Aktuell
Home | Kultur Lokal | Besuch bei den Erbslingen
Erbsen, so groß wie Tennisbälle: Andersens berühmtes Märchen in der Berabeitung von Kirstin Rechten Foto: t&w

Besuch bei den Erbslingen

Lüneburg. Einen Weihnachtsbaum gibt es noch nicht in Erbshofen, wo das Weihnachtsmärchen des Theaters im e.novum spielt, und wo Prinz Otto von seiner Mutter Agathe gezwungen werden soll, sich anhand von Bildern für eine von drei auf ihre Echtheit geprüften Prinzessinnen zu entscheiden, die sie selbst ihm ausgesucht hat. Aber es glänzt schon fast wie Weihnachten während der ausverkauften Premiere, denn König und Königin wohnen schließlich angemessen in einem Reich, wo Kronen, Stoffe, Tapeten und natürlich auch die wunderschönen Kleider gold- und silberfarben schimmern.

Zunächst aber sieht man nichts als Grün: Erbsenpflanzen an allen Wänden tragen Schoten, so groß, dass sie als Hut auf den Kopf passen. Darin kullern Riesenerbsen herum wie Tennisbälle. Eine davon soll später die Echtheit einer Prinzessin beweisen. Es geht schließlich um Hans Christian Andersens Märchen „Die Prinzessin auf der Erbse“. Kirstin Rechten hat es für das Kinderensemble 3 bühnen- und kindgerecht bearbeitet und mit vielen witzigen und originellen Einfällen angereichert. Zusammen mit Nils Beckmann führt sie zugleich Regie (Assistenz: Hannah Rechten).

Langweiliger Anwärter auf den Thron

Kein Wunder, dass die Erbsen so gut wachsen, denn es regnet oft bei den Erbslingen. Sogar ein Gewitter tobt (Ton und Musik: Ulf Manú, Bühne: Nile Bettinger, Rolf Kienzle, Annabell Balzer). Dem lustigen Erbskäfer Erwin (A-Besetzung: Henning Sarninghausen/B-Besetzung: Justus Tribian) und der quirligen Raupe Frieda (Johanna Mitwollen / Franzi Rahn) macht das nichts aus, und alle anderen können sich einen der grünen Schirme greifen, die vorsorglich von der Bühnendecke herunterhängen. Prinz Otto (Julian Lehnhoff / Johannes Feldmann) freut sich darüber für seinen Erbsenanbau, denn er wäre am liebsten hauptberuflich Gärtner und nicht langweiliger Anwärter auf den Thron.

Doch die energische Königin Agathe (Lilly Silkeit/Hannah Brand) und der Erbsengedichte erfindende König (Ernesto Ehrlich Pinto/Matthias Csuraji) denken anders: Nach dem erbshöfischen Gesetzbuch EGB, aus dem der zuweilen in Ohnmacht fallende Haushofmeister vorliest (Alexander Böttchen/Paul Richter) muss Otto heiraten, und zwar eine echte Prinzessin. Köchin Berta (Anouk Bromm/Xenia Schmidt-Jortzig) tröstet alle mit Erbsengerichten. Denn Otto lehnt all die überkandidelten Bewerberinnen ab. Erst als er zufällig auf die begeisterte Naturbeschützerin Helene (Mila Borchers/Lientje Maya Hauschild) trifft, die behauptet, zufällig auch eine wirkliche Prinzessin zu sein, ändert sich seine Meinung. Er mag sie und sie ihn auch. Doch ist sie echt? Ihre entzückend arrangierte Erbsenprobe im Bett voller Matratzen wird es zeigen.

Sie agieren, singen und springen

Acht zauberhaft kostümierte Kinder (Maske: Nils Beckmann u.v.a.) spielen Hauptrollen in dieser Jubiläumsinszenierung, die zugleich das zwanzigjährige Bestehen des von Margit Weihe gegründeten Theaters mit Theaterschule mitfeiert. Sie agieren, singen und springen, vieles wirkt wie improvisiert, ganz natürlich. Und sie zeigen ausgiebig hintergründigen Humor und herzerwärmendem Charme. Das Schlusswort: Königin sein ist schön und gut, wenn man etwas Gutes tut, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute!

Weitere Aufführungen: 10., 17. bis 19., 22. bis 27. November und 1. und 2. Dezember (es gibt noch Restkarten in der Vorverkaufsstelle der Landeszeitung).

Von Antje Amoneit