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Heinz Sielmann
Heinz Sielmann auf dem Gelände der innerdeutschen Grenze. Rechts: Die Dermoplastik eines prächtigen Bibers. (Fotos: Heinz Sielmann Stiftung, Ostpreußisches Landesmuseum)

Expedition zu Heinz Sielmann

Lüneburg. Der junge Heinz Sielmann war kein besonders guter Schüler. Statt in Königsberg für das Abi zu büffeln, trieb er sich lieber in der Natur herum, um Schnepfenvögel zu fotografieren. Heute gilt Sielmann (1917-2006) neben Bernhard Grzimek („Ein Platz für Tiere“) in Deutschland als der bekannteste Tierfilmer, vor allem höhere Semester erinnern sich an seine TV-Doku-Serie „Expedition ins Tierreich“. Jetzt ist ihm im Ostpreußischen Landesmuseum eine aufwändig installierte Sonderausstellung gewidmet.

Mittendrin, hoch oben auf einer Stele, steht Sielmanns legendäre Kamera, eine Arriflex für 35-Millimeter-Film. Drumherum gibt es viel zu entdecken: Luchs und Wolf, ein Wildschwein und sogar ein junges Wisent als Dermoplastiken, alles mit moderner Technik präparierte (früher würde man sagen: ausgestopfte) Tiere. Das Fell ist original, das Innere wurde mit dem 3D-Drucker gebaut. Solche Tiere sind auch in Schaukästen zu sehen, dazu gibt es Filme.

Beliebter Gast bei den Talkshows

Streng genommen sind es zwei Präsentationen: Der Biologe Dr. Christoph Hinkelmann konzipierte bereits 2001 für das Ostpreußenmuseum eine Retro­spektive über Leben und Werk Sielmanns. Zu seinem 100. Geburtstag wurde mit der Heinz Sielmann Stiftung das Projekt einer Wanderausstellung entwickelt. Dargestellt wird die Arbeit der Stiftung, die nahe Duderstadt ihren Sitz hat.

Und so stehen nun die Stiftungs-Exponate und -Installationen im Raum, an den Wänden begleitet von klassischen Text-und-Foto-Schautafeln über Sielmanns Arbeit, über seinen Lebenslauf, der sicher auch dadurch vorgezeichnet war, dass die Familie in der Nachbarschaft des Zoos von Königsberg lebte. In der Doku ist der prominente Journalist und Tierschützer nun zu sehen mit Kollegen wie Hans Hass, Horst Stern und natürlich Grzimek, und immer wieder mit jenen Tieren, denen er weltweit nachforschte, um ihre Schönheit zu zeigen und darauf hinzuweisen, wie bedroht ihre Lebenswelten sind. Heinz Sielmann, dessen ungewöhnlicher Berufsweg an der Vogelwarte Rossitten auf der Kurischen Nehrung begann, war ein fotogener, charismatischer Erzähler, nicht zuletzt ein gern gesehener Gast der aufkommenden Talk-Shows.

Dermoplastiken und Entdeckerlinsen

Die Kernausstellung dokumentiert Projekte in Deutschland wie etwa die Döberitzer Heide und die Groß Schauener Seen: Die Stiftung, 1994 von Heinz Sielmann und seiner Frau Inge gegründet, errichtete unter anderem vier große Naturparks in Brandenburg: ehemalige Truppenübungsplätze der Sowjetarmee oder eine triste Braunkohle-Bergbau-Landschaft – Brachen von bis zu viertausend Hektar, die von der Natur zurückerobert werden sollten. „Es ist erstaunlich, wie reichhaltig sich die Tierwelt entwickelt, wenn man sie denn lässt“, so Dr. Hinkelmann. Sogar Wisente, die allerdings wieder angesiedelt wurden, laufen dort herum.

Wer die Filme und andere Exponate der Ausstellung sehen will, bekommt eine „Entdeckerlinse“ in die Hand, einen Polarisationsfilter, der die weißen Projektionsflächen zum Leben erweckt. Das ist natürlich ein Spaß für Kinder wie für Erwachsene, aber auch ein Hinweis darauf, dass die Welt der Tiere entdeckt und erforscht werden will. Heinz Sielmann, der keine Erben hinterließ, wurde auf Gut Herbigsheim begraben, dem Sitz der Stiftung. In seinen letzten aktiven Jahren hatte er sich etwa für ein „grünes Band“ an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze eingesetzt und trat als Berater und fernsehbekannter Werbeträger auf – beispielsweise für die Stork-Foundation, die sich für Storchen-Rückzugsgebiete im Amt Neuhaus einsetzt.

Die Ausstellung „Sielmann“ läuft bis zum 25. Oktober, es gelten die üblichen Corona-Hygiene-Sicherheitsmaßnahmen.

Von Frank Füllgrabe