Donnerstag , 27. Februar 2020
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Die Installation „Fülle“ von Ute Elisabeth Herwig. Foto: Michael Dörner

Die Kunst der Verkehrsberuhigung

Lüneburg. Können künstlerische Installationen dabei helfen, den innerörtlichen Straßenverkehr zu entschleunigen? Antworten auf diese Frage will ein Verbundprojekt geben, koordiniert durch die Leuphana Universität, wie sie jetzt mitteilt. Gemeinsam mit Kollegen der TU Hamburg und der Hochschule für Künste im Sozialen Ottersberg hat der Lüneburger Wirtschaftspsychologe Professor Dr. Rainer Höger jetzt ein interdisziplinäres Forschungsvorhaben an den Start gebracht, mit dem im Laufe eines Jahres bei einem Feldversuch in zwei ländlichen Gemeinden in Niedersachsen Daten gesammelt werden sollen. Die Finanzierung für das Projekt „FairVerkehr“ übernimmt mit einer Zuwendung in Höhe von 100.000 Euro das Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz Niedersachsen.

Ausgangspunkt ist ein Pilotprojekt aus dem Jahr 2017. Damals fand man heraus, dass punktuell im Straßenraum aufgestellte Kunstobjekte grundsätzlich dazu in der Lage sind, das Fahrverhalten von Autofahrern im Sinne einer Geschwindigkeitsreduktion zu beeinflussen. Unklar blieb allerdings, worauf genau der gefundene Effekt beruht und inwieweit er über die Zeit stabil bleibt.

Verkehrstechnische Messungen

Eine Analyse des Blickverhaltens der Autofahrer legt die Vermutung nahe, dass die verhaltensbeeinflussende Wirkung im Wesentlichen auf die Attraktion der Aufmerksamkeit durch die Kunstobjekte zurückgeht. Der Autofahrer verringert also seine Geschwindigkeit, um die Kunstobjekte genauer zu inspizieren, ohne eine Verkehrsgefährdung zu provozieren.

Die Forscher wollen jetzt zusammen mit der betroffenen Wohnbevölkerung herausfinden, ob Kunstobjekte die Atmosphäre von Wohnquartieren so beeinflussen oder verstärken können, dass Autofahrer mit einer Geschwindigkeitsreduktion darauf reagieren. Dafür sollen künstlerische Installationen im Straßenraum entstehen und die Reaktion der Autofahrer darauf mit verkehrstechnischen Messungen und wahrnehmungspsychologischen Untersuchungen ermittelt werden.

Im Dezember dieses Jahres wollen die Beteiligten ihre Ergebnisse vorlegen. lz