Aktuell
Home | Kultur Lokal | Cody McFadyen stellt neuen Krimi vor
Cody McFadyen mit Sprecherin Nina Petri (links) und Moderatorin Margarete von Schwarzkopf. Foto: t&w

Cody McFadyen stellt neuen Krimi vor

Lüneburg. Endlich ist sie wieder da: Smoky Barrett, FBI-Agentin für besonders schwierige Mordsachen, löst erneut einen Fall Smoky, die ganz banal, ihren Vornamen von einer Katze und ihren Nachnamen von einem für ihren Erfinder Cody McFadyen wichtigen Ort hat. Eine Ermittlerin mit Nerven und Gefühl, deren Gedanken nicht stillstehen, und die ob der Grausamkeiten und des Wahnsinns, mit denen schlechte Menschen die Welt vergiften, sich immer wieder selbst in den Griff bekommen muss. Bereits vier Fälle ließ der Autor seine Protagonistin lösen, bevor er aus privaten Gründen eine sechsjährige Pause einlegte. Er habe überlegt, ob er Smoky wieder aufleben lasse, erzählte er in der ausverkauften Ritterakademie, doch seine Fans hätten ihn in überwältigendem Maße dazu animiert.

Über die Stille vor dem Tod

Die „Smoky-Book“- Serie wird also fortgesetzt, versprach McFadyen, der Medien und dem Internet gegenüber bekanntermaßen eher verschlossen ist, umso lieber aber live seinem Publikum begegnet und sich von Moderatorin Margarete von Schwarzkopf mit Cody ansprechen ließ. Ihr und einigen Zuhörern dieser Lesung, die Veranstalter Jan Orthey von Lünebuch ein besonderes Highlight des 7. Lüneburger Krimifestivals nannte, beantwortete der sympathische Thriller-Schreiber offen und auch mit Humor alle Fragen. Schon im nächsten Jahr werde das nächste Smoky-Buch erscheinen, dann folgen jährlich weitere Fälle.

Der düstere fünfte Fall mit dem deutschen Titel „Die Stille vor dem Tod“ um einen Serienkiller, den die hochpräsente Agentin wieder zusammen mit ihrem interessanten Kollegen Alan jagt, verlangt vom Leser besonders anfangs und am Schluss starke Nerven, bestialisch sind Taten und Täter, teuflisch die Opfer zugerichtet. Seine Story so zu formen, dass sich zu Beginn Explosives häuft, dann eher Alltag eintritt und gegen Ende das Tempo wieder zunimmt, das ist typisch für die Smoky-Reihe.

Bestechend sachlich, penibel auf Details bedacht, formuliert der gebürtige Texaner, der in Denver/Colorado lebt, was Smoky bewegt. Seine Hauptfigur ist zwar die alte, doch Entscheidendes hat sie verändert: Sie ist im achten Monat schwanger, was sie, die auf brutale Art ihre Familie verlor, noch zusätzlich sensibilisiert, und was den Lesern so etwas wie Hoffnung geben soll, dass nicht nur Böses auf sie lauert. Das Böse und Fanatismus, so Cody, der die Arbeit des FBI gründlich studiert hat, seien in der Realität noch weit unerträglicher als in jedem literarischen Horror-Szenario, in dem am Ende immerhin die Täter gefasst würden.

Die Realität ist noch viel grausamer

Den von starken Bildern inspirierten, sich als obsessiven Schreiber bezeichnende Autor interessieren Textform und Aktion nur marginal. Vielmehr bringt er in seinen dem Leser die Emotionen nahe, die seine Charaktere bewegen. Er fokussiert den Lernprozess, der Smoky von den perversen und dennoch dem Alltag entstammenden Verbrechern aufgezwungen wird. Er führt Smoky und den Leser zu der Erkenntnis, dass im Grunde immer eine bestimmte Person hinter einer erbarmungslosen Tat steht, auch wenn andere dafür eingespannt wurden. Schauspielerin Nina Petri lieh der Ich-Erzählerin Smoky ihre wunderbar dunkle Hörbuchstimme für die atmosphärische Lesung zweier dramatischer Buchabschnitte, und am Ende, nach langem Beifall, signierte Cody McFadyen seine Thriller. In zwei Jahren spätestens will er wieder nach Lüneburg kommen, die Stadt habe ihn bei seinem ersten Besuch zum bezauberten Fotografen gemacht.
Heute, Donnerstag, kommt um 20 Uhr Mechtild Borrmann ins ausverkaufte Heine-Haus. Die 1960 geborene Kölnerin ist Krimi-Autorin, Pädagogin und Gastronomin. Ihr Roman „Trümmerkind“ führt in das kriegszerstörte Hamburg 1946/47.

Von Antje Amoneit