen.

Voormann hatte in Hamburg an der Meisterschule für Gestaltung studiert, arbeitete als Grafiker und Illustrator, als er 1960 die Beatles im Kaiserkeller auf dem Kiez kennenlernte. Es war der Auftakt einer lebenslangen Freundschaft. Voormanns Freundin Astrid Kirchherr machte bald darauf die ersten Profi-Fotografien der Beatles. Beispiele sind in der aktuellen Ausstellung „The Golden Age Of Rock’n’Roll“ im Artrium der Kulturbäckerei zu sehen.

Voormanns lange musikalische Karriere am Bass soll im April 2020 zum ersten Mal im Zentrum einer Ausstellung stehen. Den Kontakt nach Lüneburg stellte Carsten Junge her, Geschäftsführer der Sparkassenstiftung Lüneburg. Die Stiftung hat Pop-Kultur zu einem Schwerpunkt ihrer Ausstellungen in der Kulturbäckerei gemacht. Bravo-Starschnitte, Plakate von Günther Kieser, Cover-Kunst der Agentur Hipgnosis zählten bisher dazu, ebenso die aktuelle Präsentation mit Fotos von Günter Zint, Volker Hinz und einigen anderen.

Sideman von Eric Clapton und Randy Newman

Klaus Voormanns grafisches Werk war bereits oft zu sehen, im Norden zuletzt beim Reeperbahn-Festival vor einem Jahr. Dass nun sein musikalisches Leben gleichwertig gezeigt werden soll, freut den zweifachen Grammy-Gewinner, der heute am Starnberger See lebt. „Art’n’Bass“ wird die Ausstellung heißen. Das Konzept steht bereits.

Die Liste der Musiker, mit denen Voormann auf der Bühne und im Studio stand, ist lang und prominent. Sie reicht von Eric Clapton über Lou Reed bis Randy Newman. Und immer wieder die „Fab Four“. Als Ringo mit seiner All Starr Band im Juni 2018 im Hamburger Stadtpark spielte, holte er Klaus Voormann zur Zugabe auf die Bühne.

Den Bass, sagt Voormann, habe er eigentlich zur Seite gelegt. Cover gestalte er nach wie vor, aktuell für The Knobs, die Band des Tom-Petty-Gitarristen Mike Campbell. Kontakte zu all den Wegbegleitern, soweit sie noch leben, bestehen noch heute. Etwa zu Carly Simon, bei deren „You‘re So Vain“ Klaus Voormann Bass spielte. Oder zu Astrid Kirchherr, deren Voormann-Porträt in der Kulturbäckerei zu sehen ist. Das war irgendwann Anfang der 60er in Hamburg – und Auftakt einer Reise durch Popgeschichte, die im Ohr bleibt – „Imagine all the people…“

Von Hans-Martin Koch