Donnerstag , 24. Oktober 2019
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Tour de Farce
Gwenda (Isabel Arlt) weiß, was der Senator (Burkhard Schmeer) mag. (Foto: Theater Lüneburg)

Ehe geht einfach nicht

Lüneburg. Das ist doch mal eine klare Ansage: Zwei Schauspieler, vier Türen, zehn Rollen – und das Stück heißt auch noch „Tour de Farce“. Isabel Arlt und Burkhard Schmeer versprechen pures Entertainment. Mit „Die Tür nebenan“ und „Liftstopp“ hatte sich das Duo im T.NT-Studio des Lüneburger Theater als empathisches Schauspielerpaar mit vielen ausverkauften Vorstellungen bewährt. Jetzt wird ihre Longseller-Erfolgs-Story wohl um ein Kapitel fortgeschrieben: Ehe währt für immer.

Nervige Warterei im Hotelzimmer

Das ist der Titel des Eheratgebers, den Herb Gladney in zehn mühseligen Jahren zusammenschrieb. Jetzt endlich kann er die Früchte seiner Arbeit ernten, immerhin hat ihn die bekannte TV-Journalistin Pam Blaire zu ihrer Talkshow eingeladen. Doch während der nervigen Warterei in dem eher zweitklassigen Hotelzimmer offenbart sich das Problem: Herb und seine Frau Rebecca sind heillos zerstritten. Er hat viel zu lange mit der trockenen Schreiberei verbracht, sie hat ihre Zeit mit Nörgelei und Frustkäufen („Nur arme Leute kaufen, was sie wirklich brauchen“) totgeschlagen.

Das darf natürlich niemand erfahren, und so muss Herb seine Gattin immer wieder beschwören: „Denk daran, wir sind glücklich!“ Pam Blair, ebenso ehrgeizig wie skrupellos, ahnt so etwas. Also postiert sie den abgehalfterten schwedischen Kameramann Gunnar („Ich war einmal Regieassistent von Ingmar Bergman!“) im Kleiderschrank, um das falsche Spiel des Glücks in der Show alsbald zu entlarven.

Perücke rauf, Perücke runter

Gunnar könnte ordentlich draufhalten, dauernd klopft es an den Türen, denn in dem Hotelzimmer trifft sich auch, da hat die Hotel-Leitung nicht aufgepasst, Texas-Senator Grant Ryan mit seiner Geliebten, dem kieksigen Blondchen Gwenda, das so gerne mal ins Fernsehen möchte. Grant liebt es, „Mr. President“ genannt zu werden, und mit Handschellen – jetzt tagt der böse, böse Justizausschuss! – ans Bett gekettet zu werden. Außerdem im turbulenten Spiel: eine diebische Putzfrau, ein Schwyzerdütsch sprechender aufdringlicher Page und eine abgedrehte Nonne, die – „Hallelujah!“ – mit dem Ehe-Ratgeber Karriere als Sängerin machen will. Und, wehe wehe, da kommt auch noch Grants Ehefrau.

Das macht also zehn Rollen, die von Arlt und Schmeer konditionsstark und in bester Spiellaune – Perücke rauf, Perücke runter, Cowboyhut ab, Jackett an – auf die Bühne gebracht werden, ohne dass sie dabei den Ehrgeiz entwickeln, den Kostümwechsel-Geschwindigkeitsrekord zu brechen.

Commedia dell’arte und Screwball-Comedy

Die Komödie von Kingsley Day und Philip LaZebnik wird mit Erfolg in der ganzen Bundesrepublik gespielt, in den Hamburger Kammerspielen beispielsweise: ein bisschen Commedia dell’arte, Screwball-Comedy, großstädtisches Bauerntheater, ausgestattet mit US-Stereotypen: der bigotte, konservative Politiker, die skrupellose Boulevardreporterin, die gelangweilte, arrogante Schickse, das mediengeile Blondinchen und so weiter. Die „Tour de Farce“ spielt offensichtlich noch in der Telefon-mit-Kabel-Ära, ist aber eigentlich zeitlos.

Auch im T.NT funktioniert die Farce, es gibt ordentlich was zu lachen. Dass sich die Charaktere nennenswert entwickeln, darf man bei diesem Konzept nicht verlangen, und in Lüneburg wie andernorts wurde die Komödie (wohl deshalb) als ein wenig zu lang empfunden. Nicht zu lang ist der Terminplan: 17 Vorstellungen erstmal, kein Problem, Arlt und Schmeer sind Longseller.

Von Frank Füllgrabe