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Sopranistin Sabine Goetz setzte Glanzlichter in der kompakten, stimmigen Aufführung. Foto: t&w

Über die Macht der Musik

Von Antje Amoneit
Lüneburg. Das rauschende Fest Alexanders des Großen nach erfolgreichem Krieg; ein Sänger, der neben Zorn und Triumph auch Anteilnahme und Versöhnung fordert; Lobpreisung der heiligen Cäcilia von Rom, die Schutzpatronin der Kirchenmusik, die menschliche Stimmen und den göttlichen Orgelklang zum feierlichen Chor einte, gekrönt von einem jubilierenden Schlussplädoyer für die Himmel und Erde vermählende musikalische Energie: Aus diesem emotionsreichen Stoff webte Georg Friedrich Händel sein „Alexander`s Feast or the Power of Music“, das unter Joachim Vogelsängers sorgsamer und mitreißender Leitung in der gut besuchten Johanniskirche erklang.
Die Götter steigen
29auf die Erde herab
Der bestens disponierten St. Johanniskantorei gelang gemeinsam mit dem auf historischen Instrumenten musizierenden Berliner Kammerorchester „Concerto Brandenburg“ und exzellenten Instrumental- und Gesangssolisten eine seelenvolle Hommage an die Macht der Musik. Menschliche Gefühle wie Freude, Erhabenheit, Stolz, Mitleid und Liebe lassen sich durch Musik erzeugen und manipulieren, davon erzählt die allegorische Dichtung John Drydens am Beispiel eines berühmten Eroberers. Besungen wird eine durch Plutarch überlieferte Szene: Leierspiel und Gesang stacheln Alexander zu Mut und kriegerischer Tat auf, was zur Bezwingung und Zerstörung der altpersischen Residenz Persepolis führt.
Huldigungen der Götter, die sich aus Liebe zu den Irdischen herabließen, und Trauergesänge für die Kriegsopfer verknüpft der Dichter am Ende mit der „Ode in Honour of St. Cecilias Day“, einer Hymne, die die Musik als Harmonie- und Liebesstifterin heiligt. Händel komponierte dazu Musik einer konzertanten Oper, mit Rezitativen, die die Handlung mitteilen, aufgelockert durch besinnlichere Arien und ausgeschmückt mit Jubelrufen und Lobliedern des Chors. In­strumentale Concerti unterbrechen und illustrieren das Geschehen, das von Mozart in eine heute noch gängige Fassung gebracht wurde.
Kriegsgeschrei mit
29Pauke und Trompeten
Eine mehrteilige Ouvertüre eröffnet die Handlung, zum Auftritt des Leier spielenden, singenden Timotheus erklingt das Harfenkonzert in B-Dur, zur Eröffnung des zweiten Teils das Concerto grosso in C und zu Ehren der Cäcilia das Orgelkonzert in g-Moll. Was in gleichnishaften Bildern erzählt wird, veranschaulicht Händel durch seine stark affektgeladene und festliche Komposition.
Eine ausnehmend klangschöne Interpretation der Instrumentalpartien bot das Concerto Brandenburg aus Berlin, ein 1998 gegründetes, auch auf Oratorien spezialisiertes Ensemble mit hohen klanglichen Qualitäten. Der weiche, dennoch glasklare, vibratoarme und dynamisch spannungsreiche Ton der historischen Instrumente kreierte im überwältigenden gotischen Kirchenschiff ein sehr fein strukturiertes Konglomerat von enormer Leuchtkraft. Zartestes Pianissimo etwa eines Trauergesangs berührten ebenso wie lebhafter Hörnerklang, Blockflöten- und Oboen-Melodien oder die rhythmische Verve virtuoser Streicherpassagen. Faszinierend vibrierte die Klangtransparenz noch im Fortissimo, wenn Trompeten und Pauke Kriegsgeschrei oder flammensprühende Furien simulierten.
Sicher geführte Stimmen und
29feine dynamische Facetten
Brillant musizierten auch die Solisten an Solovioline und Cello, kleiner Orgel (Gösta Funck) und Harfe (Maximilian Erhardt). Sicher geführte Stimmen und feine dynamische Facetten bestimmten den Chorklang. Die rund 80 Stimmen starke Kantorei unter Vogelsängers animierender Stabführung schufen Chorsätze und -einwürfe mit packender Ausdrucksintensität. Die Gesangssolisten boten Rezitative und Arien ausnahmslos stilsicher und mit inniger Anteilnahme: Sabine Goetz mit hell glänzendem Sopran, Henning Voss mit nachdrücklichem Altus, Andreas Post mit narrativ geistvollem Tenor und Matthias Vieweg mit markigem Bass.
Das Publikum dankte für diese klangästhetische, empfindungsreiche Aufführung mit langem Applaus, Fußgetrappel und Bravos.