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Die Künstlerinnen Simone Fezer und Eike Eplik werden für diesen Platz ein Kunstwerk entwerfen und bauen. Foto: t&w

Ein Spielplatz der Kunst

Lüneburg. Gerade Linien, horizontal wie vertikal, alles sehr eckig – das sind die ersten Eindrücke der Künstlerinnen Simone Fezer aus Raven und Eike Eplik aus Tartu, als sie die Stätte ihres neuen Wirkens in Augenschein nehmen: den „Stadtplatz“ im Hanseviertel, Lüneburgs jüngstem Wohnviertel, in dem folglich Hansestädte bei der Straßenbenennung zum Zuge kommen. Die Tartuer Straße, die just zu diesem „Stadtplatz“ – einnen amtlichen Namen gibt es noch nicht – führt, bezeugt zudem, dass Tartu seit 1993 Lüneburgs Partnerstadt ist. Und so lag es nahe, hier ein länderübergreifendes Projekt zu realisieren.

Schon bei Baubeginn sprach sich die Stadt, wie Oberbürgermeister Ulrich Mädge betonte, dafür aus, die Kunst im öffentlichen Raum zu fördern und suchte finanzielle Unterstützer. Nun ist es soweit: Die Sparkassenstiftung, die Stadt Lüneburg sowie die Hanse Immobilien Entwicklungsgesellschaft haben ein internationales Bildhauersymposium ins Leben gerufen, um im Hanseviertel ein Kunstwerk zu erschaffen, das einerseits den Stadtteil belebt und andererseits die Freundschaft zur Hansestadt Tartu unterstreicht. „Es ist das erste Mal, dass es ein Symposium gibt und das erste Mal, dass zwei Frauen aus verschiedenen Ländern den europäischen Gedanken aufnehmen“, erklärt Carsten Junge, Geschäftsführer der Sparkassenstiftung.

Keine Kunst hinter Galeriemauern

Die Bildhauerin Simone Fezer wurde im Rahmen eines Wettbewerbs, Eike Eplik seitens der Tartuer Kunsthochschule ausgewählt. Die eine arbeitet bevorzugt mit Glas, die andere mit Keramik – eines aber haben die Künstlerinnen gemeinsam: die Vorliebe für biomorphe Formen. Diese Vorliebe können sie nun gemeinsam ausleben. In den nächsten Tagen werden sie sich beraten und Ideen austauschen, bevor dann jede für sich anfängt, Elemente zu „bauen“, die später ein Ganzes ergeben sollen.

Eines ist beiden, die 1800 Kilometer trennen, wichtig: Sie wollen dem Eckigen mit runden Formen und farbigen Elementen etwas Fröhliches entgegensetzen. „Toll wäre auch eine Bepflanzung, pflegeleichte, wuchernde Flora“, startet Fezer erste Gedankenspiele. Und „bespielbar“ sollte das Ensemble sein, ein Objekt zum Anfassen und Erleben. Keine Kunst hinter Galeriemauern, sondern gut sichtbar für jedermann erfahrbar.

Denkbar seien auch Workshops oder ein Straßenfest, um Anwohner am Entstehungsprozess zu beteiligen, auch die Zusammenarbeit mit Kitas oder Schulen seien Möglichkeiten. Diese Ansätze begrüßt auch Kulturreferentin Katrin Schmäl: „Das kann identitätsstiftend für die Bewohner des Viertels wirken.“ Kristin Halm, die das Projekt seitens der Sparkassenstiftung betreut, ist gespannt auf das Herbst-Symposium, bei dem die Künstlerinnen ihre Kreationen zusammenfügen werden.

Hanse, Salz, Wasser und Handel

Die Estin Eplik ist angetan von Lüneburgs Architektur und freut sich auf ihr erstes Outdoor-Projekt, denn bisher hat sie nur in Innenräumen ihre künstlerischen Ideen realisiert. In Lüneburg ist sie zum ersten Mal, schwärmt von der mittelalterlichen Architektur, ganz anders als Berlin, wo sie mal für ein halbes Jahr einen Job als Ausstellungsassistenz übernommen hatte.

Auch Simone Fezer, gebürtige Süddeutsche, fühlt sich sehr wohl in der „wunderschönen kleinen Stadt mit großem kulturellen Reichtum“. In Lüneburg hatte sie voriges Jahr mit ihrer Ausstellung von besonderen Glasgebilden („precarious perch“) in der Kulturbäckerei für Gesprächsstoff gesorgt. Estland kennt sie von Sommer-Workshops, hat dort mehrfach unterrichtet und Freundschaften erfahren.

Inhaltlich sollen die Themen Hanse, Salz, Wasser und Handel“ aufgegriffen werden. „Der Gedanke der Hanse ist schon immer zukunftsweisend gewesen, hat Europa möglich gemacht“, erklärt Birte Schellmann (FDP), Vorsitzende des Kulturausschusses. Der Aspekt, dass der Austausch nicht nur über den Handel, sondern auch auf kultureller Ebene stattgefunden hat, ist Fezer wichtig. Dass auf der Grünfläche weitere Skulpturen entstehen können, störe die Frauen nicht: „Wir genießen den Luxus, die ersten zu sein und freie Auswahl bezüglich des genauen Standorts zu haben.“

Von Dietlinde Terjung