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Marit Persiel
Marit Persiel spielt jetzt die Urmutter „Gaia“. (Foto: Meikov)

Sarkastischer Blick auf die Menschheit

Lüneburg. Marit Persiel hat sich etwas einfallen lassen: erstens ein neues Theatersolo, zweitens einen Weg, es trotz Corona unter die Menschen zu bringen und drittens eine Idee, damit auch etwas für ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Marit Persiel lebt in Lüneburg als freie Künstlerin für Theater, Performance und Wort. So schreibt sie das. Nach einem Stück über die Swingjugend geht es nun um die Urmutter: „GAIA“.

Sie ist die Muttergottheit, die alles Lebende hervorbringt, aber auch für Tod, Rache und Orakel zuständig ist. In der griechischen Mythologie nimmt Gaia eine herausragende Position ein, als Erdgöttin wird sie schon von Homer besungen. Sie ist die Ahnin der olympischen Götterwelt, die Bezwingerin der Elemente und „ihrer selbst gar nicht mehr so sicher“ – jedenfalls bei Marit Persiel.

Die Autorin und Schauspielerin mit „Faible für vergangene Zeiten, tragische Liebe, verstaubte Erinnerungen und Nostalgie“ holt die Gottheit vom Sockel. Gaia frage sich, „was denn nun das Wesentliche im Leben sei, wer es ist, der sich wie ein Monster verhält, und wie man dem Ende der Welt entgegenschauen sollte“, heißt es in Persiels Stückbeschreibung.

Die 1989 geborene, im Kreis Uelzen aufgewachsene Künstlerin studierte in den Bereichen Multimedia, Kulturwissenschaften und Darstellende Kunst. Seit 2016 ist sie mit Performance und Theater unterwegs, mit ihrem Ein-Frau-Stück „Minor Swing“ trat sie auf gut zwanzig Bühnen auf. Zuletzt verband Persiel in „Else & Ich“ Texte von Else Lasker-Schüler mit ihrem eigenen Schreiben.

„Gaia“ ist ein weiteres, sehr ambitioniertes Projekt. Das Solo „wirft einen sarkastischen Blick auf die Menschheit, den Planeten Erde, Zeit und Raum und auf die Verantwortung für all dies“, schreibt Marit Persiel zu ihrem Stück. Mehr geht eigentlich nicht.

Die Uraufführung sollte wie „Minor Swing“ im Salon Hansen stattfinden, in diesem Mai. Das geht nun nicht. Stattdessen kommt es am Sonntag, 24. Mai, um 20 Uhr zu einer digitalen Premiere. Mit der Szenografin Nina Kersten und dem Lüneburger Filmemacher Philipp von der Dellen (Blueape Media) entstand ein Theaterfilm, gedreht wurde unter freiem Himmel. Der Film dauert 50 Minuten, der Stream ist bis 22 Uhr über die Webseite www.maritpersiel.de zu sehen.

Über die Seite erhofft sich die Autorin und Darstellerin wie alle Corona-gebeutelten Künstler ein Stück Solidarität in Form eines Kartenkaufs (8,20 Euro). Dafür bekommt das Publikum statt „Tatort Stuttgart“ an diesem Mai-Abend Theater, das mit ganz viel Herzblut entstanden ist – und vielleicht den einen und anderen Gedanken mit auf den Weg gibt. Im Herbst will Marit Persiel mit ihrem „Gaia“-Solo auf die ganz reale Bühne.

Von Hans-Martin Koch