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John Strelecky antwortet gestenreich auf die Fragen von Moderatorin Anouk Schollähn. Foto: t&w

Auf Sinnsuche im kleinen Café am Rande der Welt

Lüneburg. Worum es im Leben geht und was der Sinn unserer Existenz auf diesem Planeten ist, das haben sich garantiert schon viele gefragt. Große Philosophen und auch kleine Lebenskünstler beschäftigen sich häufig mit der Frage, wie man dem eigenen Dasein tiefere Bedeutung verleihen kann. An diesem Abend ist der Amerikaner John Strelecky gemeinsam mit der Moderatorin Annouk Schollähn zu Gast im Kulturforum Wienebüttel, um ein Schlaglicht auf die Thematik zu werfen.

Strelecky hat sich mit drei Büchern, die alle in einem kleinen Café am Rande der Welt spielen, bei seinen Fans einen Namen gemacht. Immer geht es in seinen Geschichten darum, wie wir unserem Dasein Tiefe abgewinnen können – keine einfache Frage, sollte man meinen, doch der Autor gibt einfache Antworten: Überlege, was dir wirklich wichtig ist im Leben. Denke positiv, schau nach vorn und verbinde dich mit Menschen, die dir helfen können. Wirklich neu ist nichts daran, und Menschen mit Lebenserfahrung dürften dergleichen Ratschläge schon mehr als einmal gehört haben. Immerhin, der Autor wirkt sympathisch, er ist dem Publikum nah und hat Humor.

Der Familienzusammenhalt bröckelt

Die Botschaften allerdings, die aus seinen Erzählungen resultieren, hört man auch anderswo. Früher war es die Aufgabe der liebevollen älteren Angehörigen, den jungen Leuten ein paar Lebensweisheiten mit auf den Weg zu geben. Ratgeberliteratur brauchte es dafür nicht, erst recht keine Coachingkurse. Doch in Zeiten, in denen der Familienzusammenhalt bröckelt und Religion für viele Menschen an Bedeutung verloren hat, bekommt die Suche nach dem Sinn des Lebens wieder mehr Gewicht. Kaufen und konsumieren allein jedenfalls macht nicht glücklich – zumal wir damit die Umwelt und unsere natürlichen Lebensgrundlagen beschädigen, wenn nicht gar vernichten. Besser ist es da, Liebe zu geben und zu empfangen, anstatt sie irgendwo kaufen zu wollen. Die Sehnsucht nach anderen als materiellen Werten ist verständlich.

Kleine Ermutigungen sind gefragt

John Streleckys „big Five for Live“, die fünf Leitlinien, die jeder Mensch sich geben sollte, bieten vielen seiner Fans offenbar eine Orientierung. In einer Welt, die von schlechten Nachrichten nur so geflutet wird und in der gewohnte Strukturen sich aufzulösen drohen, mag es beruhigend sein, sich auf einfache Botschaften zu besinnen. Das allerdings auch positives Denken und der Blick nach vorn demjenigen nicht wesentlich weiterhelfen wird, der gerade von harten Schicksalsschlägen wie schwerer Krankheit, Verlust eines geliebten Menschen oder dauernder Arbeitslosigkeit gebeutelt ist, blendet dieser Abend aus.

Kleine Ermutigungen sind gefragt, einfache Rezepte gegen die zunehmend konfus wirkende Welt da draußen. Wer dergleichen mag, ist bei John Strelecky richtig. Wie weit das trägt, wird jeder in seinem Alltag selbst erproben müssen. Und wer vielleicht das Glück hat, eine lebenserfahrene Großmutter oder einen herzensguten alten Onkel oder Opa zu haben, der darf sich freuen, denn die verbreiten die obigen Botschaften bestimmt sogar gratis.

Von Elke Schneefuß