Donnerstag , 24. Oktober 2019
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Timon Scheuer und Christian Müller. Foto: oc

Junger Jazz zum Nulltarif

Lüneburg. Gern wird geklagt, dass sich Uni und Stadt fremd sind. Das mag in einigen Bereichen stimmen, nicht in der Kultur. Aus studentisch-universitärem Bezug gehen immer wieder Träger der Kulturszene hervor, allen voran war es 1986 das Kulturforum. Campus mit Vamos und Ritterakademie, die Halle für Kunst und das Studi-Musical am Theater gehören aktuell zu den markantesten. Am nächsten dran zwischen Uni und Stadt aber ist seit fast zehn Jahren der Salon Hansen, und zu dessen interessantesten Angeboten gehört jeden Monat ein Jazzkonzert – bei freiem Eintritt.

Freien Jazz-Zugang gibt es auch bei den Sessions der JazzIG im Fridos und den Jazztraditions-Wahrern im Mälzer. Dort treten weitgehend gestandene Musiker aus der Region auf. Der Jazzklub im Salon Hansen bucht junge Musiker aus ganz Deutschland und auch mal aus der Schweiz, was ein Tournee-Förderprogramm möglich macht.

Ideales Lernfeld für KuWi-Studenten

Der Jazzklub wird auch zehn. „Das erste Konzert machten wir am 6. Mai 2010, eine Woche nach Eröffnung“, sagt Christian Müller im Rückblick. Der heute 37-Jährige gehört zum Leitungsteam der ClubKulturWerke GmbH, die den Salon, außerdem Schröders Garten, die HausBar und demnächst ein Restaurant in der Schröderstraße betreibt. Als erste Jazzband 2010 spielten Les Haferflocken Swingers aus Berlin so eine Art Trash-Sinti-Jazz.

Bis jetzt habe es 75 Jazzkonzerte gegeben, sagt Christian Müller. Er ist die Konstante im Programm, das vom studentischen Verein Originalton durchgeführt wird. Dahinter stehen zurzeit rund 30 Aktive. Einer ist Timon Scheuer. „Wir wollen als studentische Gruppe etwas in die Stadt geben“, sagt der 23-Jährige. Er studiert wie viele Originalton-Mitstreiter Angewandte Kulturwissenschaften. Seit 2016 ist Originalton als Verein eingetragen.

Originalton baut komplett auf Ehrenamt und bietet KuWis ein ideales Lernfeld, um das Musikgeschäft kennenzulernen. Ähnlich wie das lunatic-Festival, das nach einem Jahr Pause 2020 wiederkehren wird – und bei dem Originalton auch schon eine Bühne bespielte. Im Kulturforum, in der Garage (mit Fraktus), im AStA-Wohnzimmer und andernorts sorgte die Initiative ebenfalls für originale und originelle Live-Töne.

Der Salon Hansen setzt seit einiger Zeit verstärkt auf kulturelle Angebote: Lesungen, Poetry Slam, Konzerte, auch verstärkt mit regionalen Bands, gehören dazu und Pubquiz, ein zurzeit sehr angesagtes Format. Als die „Fragenfabrik“ namens Schwarmintelligenz zum Quiz-Kampf in Schröders Garten aufrief, war der Biergarten ausverkauft.

Längst nicht mehr nur für Studenten

Die Zahl der Partys im Salon Hansen wurde zurückgefahren, sie seien Mittel zum Zweck, sagt Christian Müller. Anders gesagt: Partys bringen Geld in die Kasse, das dann in Kulturveranstaltungen fließen kann. 2015 bekam der Salon den vom Bund vergebenen Applaus-Spielstättenprogrammpreis. Kultur braucht Unterstützung, sie kommt projektbezogen zum Beispiel von der Sparkassenstiftung Lüneburg.

Zwar wird der Club im Keller nach wie vor stark von Studierenden frequentiert, aber das ist längst aufgebrochen. „Wir haben uns als Spielstätte in der Stadt etabliert“, sagt Müller. Sichtbar ist das bei den Jazzabenden, die immer am zweiten Donnerstag im Monat angesetzt sind.

Zu den Konzerten kämen eher wenig Studierende, der Altersschnitt liege eher bei 40. Die Bands dagegen sind jung, die Nachfrage bei den Musikern sei groß, „wir buchen weit im Voraus“, sagt Timon Scheuer. Nächster Jazztermin: 10. Oktober mit der Baseler Formation „Das letzte Kollektiv“, ein Quartett, das improvisierte Grooves, Melodien und Soundflächen ankündigt.

Von Hans-Martin Koch