Donnerstag , 14. November 2019
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Häufiger Gast des Festivals: Ursula Poznanski. (Foto: t&w)

Irgendetwas muss schief gegangen sein

Lüneburg. Krimi-Autoren müssen liefern. Sie müssen Termine einhalten. Die Verlage drängeln. Kann sein, dass der Katalog bereits Bücher ank ündigt, die noch geschrieben werden müssen. Ihren Lesern sind die Autoren darum in der Regel ein Buch voraus. Die Wienerin Ursula Poz­nanski packt beim Lünebuch-Krimifestival ihr „schönstes Hochdeutsch“ aus und stellt im ausverkauften Kunstsaal den ersten von drei „Vanitas“-Krimis vor. Band zwei liegt beim Lektor, aber ein wenig wird die 51-jährige Bestsellerfabrikantin schon verraten.

Es sei bereits Poznanskis vierte Lesung beim Lüneburger Krimifestival, sagt Lünebuch-Chef Jan Orthey. Am Nachmittag hatte Poznanski aus „Erebos 2“ gelesen, einer späten Fortsetzung ihres ersten großen Erfolgs aus dem Jahr 2010. Die Autorin erhielt 2011 den Deutschen Jugendliteraturpreis und hatte sich damit nach einigen Anläufen im Buchmarkt als Bestsellergröße etabliert. Seither schreibt sie wie am Schnürchen, gern in überschaubaren Serien.

Am Ende der „Vanitas“-Trilogie werden die Leser/innen wissen, was die Ich-Erzählerin Grauenvolles erlebt hat. Sie arbeitet als verdeckte Ermittlerin, anders gesagt als Polizeispitzelin. Etwas muss fürchterlich schief gegangen sein. Es führte jedenfalls zu ihrem offiziellem Begräbnis. Ein Clan, der sie aus dem Weg schaffen will, soll glauben, dass sie tot ist. Neuer Name, neuer Ort, neuer Beruf: Carolin arbeitet in einer Wiener Friedhofsgärtnerei, also weiter hart am Tod.

Ursula Poznanski hat eine von Angst und Panik getriebene Frau erfunden. Sie wird trotzdem bald wieder im alten Metier unterwegs sein und in München in die Welt mafiöser Baukonzerne gestoßen. Mysteriöse Todesfälle häufen sich, Carolins Neugier ist immer wieder stärker als ihr Horror vor den Grausamkeiten, die ihr drohen, wenn… Ja, wenn dieser Clan sie entdeckt.
Eine Frau voll widerstreitender Gefühle und Gedanken hat Ursula Poznanski erfunden. Zur Konstruktion des Krimis gehören die eingestreuten, bröckchenhaft bleibenden Rückblicke Carolins. Als zweite Grundierung bindet die Autorin die Sprache der Blumen ein. In ihnen entdeckt Carolin Botschaften. Verschiedene Blumen, zusammengesteckt, funktionieren wie Codes. Mal enthalten sie Aufforderungen zum Handeln, mal scheinen in ihnen Drohungen zu blühen. Am Ende wird Carolin einen Strauß Tagetes vor der Tür finden: Tagetes, die Totenblume! Sie dienen als Cliffhanger für Band zwei.

Blumen passen zum Serientitel „Vanitas“, dem Wort für Vergänglichkeit. Auf Vanitas-Stillleben spielen neben dem immer präsenten Totenkopf Blumen oft eine Rolle, bevorzugt in welkendem Zustand.

Band eins der Serie ist „Schwarz wie die Erde“ überschrieben. Poznanski liest im Kunstsaal den Beginn des in sich runden Falls. Ein wenig über das Liefernmüssen erzählt sie – schnell redend. schnell denkend – am Ende: 1300 Worte seien ihr tägliches Ziel. In der Regel kommen dabei zwei Bücher im Jahr heraus. „Erebos 2“ schafft es an die Spitze der Bestsellerliste, „Vanitas“ auf Platz zwei.

Von Hans-Martin Koch