Donnerstag , 14. November 2019
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Die Tage, die ich mit Gott verbrachte. Foto: t&w

Auf einer Parkbank mit Gott

Lüneburg. Der Eine hat sich einen Büroelefanten erschaffen, der Andere die ganze Welt. Der Büromensch hilft sich mit seinem Fantasieelefanten aus seinem tristen Alltag, für Gott war die Erschaffung der Welt eher ein Spiel, entstanden aus naturwissenschaftlicher Neugier am Urknall. Der Mensch war dabei ein Zufallsprodukt, eine Randerscheinung, nicht gewollt: „Ihr seid völlig grundlos hier“, erklärt Gott dem konsternierten Büromenschen. „Ihr haltet Euch für das Zentrum der Welt, aber Ihr hättet auch Krakenfutter werden können.“ Jetzt also ist Gott heruntergekommen auf seine Spielwiese, um zu schauen, was aus dem Nebenprodukt Mensch geworden ist.

Stück basiert auf dem Buch von Axel Hacke

„Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ heißt das Theaterstück, das auf Axel Hackes Buch basiert und von Robert Koall in eine Bühnenfassung gebracht wurde. Jetzt feierte es Premiere im ausverkauften T.NT und wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Martin Skoda verkörpert einen überdrüssigen, meist übellaunigen, ein wenig selbstgerechten Büromenschen, der – „typisch Mensch“ – in seiner täglichen Routine vor sich hinvegetiert. Eines Tages während einer Mittagspause setzt sich Gott zu ihm auf die Bank – ein freundlicher, älterer, korrekt gekleideter Herr mit Melone. Frank Hangen spielt unseren Erschaffer als zunächst sorglosen Beobachter, der die Verantwortung für sein Werk im Grunde ablehnt. Er sei zwar verantwortlich für alles, „aber helfen kann ich Euch nicht. Ihr müsst Euch selbst helfen. Könnt Ihr auch. Werdet Ihr.“ Leicht gesagt, vor allem, wenn sich Gott die Evolution ausgedacht hat, weil er nicht weiter wusste: „Die Sache sollte von selbst laufen.“

Eine Haltung, die den Menschen auf die Palme bringt. Und in Schwung. Spätestens als Gott ihm „das große Egal“ vor Augen führt, erkennt er, dass er selbst tätig werden muss. Und er kitzelt das große Egal so lange, bis er selbst neuen Lebensmut tankt, um endlich seine Lethargie hinter sich zu lassen und sich mit seinem verstorbenen Vater aussöhnen zu können. Die Botschaft ist ebenso klar wie banal: „Schnapp Dir den Moment und tu mit Deinem Leben, was Du willst“.

Auch der Schöpfer ist eben nicht perfekt

Das Stück lebt von surrealen, aberwitzigen Momenten und vor allem von den beiden Gegenspielern auf der Bühne. Gut, dass auch Gott nicht perfekt ist: Neben seiner Schwäche für Champagner ist da der Spieltrieb, der manches Mal mit ihm durchgeht. Die Erkenntnis, dass „der Mensch als einziges Wesen zum Unmenschlichen fähig ist“ fasziniert ihn eher als dass sie ihn entsetzt. Denn das Dagegenhalten ist vom Menschen selbst gefordert.

Da ist es gut, dass der (Büro-)Mensch endlich seinen passiven Beobachterposten aufgibt, sich wachkitzelt und Verantwortung übernimmt. Ein brandaktuelles Stück also, das nicht zuletzt von seiner unaufdringlich intensiven Inszenierung (Matthias Herrmann, Dramaturgie: Hilke Bultmann) lebt. sel