Aktuell
Home | Kultur Lokal | Moderne Sicht auf Leonardo da Vinci
Karl-Willi Haases Variation über Leonardos Abendmahl-Fresco. Foto: privat

Moderne Sicht auf Leonardo da Vinci

Lüneburg. Der Bund Bildender Künstler (BBK) Lüneburg bezieht sich in seiner Jahresausstellung „Leonardo reloaded“ auf ein Multi-Genie, das Wissenschaftler und Kunstsachverständige bis heute verblüfft. Was assoziieren wir mit ihm? Und was macht ihn bis heute zu einer Persönlichkeit, die auch für heutige Künstler/innen als Vorbild und Inspiration gelten kann? Um diese Fragen dreht sich die Präsentation, die am Sonntag, 1. Dezember, um 11.30 Uhr im Heinrich-Heine-Haus eröffnet wird.

Wer war Leonardo? Die historische Person wurde 1452 unehelich geboren und ist in den ersten Jahren im kleinen Ort Vinci aufgewachsen. Schon zu Lebzeiten berühmt als Universalgenie, galt er als umfassend gebildet, intelligent, erfindungsreich, phantasiebegabt, vielseitig. Er war zeitgleich Künstler und Wissenschaftler, war revolutionär und sensibel, unkonventionell und nicht angepasst. Mit Michelangelo und Raphael gehörte er zum Dreigestirn der Maler der Hochrenaissance, gab sich global und weltgewandt. Er eckte an, war keine einfache Persönlichkeit, modern und frei in seinen Auffassungen, grenzüberschreitend.

Kunst ist überall zu finden

Er lebte in einer Zeit des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit. Der Mensch stand nun im Mittelpunkt des Interesses. Leonardo untersuchte Leichen, schrieb Notizen in Geheimschrift, erfand Maschinen und Geräte, rechnete gerne, malte im sfumato. Er war der Auffassung, dass Kunst überall zu finden ist, zum Beispiel in Wolkenformationen, in Pfützen, in Mauerrissen. In Florenz wurde er zur persona non grata und hinterließ weitere Spuren in Mailand, in Rom und im hohen Alter in Paris – quasi als Migrant, eingeladen vom König selber.

„Für uns wird Leonardo zum modernen Menschen, er rückt uns sehr nahe in seinem Denken und Leben, in all dem, was er uns überliefert hat“, so die Kunsthistorikerin Dr. Carmen Putschky, die auf der Vernissage zur Einführung spricht. „Geläufig sind uns viele seiner Werke: der Vitruvianische Mensch ebenso wie seine Proportionslehre, die Mona Lisa, das Abendmahl, sein eigener Malstil mit dem sfumato als fein abgestufter Luftperspektive, die Flugmaschinen, die Kampfmaschinen und vieles mehr. Er wird zum Vorbild, zum Idol, zum Mythos, zum Phänomen. Wie nun bezieht man sich auf einen solchen Menschen 500 Jahre später?“

Bis einschließlich 15. Dezember

Beteiligt sind Kathrin Bick-Müller, Monika Gottfried, Karl-Willi Haase, Christel Hasper, Ulrike Heimers-Dahm, Gudrun Jakubeit, Ludmilla Schalthoff, Regine Stoll, Constanze Straub, Barbara Westphal, Lutz Wiedemann und Ingrid Wolf-Junker. Öffnungszeiten: bis einschließlich 15. Dezember mittwoch, sonnabends und sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr. lz