Donnerstag , 24. Oktober 2019
Aktuell
Home | Kultur Lokal | Virtuoses Violinspiel
Kammerorchester
Eva Christine Westphal überzeugte vor allem als Solistin beim Jubiläumskonzert in der Klosterkirche. (Foto: t&w)

Virtuoses Violinspiel

Lüneburg. Der Herbst ist gekommen – und mit ihm das alljährliche Herbstkonzert des Lüneburger Kammerorchesters. Das stand dieses Mal unter einem ganz besonderen Zeichen, denn das Ensemble feiert sein zehnjähriges Bestehen. Und es gab einen weiteren Grund zum Feiern: Die 13-jährige Eva Christine Westphal, jüngstes Orchestermitglied und Tochter von Konzertmeisterin Katrin Westphal, hat in diesem Jahr den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ gewonnen. Beim Konzert in der Klosterkirche des Klosters Lüne am Sonntag vor knapp 200 Zuschauern glänzte sie als Solistin.

Dirigent Urs-Michael Theus gibt an diesem späten Nachmittag nicht nur den Takt an, sondern moderiert auf angenehm lockere Weise. So erfährt das Publikum neben Zahlen und Fakten über die Komponisten und ihre Werke auch die eine oder andere Anekdote.

Mit dem Concerto grosso d-Moll „La Follia” von Francesco Geminiani geht es kraftvoll und lebendig los. Der italienische Komponist habe sich hierfür bei seinem Lehrer Arcangelo Corelli bedient, so Theus. „Mit dem Datenschutz nahm man es damals noch nicht so genau.“

Vivaldis „Vier Jahreszeiten“

Es folgt der Herbst aus den „Vier Jahreszeiten“, dem wohl bekanntesten Werk von Antonio Vivaldi. Der Komponist habe jedem dieser vier Konzerte ein Sonett zur Einleitung vorangestellt – einen kurzen Text in Gedichtform, eine Art Gebrauchsanweisung. Mit diesem Wissen ausgestattet, kann man sie hören: die Dorfleute, die im ersten Satz die Ernte einfahren und dies fröhlich trinkend feiern.

Im zweiten Satz, betrunken vom Wein, legen sie sich schlafen, und so wird es ruhiger. Der dritte Satz schließlich ist geprägt von einem Jagdmotiv – erstaunlich, wie diese Stimmung mit einem Streichorchester ganz ohne Hörner transportiert wird!

Im „Herbst“ hat die junge Solistin ihren ersten Part. Sie spielt hochkonzentriert, aber unverkrampft. Ab und zu huscht ein Lächeln über ihre Lippen. Dabei wirkt sie, sobald sie die Geige abgelegt hat, eher schüchtern und scheint fast peinlich berührt, als sie nach dem Stück mit donnerndem Applaus ein zweites Mal auf die Bühne zurückkommen muss.

Tänze beschwingen zum Ausklang

Weiter geht es mit einem Werk, das Friedrich der Große komponiert hat, was sicher nicht wenige der Zuschauer überrascht. Denn dieser war ja eigentlich „im Hauptberuf König“, so Theus. Den Abschluss und Höhepunkt des ersten Teils bilden die „Zigeunerweisen“ des spanischen Komponisten Pablo de Sarasate. Der Dirigent verspricht nicht zu viel, als er voller Stolz ein zweites Mal Eva Christine Westphal ankündigt: „Sie zeigt Ihnen, wie die Zigeunerweisen gehen!“

Konzertmeisterin Katrin Westphal hat das anspruchsvolle Musikstück, das ursprünglich für Sinfonieorchester geschrieben wurde, neu arrangiert. Es ist ein wahres Feuerwerk an Tönen und Emotionen, das die junge Geigerin hier zum Besten gibt. Dafür muss sie dann sogar drei Mal zurück auf die Bühne kommen.

Nach der Pause folgen „Sieben Böhmische Tänze“ des tschechischen Komponisten Bedřich Smetana. Im Anschluss erklingt das Cantabile in D-Dur für Violine und Streicher von Niccolo Paganini. Hier kann die Solistin ein drittes Mal glänzen. Sie spielt mit viel Feingefühl – und wird erneut mit tosendem Applaus belohnt.

Die Streicherserenade op. 6 schließlich ist ein Frühwerk des Tschechen Josef Suk, die er im Alter von 18 Jahren schrieb. Sein Lehrer und Schwiegervater Antonin Dvořák hatte ihm die Aufgabe gestellt, ein Stück mit ausschließlich Dur-Tonarten zu schreiben. Entstanden ist eine „hinreißende Serenade“, wie Theus betonte, die in vier Sätzen den würdigen Abschluss eines rundum gelungenen Konzertes bildet.

Von Ruth Heume