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Margit Weihe, Leiterin des theaters im e.novum, präsentiert für die Premiere von „König Ödipus“ schon mal ein atmosphärisches Szenenfoto. Foto: privat

Die Ästhetik ändert sich

Lüneburg. Der Publikumsraum ist leer – jedenfalls fast: Wo normalerweise hundert Stühle stehen, gibt es zurzeit nur fünf Sitzplätze. Sie bilden einen Kreis mit sehr viel Platz dazwischen, Distanz ist und bleibt oberstes Gebot in der Coronazeit. Im theater im e.novum läuft der Probenbetrieb wieder, aber eben mit gebremstem Schaum. Theaterchefin Margit Weihe lernt täglich dazu, fast jede Situation erfordert eine neue Regelung. Fest steht: Am 12. September hebt sich nach dem Lockdown wieder der Vorhang, Premiere feiert „König Ödipus“ von Bodo Wartke, ziemlich frei nach Sophokles.

Wichtig ist, dass es weitergeht

Eigentlich sollte die Saison mit Erich Kästners „Drei Männer im Schnee“ beginnen, dafür liefen die Vorbereitungen. Vertagt auf nächstes Jahr, das Stück erfordert zu viele Menschen, die in einem Grandhotel herumlaufen. Die Hygiene-Vorschriften lassen auf der rund 45 Quadratmeter messenden e.novum-Bühne sechs Schauspieler/innen zu. Also wurde eben umdisponiert. Wichtig ist, dass es überhaupt weitergeht.

Mit der Reduktion der Personenzahl ist es nicht getan, auch die Inszenierung muss die Corona-Etikette berücksichtigen. „Exzessives Sprechen geht gar nicht“, sagt Margit Weihe, „die Ästhetik der Aufführungen wird eine andere sein“. Auf echte Proben – und nicht etwa über Bildschirm – hat sie allerdings bestanden, „Theater ist analog. Die Präsenz der Darsteller, die Körperlichkeit, das lässt sich nicht über Video transportieren“.

Produktionskosten gesenkt

Der Aufwand steigt, die Einnahmen fallen: Weil nur kleine Ensembles spielen dürfen, aber die Darsteller möglichst alle eingesetzt werden sollen, gibt es pro Stück mehrere Besetzungen, die reihum auf die Bühne gehen. Proben aber müssen sie natürlich getrennt. Ähnlich wie im Theater Lüneburg sind auch im e.novum zwei recht kurze Vorstellungen pro Abend geplant. Da wiederum gehen aber – aus logistischen Gründen – dann zweimal die gleichen Ensembles auf die Bühne. Den Aufwand pro Stück, und damit die Produktionskosten, hat Margit Weihe um ein Drittel gesenkt. Dass jede Vorstellung mit einem Minus im Etat endet, lässt sich nicht verhindern, „aber insgesamt können wir bis Ende des Jahres im grünen Bereich bleiben.“

Sieben Kinder-, Jugend- und Erwachsenen-Ensembles zählt das theater im e.novum, pro Jahr erscheinen hier etwa elftausend Besucher. Diesmal ist eben alles anders. Jede Aufführung wird indivuell bestuhlt, dreißig Plätze werden es sein. Karten gibt es künftig nur über Vorbestellung, ähnlich wie in der Gastronomie muss die Herkunft des Gastes überprüfbar sein. Dafür wird er dann persönlich an seinen Platz geleitet.

Premiere für König Ödipus

Der Saison-Auftakt also gehört der Antike, transportiert in die Gegenwart: Ödipus, Sohn des Laios, König von Theben, tötet unwissend seinen eigenen Vater. Später erhält er dafür, dass er Theben von der Sphinx befreit hat, Iokaste, die Witwe des Königs, zur Ehefrau – seine eigene Mutter. Was Bodo Wartke als Solo auf die Bühne bringt, spielt hier nun ein kleines Erwachsenenensemble.

Ausblick auf die nächsten Produktionen: „Maja – zusammen sind wir stark“ (Mapili-Puppentheater, 27./28. September), „Der kleine Muck“ (Premiere am 10. Oktober), „Aschenputtel“ (Tamalan Theater, 1./2. November), „Dornröschen“ (Weihnachtsmärchen, inszeniert als Live-Hörspiel, ab 15. November), „Momo“ (ab 12. Dezember).

Von Frank Füllgrabe