Donnerstag , 12. Dezember 2019
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Markus Lüpertz
Die Ausstellung in der Kulturbäckerei präsentiert Arbeiten eines Künstlers, der sich als „MalerBildhauer“ bezeichnet. (Foto: Pertz)

Das Ringen um die Form

Lüneburg. Lüpertz ist groß. Er ist der Malerfürst, das Genie von eigener Gnade. Er malt, zeichnet, modelliert, formt, radiert, stichelt und ätzt. Er schreibt, er spielt Free Jazz, er war gut 20 Jahre Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie. Er inszeniert sich als Bohemien, zählt nun 78 Jahre und zur Liga Immendorff, Baselitz und Penck – natürlich als Spitzenreiter. Die Themen seiner Kunst greifen das große Ganze der Menschheitsgeschichte samt ihrer Mythen auf. „Mykenisches Lächeln“ heißt eine umfangreiche Markus-Lüpertz-Ausstellung mit Grafik und Skulpturen, die bis zum 11. Dezember in der Kunsthalle der Kulturbäckerei zu sehen ist.

Neue Ausführungen nach gut zwanzig Jahren

Die seit bald 60 Jahren immer wieder und gern in Serien betriebene Grafik spielt im Werk des „MalerBildhauers“ eine vergleichsweise leisere, aber nicht weniger wirksame Rolle. Wie wichtig Markus Lüpertz das Genre ist, lässt sich schon daran ablesen, dass er Bestehendes wieder aufgreift. Die zehn Holzschnitte „Mykenisches Lächeln“ aus dem Jahr 1985 erhielten noch gut zwanzig Jahre später neue, farbigere Varianten.

Im „Mykene“-Zyklus greift Lüpertz tief in die Antike. Mykene, Machtzentrum und Heimat des Troja-Bezwingers Agamemnon, gilt als erste Hochkultur Europas. Lüpertz löst aus der Tiefe des historischen Raums geheimnisvoll lächelnde, idealisierte Gesichter heraus. Sie erinnern an Darstellungen auf Gefäßen und Fresken. Lüpertz lässt sie ohne jeden Kontext im Raum schweben. Sie wirken zeitlos und gegenwärtig. Auf einer anderen Ebene stehen sie für einen Künstler, der seinen Weg geht, nicht nach links und recht schaut, der nur sich selbst folgt und sich das, was ihn anregt, leidenschaftlich anverwandelt.

Lüpertz legt in vielen seiner Bildserien das Archaische frei, die Form, die Geste, die Haltung, die Kraft, die Athletik, die Körper- und auch die Sinnlichkeit. Das wird sehr deutlich bei den Lithographien mit dem Obertitel „Michael Engel“, was etwas albern klingt, aber eben Michelangelo huldigt oder besser: aufgreift. Lüpertz balanciert Gesehenes und Erfasstes in skizzenhaften Prozessen in sein Hier und Jetzt. Neun Bildserien prägen die von Enno Wallis klassisch museal und sehr ansprechend eingerichtete Ausstellung mit Grafik aus 35 Jahren.

Kleckse auf den Skulpturen

Eine besondere Rolle spielt dabei der Zusammenklang von Skulptur und Grafik in der Sternzeichen-Serie. Die etwa 50 Zentimeter hohen, kraftvollen Bronzen, 2018 für die FAZ-Edition entstanden, spiegeln das Ringen des Künstlers mit der Form. Am Ende hat er die expressiven Skulpturen kleckerig bemalt. Mag sein, dass er damit daran erinnern will, dass die heute so steinern und marmorn dastehende Figuren der Antike einst recht farbig gestaltet waren.

Die Kunsthalle der Sparkassenstiftung setzt mit dieser imposanten Ausstellung ihren Schwerpunkt mit zeitgenössischer Kunst fort. Themen waren unter anderem der in Bleckede geborene Jörg Immendorff (2007 in Düsseldorf gestorben), die aus Lüneburg stammende Annegret Soltau, die dem Wendland verbundenen Rixdorfer. Die jüngere Generation vertraten als weit über die Region hinauswirkende Künstler vor allem Justine Otto (Bleckede) und Simone Fezer (Raven). Im kommenden Jahr wird zu seinem 80. Geburtstag der Bardowick lebende Künstler Dietger Luckow mit einer Ausstellung geehrt.

Markus Lüpertz besucht die Kulturbäckerei am Donnerstag, 14. November, ab 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, begrenzte Platzzahl.

Von Hans-Martin Koch