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Herr Könnig singt, Herr Moldenhauer spielt, mehr braucht es nicht auf der Bühne für einen unterhaltsamen Abend. Foto: phs

Helene badet nicht mehr

Lüneburg. „Kapriolen sind, kurz und gut, wenn man tut, was die anderen seltsam finden.“ Diese ebenso knappe wie stimmige Definition präsentierte am Sonntagnachmittag Herr Könnig im ausverkauften T.NT. „Capriolen“ ist auch der Titel seines neuen Programms, das wie gewohnt in die musikalische Welt der 1920er- bis 1940er-Jahre entführt.

Die Komposition aus der Feder von Peter Kreuder war die Titelmusik des gleichnamigen Films aus dem Jahre 1937, in dem es eben nicht nur um die Kapriolen einer Propellermaschine am Himmel geht. Sondern um alles, was aus dem Rahmen fällt, das kann auch mal ein Foxtrott sein, so Herr Könnig. Nehmen wir zum Beispiel den 1926 erschienenen Schlager „Das schöne Fräulein Helene soll nicht mehr baden geh’n“, der auf den Riesenerfolg „Ich hab das Fräulein Helene baden seh’n“ aus dem Vorjahr folgte. „Jede Kapelle“, so schilderte Herr Könnig zwischen den beiden Badeschlagern, „hat das Lied rauf und runter gespielt“.

Am Ende konnte man es nicht mehr hören. Das muss die Komponisten Fred Raymond und Fritz Grünbaum zu einer originellen Reaktion, zu einer herrlich frechen Fortsetzung veranlasst haben: Man habe jetzt genug geseh’n von Fräulein Helenes Waden, sie solle bitte sehr nicht mehr baden. Ein ums andere Mal bestechen die Schlager durch ihren hintergründigen Wortwitz oder auch durch schonungslose Ehrlichkeit, so auch in einem Tango aus dem Jahr 1931 von Fritz Rotter und Fred Markush: „Liebe war es nie, denn du hast kein Herz. Liebe war es nie, es war nur ein Scherz“.

Überzeugt mit schlagfertigem Charme

Nicht nur Herr Könnig im schmucken Anzug, mit Gamaschen und Monokel und sein Pianist Matthias Moldenhauer im eleganten Stresemann sind stilgerecht gewandet – auch im Publikum sitzt mancher Zuhörer in Knickerbockern und Schlagmütze. Und wenn Herr Könnig von Filmrevuen und ihren Schlagern erzählt, sich zu der kühnen These versteigt: „Das weiß heute niemand mehr“, erntet er leises, aber energisches Protestmurmeln. Die Korrektur folgt auf dem Fuße: „Nur die wenigsten wissen das.“

Überhaupt weiß Könnig mit schlagfertigem Charme über kleine Pannen wie Texthänger hinwegzusehen: „Da mussten wir lange für proben, bis diese Fehler sitzen.“ Oder der Mann am Klavier hilft mit einer spontanen Hommage an Beethoven aus, indem er – im Beethoven-Jahr – dessen 5. Sinfonie anspielt. Ohnehin bringt Moldenhauer trotz vornehmer Zurückhaltung einiges an Dynamik und Swing ins Programm, etwa mit seiner Kazoo (ein Mundstück), mit dem er sich selbst und Herrn Könnig zur deutschen Variante von „Yes Sir, that’s my baby“ („Küss mich, Schnuckiputzi“) begleitet.

Drei Zugaben gibt das muntere Duo, die letzte ist eine echte Herausforderung für Schnellsprecher Könnig: 1939 komponierte Heinz Erhard, damals noch schlank im weißen Dinnerjacket am schwarzen Klavier, den Schlager „Mein Mädchen“. Auch das ein Lied, das Kapriolen schlägt und seinen Interpreten großes Können abverlangt. Die nächsten „Capriolen“ gibt es am 15. Februar, 17. Mai und 20. Juni im T.NT zu sehen.

Von Silke Elsermann