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„Eichhörnchenkinder“ (Pastellkreide) von Friederike Elfers. Foto: privat

Probleme einmal zur Seite legen

Lüneburg. Die Psychiatrische Klinik Lüneburg lädt zur Ausstellung „Kunst als Therapie“ ein. „Die Kunsttherapie setzt am Grundbedürfnis an, sich gestalterisch auszudrücken, um mit sich und anderen in Kontakt zu treten“, so Dr. Marc Burlon, Ärztlicher Direktor der PKL, „sie ist fester Bestandteil unseres therapeutischen Angebots.“ Die Ausstellung im Albert-Ransohoff-Saal und auf der Ebene eins des PKL-Hauptgebäudes zeigt etwa fünfzig Gemälde und Zeichnungen von Klaus und Björn-Christopher Woldt, Friederike Elfers und Melanie Kalle. Der Eintritt ist frei.

„Schon als Kind habe ich gerne gemalt“, beschreibt Friederike Elfers ihr Beziehung zu Farbe und Papier, „nach der Schule verschaffte mir das Ablenkung und Entspannung“. Um ihre Technik weiterzuentwickeln und Neues zu lernen, hat sie in den letzten 25 Jahren verschiedene Kurse besucht: „Zunächst verwendete ich nur Rötelstifte, mittlerweile arbeite ich auch mit Acrylfarben und Pastellkreide.“ Für die 52-Jährige ist wichtig, dass ihre gewählten Motive sie innerlich ansprechen: „Die Bilder machen etwas mit mir. Beispielsweise die beiden Eichhörnchen in einer Hand geben mir ein Gefühl der Geborgenheit und das Wissen, dass ich nicht allein bin.“

Zeichnerisch- künstlerisches Talent

Auch Björn-Christopher Woldt malt schon sein Leben lang. „Ich habe das zeichnerisch- künstlerische Talent von meinem Vater Klaus Woldt geerbt“, erzählt er, „in einer meiner frühesten Erinnerungen stehen wir im Urlaub in Dänemark nebeneinander und malen. Mein Vater hat mich immer ermutigt, meinen eigenen Stil zu finden, und ich habe viel von ihm gelernt.“ Heute könne er sich ein Leben ohne Malen gar nicht mehr vorstellen, so der 35-Jährige.

„Aber sehr intensive Phasen, in denen auch schon mal der Schlaf zu kurz kommt, wechseln sich mit Zeiten ab, in denen es mir schlecht geht und ich gar nicht malen kann.“ Wenn er dann wieder damit beginnen könne, fordere das kreative Tun seine ganze Konzentration, lenke ihn von quälenden Gedanken ab und verschaffe ihm Ruhe. Diesen positiven Effekt kennt auch Friederike Elfers: „Wenn ich mich auf das Motiv und das Zeichnen konzentriere, kann ich etwas verarbeiten, indem ich es gedanklich zur Seite lege.“

„Mein Vater ist mein malerisches Vorbild“

Wie sein vor einiger Zeit verstorbener Vater malt Björn-Christopher Woldt nahezu fotografisch. Seine Bilder beeindrucken durch hohe Detailgenauigkeit und die Wirkung von Schatten und Licht. „Mein Vater ist mein malerisches Vorbild, und es ist großartig, dass in dieser Ausstellung auch Bilder von ihm gezeigt werden“, freut sich Woldt. Denn obwohl der Vater sein Leben lang sehr kreativ gewesen sei, vieles ausprobiert und nebenberuflich als Auftragsmaler und -restaurator gearbeitet habe, sei dies die erste Ausstellung mit Werken von ihm.

Die Bilder der vierten Künstlerin, Melanie Kalle, vervollständigen das vielfältige Angebot für die Besucher: „In der Tagesklinik entdeckte ich das Malen und Zeichnen für mich. Diese Arbeiten haben mir schon aus dem einen oder anderen Tief herausgeholfen.“ lz

Noch bis Sonnabend, 30. November, können Schulklassen und andere Gruppen die Ausstellung nach Terminabsprache (04131-60 20200) besuchen. Vom 10. bis 12. Januar, von 15 bis 18 Uhr, ist die Ausstellung im Heine-Haus zu sehen.