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Wolfgang Nadrag und Jenny van Bree bei einem Lüneburg-Besuch. Foto: t&w

Immer im Gespräch bleiben

Lüneburg/Hohnstorf. Es läuft gut für Jenny van Bree, das heißt, natürlich läuft es gerade nicht gut für die Sängerin: Als Popmusikerin jetzt irgendwo aufzutreten, das kann man/frau vergessen. Den letzten Gig in Mönchengladbach hat Jenny mit Rücksicht auf den Veranstalter selbst abgeblasen. Corona legt den Spielbetrieb still. Insgesamt aber führt der Weg nach vorn. Das liegt auch an dem neuen Projekt mit Wolfgang „Wolfi“ Nadrag, das ist ihr Partner im Leben wie auf der Bühne, weshalb Jennifer Bredow aus Hohnstorf nun als Hälfte des Duos Jelfi zu buchen ist.

Es ist nun etwa vier Jahre her, dass Jennifer Bredow den sicheren, aber nicht besonders spannenden Verwaltungsjob in Lüneburg aufgab, um einen Traum zu verwirklichen: eine Profi-Laufbahn als Schlagersängerin mit eigenen Liedern. Seither fragt die LZ sie einmal im Jahr: Wurde der Mut zum Risiko belohnt?

So schön wie das Leben

Gerade ist ihre Solo-Single „So schön wie das Leben“ erschienen. „Das klingt ein bisschen kitschig“, sagt die Sängerin, „aber der Song ist vielseitiger, als man zunächst denken mag.“ Und seit Februar ist ihr zweites Album „Lebenslänglich“ auf dem Markt: zwölf deutschsprachige Titel, dazu zwei Remixe und „Ride my heart“, ein englischer Track also – „da hatte ich gerade einmal Lust darauf, immerhin hat meine Musik ja auch Country-Elemente“.

Die Solo-Marke Jenny van Bree gibt es nicht mehr lange, die nächste Single erscheint (online) in zwei Wochen, heißt „Nichts ist wie‘s war“ und ist dann von Jelfi, immerhin bereits das fünfte Jenny-Wolfi-Projekt. Das Ganze ist also etwas unübersichtlich, das liegt daran, dass die beiden Musiker nicht lange fackeln. „Wir veröffentlichen etwa alle anderthalb Monate eine neue Single“, sagt Wolfgang Nadrag, der Rhythmus ergab sich aus der Erfahrung im Schlagergeschäft: Nicht sofort alles Pulver verschießen, aber im Gespräch bleiben. Hörfunksender, Clubs und DJ-Portale wollen bemustert werden, vier Wochen im Äther sind eine gute Zeit. Immerhin: Im Bayerischen Rundfunk, in der Hitparade von „Bayern plus“, hielt sich der Jelfi-Song „Der Weg zu den Sternen“ sieben Wochen und schaffte es auf Platz drei.

Besuch beim König von Mallorca

„Wir denken auch strategisch“, sagt Wolfgang Nadrag, „und wechseln bei den Veröffentlichungen Rockpop-Songs mit tanzbaren Titeln“. Wer sich auf dem Markt ohne ein großes Label im Rücken behaupten will, kann nicht einfach nur Künstler sein, singen und spielen. „Wir sind auch Geschäftsleute“, so Jenny van Bree, vom Komponieren und Texten über Produktion, Publikation und Booking bis zum Drehen der begleitenden Videoclips (dafür sind die Wolfi-Brüder Stefan und Andreas zuständig) geschieht alles unter einem Dach – beziehungsweise unter zwei Dächern. Denn Jelfi Records hat zwei Domizile, eines in Hohnstorf, das andere, etwa tausend Kilometer entfernt, im Hause Nadrag, im österreichischen Kapfenberg. Das nötige Equipment, heutzutage erfreulich handlich, reist im Auto mit.

Allerdings machen die Grenzbestimmungen zur Eindämmung von Corona den Alltag für die Deutsche und den Österreicher nicht gerade leicht. Dafür freuen sich die beiden auf die nächsten größeren Auftritte, beispielsweise auf das Festival „Schlagerwelle“ im November am Weißenhäuser Strand mit bis zu dreitausend Zuschauern, auf Malle, wo sie für den König von Mallorca singen, aber auch auf Jennys Heimspiele, da sind allein drei Auftritte im Lauenburger Hafen geplant. Ein Gig am Fischmarkt, auf dem Hamburger Hafengeburtstag, der nach drei Jahren Anfrage nun endlich Realität geworden wäre, ist mit dem Geburtstag selbst wieder ins Wasser gefallen.

Nun ist also Zeit für die Produktion neuer Schlager – wobei: Was ist eigentlich heutzutage ein Schlager? Über ihre Country-Roots hat Jenny schon gesprochen, und für den jüngsten Song hat ihr Partner auf der E-Gitarre ein paar fette Rock-Riffs eingespielt. „Der deutschsprachige Schlager“, sagt Wolfgang Nadrang, „lässt sich heute nicht mehr eingrenzen“.

Von Frank Füllgrabe