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Ben Boles probiert als Entertainer und Musiker gern Neues aus: Mal spielt er Abba, mal ZZ Top, und gern bittet er in die Manege. Foto: nh

Ben Boles, der Herr Zirkusdirektor

Lüneburg. Geige hat er geübt, den Weg ins Büro gesucht und in ein sicheres Bürgerdasein in Grevenbroich. Jetzt aber heißt der Olaf aus dem Rheinland längst Ben Boles und kann 2017 auf 30 Jahre RocknRoll zurückblicken. Boles ist der Typ Mann, der Latte Macchiato bestellt, aber mit doppeltem Espresso drin. Man kann also nie so sicher sein, ob er gerade schmeichelt oder zupackt. Ben Boles ist Musiker und Entertainer. Ideen hat der Lüneburger mehr, als er umsetzen kann. Aktuell testet er den „Strawberry Jam Circus“.
Ein Hörsturz brachte Boles vor Jahren dazu, sein Leben neu aufzustellen raus aus der Mühle, „raus aus dem Dunstkreis Rheinland“. Boles nahm Kurs auf Hamburg, aber: „Der Wohnungsmarkt trieb mich nach Lüneburg. Das war das Beste, was mir passieren konnte.“ Auf Anhieb habe er sich als überzeugter Lüneburger gefühlt. Noch wichtiger war ihm, künftig Dinge zu machen, mit denen er sich wohlfühlt, und das rote Band in seinem Leben heißt nun mal Musik. Aus der Geige wurde eine Gitarre, zum Beispiel eine Dreadnought, die hat Wucht im Klang und passt ideal für Singer/Songwriter. Ben Boles tritt solo auf oder wie jetzt zur Nacht der Clubs bei Khaters Korner mit Stefan Sträter. Die beiden sind auch als die Herren Cash unterwegs, also mit einer Hommage an den Meister der Countrymusik.
Den Kittel hat er mit Frack und Zylinder getauscht

Vor seinem Pullover baumeln ein kleines Herz und ein kleiner Elefant auch so eine Art Metapher wie Latte Macchiato mit Espresso doppio. 2016 sei ein Wendejahr für ihn, sagt Boles. 2016 ging es hin zu einer stärkeren Professionalisierung, hin dazu, Konzepte zu entwickeln oder Formate, wie sowas meistens genannt wird. Boles ist der Jukebox-Hero, er war der Hausmeister im Wohnzimmer, und er ist der Zirkusdirektor.

Der Jukebox-Hero spielt monatlich einmal im September, Auf dem Kauf. Zur Gitarre kommen 2,5 Kilo mit Texten hinzu bzw. rund 300 Songs, die Ben Boles auf Zuruf abspielen kann. Das Publikum entscheidet mit, was aus den vergangenen gut 40 Jahren gesungen wird von Abba bis ZZ Top.
Der Hausmeister Boles allerdings hat seinen Kittel mit Frack und Zylinder getauscht und wurde Zirkusdirektor. Hausmeister Boles hatte im Zwick zu Sessions ins „Wohnzimmer“ geladen, am Schrangenplatz aber ist die Sache mit der Live-Musik in jüngerer Zeit etwas undurchsichtig geworden. Boles ging in den Keller bzw. ins Strawberry Basement. Der Name erinnert an Lüneburgs legendärste Discothek, in der keine Mainstream-Musik lief, und in deren Teestube der Geruch des Gerauchten schon mal süß war wie Mollys Jasmintee. Heute wird das „Basement“, das zeitweise als Kartoffelkeller auf Knollen setzte, vom September gemanagt.

Dreimal lud Ben Boles dort bisher zum „Strawberry Jam Circus“. Die Idee: Jeder, der singen, tanzen, zaubern, slammen, jonglieren oder sonstwas zeigen mag, ist willkommen. Boles gibt dazu den singenden Zirkusdirektor. Am Format schraubt er noch, einmal monatlich soll es nun laufen, immer am ersten Donnerstag, also gibt es am 8. Dezember wieder Spaß in der Manege. Worüber lacht eigentlich der Entertainer Boles? „Dieter Nuhr, Piet Klocke, Tommy Cooper und natürlich Monty Python“. Nuhr ist der Macchiato, die Pythons doppelter und dreifacher Espresso.
Lieder, Chansons
29 und Canciones
Dann gibt es noch den Lünepost-Kolumnisten Boles, und eine weitere Seite zeigt er am 22. November bei Wabnitz: Dort singt er Lieder, Chansons und Canciones von Elvis Costello über Reinhard Mey zu Patricia Kaas.
„Ich habe viele Jahre damit verbracht, meine Talente zu vergeuden“, resümiert Ben Boles. Jetzt müssen sie auf die Bühne. „Es entwickelt sich ganz gut“, sagt er und winkt dem Kellner „nochmal das Gleiche“.