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Monika Grade, hier dirigiert sie den Gemischten Chor Reppenstedt, ist Musikpädagogin und ausgebildete Chorleiterin. Foto: A/t&w

Singen und Rhythmik als Erlebnis

Lüneburg. Gesang ist nicht nur eine Unterhaltungsform, Singen ist auch ein beliebtes Hobby. Vor allem bei Frauen, denn die Zahl der Chorsängerinnen ist bedeuten d größer als die der Chorsänger. Das zeigen die regelmäßigen Veranstaltungen zum Massensingen. Laut Kreis-Chorverband Lüneburg sind weit mehr als 40 Chöre in Stadt und Landkreis aktiv, aufgrund der Corona-Pandemie ruhen die Probezeiten natürlich. Die Begeisterung fürs Singen will der Verband weiter fördern und plant derzeit intensiv den zweiten Lüneburger Chorseptember, in der Hoffnung, dass kulturelle Veranstaltungen dann wieder möglich sind. Wenn nicht, müsse halt ein Ersatztermin gesucht werden, aber das Konzept stehe zumindest.

Drei Blöcke und Termine stehen bereits: Den Auftakt bildet ein sakrales Konzert unter dem Motto „Magnificat“ am Sonntag, 13. September, in der Emmaus-Kirche in Adendorf. Teil zwei findet unter dem Titel „Cantaluna“ am Sonnabend, 19. September, im Kulturforum statt. Der Schwerpunkt liegt auf Rock und Pop. Den Abschluss bildet „Lünechöre“ am 27. September während des verkaufsoffenen Sonntags. Dabei werden auf einer Bühne im Glockenhof Chöre und Gesangsensembles auftreten. Jeder bekommt circa 15 Minuten Auftrittszeit und soll dabei mindestens bei einem Lied das Publikum miteinbeziehen.

Fachliche Qualifikation allein reicht nicht

Franz Peter Schmitz, der vor drei Jahren die Leitung des Kreis-Chorverbands Lüneburg – zusätzlich zur Leitung des Silcher-Chors, einem der wenigen Männerchöre – übernommen hat, betont, „Verwalten liegt mir nicht, aber Gestalten“. Und so schnürt er kräftig mit am Festival-Paket. Unterstützt wird er dabei von Monika Grade. Als Kreis-Chorleiterin weiß sie, dass die fachliche Qualifikation allein nicht reicht, um Erfolge zu haben: „Zwischen Chorleitung und Chor muss Harmonie herrschen, muss der Funke überspringen.“

Der Flyer für den Chorseptember ist in Arbeit. „Wir wollen durch Überzeugung werben.“ So soll die Mitmach-Aktion im Glockenhof zum Singen animieren – „offenes Singen am verkaufsoffenen Sonntag“. Mittlerweile hat sich eine ausreichende Zahl an Chören dafür beworben. Angeboten werden soll nicht, wie üblich, Mitsingen zu Playback, sondern es sollen auch kleine Aufgaben wie Klatscheinsätze erteilt werden, „einfach, aber passend soll es sein“. „Singen und Rhythmik sollen als ein Erlebnis vermittelt werden“, erklärt Schmitz. Experten zufolge setzt Singen Glückshormone frei.

Chormusik in sehr großer Breite

Der erste Termin wird teils von einem Projektchor gestaltet, Stücke des norwegischen Komponisten Ola Gjeilo sowie moderne Werke des britischen Komponisten und Chorleiters John Rutter sind vorgesehen. Für diesen Klangkörper können sich noch Chorsängerinnen und -sänger melden. Beim ersten Festival vor zwei Jahren waren mehr als 50 Leute zusammengekommen, erinnert sich Monika Grade. Da der Auftakt nur zwei Wochen nach den Sommerferien stattfindet, werden die Protagonisten mit Notenmaterial und CD/mp3 versorgt, damit sie in Eigenregie üben können, so dass nur wenige gemeinsame Proben nötig sind. „Ja, das funktioniert“, entgegnet sie Zweiflern, „denn Leute, die das wollen, sind mit Herzblut dabei“. Das Programm bietet Chormusik in sehr großer Breite, die man sonst eher selten zu Gehör bekommt, und soll auch durch visuelle Elemente bereichert werden, so dass ein sakrales Gesamtkonzept entsteht. Weitere Chöre werden dieses Konzert abrunden.

Beim Cantaluna-Abend werden recht unterschiedliche Chöre auftreten, u.a. ChornettO und LoChorMotion sowie das Frauenquartett Querbeet. „Hier soll vor allem die Neugier geweckt werden. Dazu gehört auch ein Männerchor-Projekt: Mitglieder von Chören aus diversen Kreis-Chorverbänden sind aufgerufen, gemeinsam auf der Bühne zu singen“, erklärt Schmitz. „Der Chorseptember soll Sängern und Sängerinnen ebenso Spaß machen wie dem Publikum, und die Werbetrommel für Chormusik rühren.“ Dass sich Engagement lohnt, hat sich voriges Jahr gezeigt, denn für die Chorseptember-Premiere in 2018 gab‘s den Innovationspreis des Chorverbands Niedersachsen-Bremen. Wenn das kein Ansporn ist!

Von Dietlinde Terjung