Donnerstag , 24. Oktober 2019
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Alexander Eissele holt sich den Schwung für neue Programme gern auf dem Rad. Foto: oc

Eissele plant einen „Sahne“-Abend

Lüneburg. Man muss schon weit wandern durch den Kalender des Theaters. Bis zum 4. April 2020, dann heißt es: „Aber bitte mit Sahne!“. Was nicht drinsteht, sind die Solisten, die mit Alexander Eissele und den Lüneburger Symphonikern die Liederwelt des Udo Jürgens durchstreifen. Was auch nicht drinsteht: Das Konzert im Libeskind-Bau mit rund 800 Plätzen ist so gut wie ausverkauft, und darum ist ein Zusatzkonzert angesetzt, zwei Tage später, also am 6. April. Das steht schon drin.

Das Geheimnis des Udo-Jürgens-Genres

„Aber bitte mit Sahne!“ ist das nächste fette Ding von Eissele. Der Klarinettist der Symphoniker ist auch Bandleader, seit 1992 leitet er die Lumberjack Big Band in Göppingen, in seinem Heimatländle Baden-Württemberg. Mit ihr erarbeitet er Programme, die sich nach Lüneburg übertragen lassen und hier einen neuen Sound bekommen. Thomas Dorsch, Generalmusikdirektor des Theaters, strickt die Big-Band-Arrangements für Orchester und Band um. Dorschs Bearbeitungen zündeten bereits bei Queen und bei den Beatles. Das wird bei Udo Jürgens erneut so sein.

Jürgens und Orchester, das geht gut zusammen. „Udo Jürgens war ja der erste U-Musiker, der mit den Berliner Philharmonikern spielte“, sagt Eissele. Das war 1979 mit „Krone der Schöpfung“ und eines der Projekte, mit dem Udo Jürgens deutlich machte, dass er nicht im Schlagerfach abzulegen ist. Tatsächlich gibt es so etwas wie ein Udo-Jürgens-Genre, irgendwo zwischen Chanson, Liedermacher und eben Schlager.

Das Programm wird die großen Hits bieten, mitunter in Medleys zusammengefasst. Dazu kommen unbekanntere Lieder, und am Anfang steht die Lampenfieber-Ballade „Nur drei Minuten“. Das kennt Eissele, diesen Magengrummel-Moment vor dem Auftritt: „Wenn da direkt vor dem Beginn einer sagen würde: Komm, wir gehen Pizza essen, ich wäre dabei.“ Aber dann, wenn er draußen ist, dann kann Eissele geradezu explodieren, dann reißt er Musiker und Zuhörer im Sturm mit.

Drei Solisten sind für den „Sahne“-Abend gebucht. Ein Wiederhören und -sehen gibt es dabei mit Caroline Kiesewetter. Sie spielte schon in der Intendanz-Ära von Jan Aust am Lüneburger Theater, unter anderem in Shakespeare-Komödien und im Musical. Bekannt ist sie auch durch ihre Zeit bei den „Roten Rosen“.

Das Ritual mit dem weißen Bademantel

Mit dabei ist sodann Karim Khawatmi, ein ganz erfahrener Musicalmann. Er sang und spielte zum Beispiel den Axel Staudach im Udo-Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“. Uli Scherbel, dritter im Solistenbund, „war noch niemals in New York“ beziehungsweise war er im gleichnamigen Musical zu erleben. Scherbel sang außerdem auf Wunsch von Udo Jürgens in der ZDF-Geburtstagsgala „Mitten im Leben“ anlässlich seines 80. Geburtstages (2013) das gesellschaftskritische Lied „Ein ehrenwertes Haus“.

Udo Jürgens pflegte zur Zugabe im weißen Bademantel auf die Bühne zurückzukommen. Wer den beim Lüneburger „Sahne“-Abend überstreift, das wird nicht verraten.

Von Hans-Martin Koch