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Brief-Skulptur von Karl Schaper. Foto (Ausschnitt): ff

Meister der imaginären Korrespondenz

Dahlenburg. Kein Kanzler der jüngeren Vergangenheit war ein so dankbares Objekt für Kabarettisten wie Helmut Kohl – schon allein der Sprache wegen: Diese Art, V okale zu verschlucken und auf den Konsonanten zu verharren, die hat sich auch Karl Schaper nicht entgehen lassen: “Ti teutsche Fracke bleibbt völlick offen, Herr Tocktor Kohl”, so steht es auf einem Brief an den Kanzler, der noch in 5300 Bonn residierte. Er ist nicht aus Papier, sondern aus Holz, eine typische Arbeit des Künstlers, zu sehen in der Galerie kunstFleck.

Karl Schaper, geboren 1920 in Berel, gestorben in Apelnstedt (beide nahe Wolfenbüttel), war Maler, Bildhauer, Grafiker und Konzeptkünstler, schuf Objekte und Installationen, er wird heute zu den bedeutenden Vertretern der Abstrakten Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg gezählt. Er war Soldat an vielen Fronten, das hat ihn natürlich geprägt und wohl auch sein Bewusstsein für den Missbrauch gesellschaftlicher und politischer Macht geschärft. Schaper studierte in Düsselsorf, Paris und Kassel, hatte Kontakt mit Joseph Beuss und Fernand Leger. Seine Arbeit wurde – unter anderem – mit dem Stipendium der Villa Massimo in Rom ausgezeichnet, mit dem Niedersächsischen Kunststipendium und mit dem Kunstpreis der SPD-Fraktion im Niedersächsichen Landtag.

Kaum eine Arbeit ohne Text

Die imaginäre Korrespondenz, zu Papier- oder Holzskulpturen verarbeitet, war sein Markenzeichen – mit Heinrich Heine (“Habe die ganze Nacht an dich gedacht”), mit Heinrich von Kleist oder eben mit Helmut Kohl. Es gibt Tuschezeichnungen aus den späten Sechziger Jahren, im Mittelpunkt der Ausstellung des Kunstvereins Region Dahlenburg steht aber der Mauerfall, die Wiedervereinigung, die auch für Schaper in ihrer Schnelligkeit überraschend war. Schaper konnte nie gelassen zusehen, “er war wahnsinnig genervt, hat sich abgearbeitet”, sagt Manfred Bannenberg, Filmemacher und (zusammen mit der Kunstvermittlerin Margot Michaelis) Kurator der Dahlenburger Ausstellung, die vorher in ähnlicher Form in Neuhaus zu sehen war.

Es gibt bei Karl Schaper kaum eine Arbeit ohne Text, oft sind es nur Fragmente, Worthülsen, die unkommentiert in das Geschehen geworfen werden. Manches geht Richtung Karikatur, wenn er die deutschen Befindlichkeiten schildert, und vieles bleibt ein bisschen rätselhaft, holzschnittartig. Oder es ist auch mal, wie das Eingangszitat, dem zuverlässig zündenden schnellen Witz geschuldet. Für tiefergehende Analysen und Beobachtungen war er wohl einfach zu ungeduldig.

Öffnungszeiten: sonnabends und sonntags von 14 bis 18 Uhr, bis 16. Februar.

Von Frank Füllgrabe