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Rutschpartie in eine ungewisse Zukunft: Eigentlich hat der Wolf (Andreas Püst) mächtigen Hunger. Aber darf man so ein bezauberndes Schaf (Julia von Thoen) einfach fressen? Foto: t&w

Endlich bricht das Eis

Lüneburg. Das Schaf ist glücklich: „So einen Freund wie Dich habe ich mir schon immer gewünscht!“ Da allerdings sind Zweifel angebracht. Denn dieser vermeintliche Freund ist ein Wolf, und er hat nicht an die Tür des Schafstalls geklopft, weil er einsam ist, sondern weil er Hunger hat. Keine ideale Ausgangsposition also, und doch wird alles gut, davon erzählt das Kindertheaterstück „Ein Schaf fürs Leben“, gespielt von Andreas Püst und Julia von Thoen in der Kulturbäckerei.

Regie führen Thomas Flocken und Erika Döhmen im Namen des „Schauspielkollektivs“. Dessen Inszenierungen sind vor allem in Schulen zu sehen, dabei geht es dann etwa um Mobbing, Ausländerfeindlichkeit oder Alkoholismus Aufführungen also, deren Themen auch in den Klassen ein Problem spiegeln könnten, als Präventionsmaßnahmen auch gefördert werden.
Das Schauspielkollektiv, das gerade sein zehnjähriges Bestehen feiert, gehört aber auch zu den Ensembles, die im Wechsel die Bühne der Kulturbäckerei bespielen. „Ein Schaf fürs Leben“, konzipiert für Zuschauer ab sechs Jahren, ist bei seinem Bühnenaufbau eine doppelbödige Schneelandschaft ohnehin zu aufwändig für eine mobile Produktion.

Trockenes Brot ist gut für die Zähne

Es ist also kalt, eisiger Winter, bei dem Wolf daheim gibt der Kühlschrank nichts mehr her, das kann so nicht bleiben, also heißt es: auswärts essen gehen. Der einsam gelegene Bauernhof scheint ideal. Alles schläft, und das einzige Schaf im Stall öffnet bereitwillig das Tor. Der zerzauste Besucher hat Hunger? Da kann ihm der Gastgeber ein bisschen Hafer anbieten und trockenes Brot, „das ist gut für die Zähne“. Für die Zahnpflege hatte der Wolf aber eher Fleisch und Knochen vorgesehen.

Um Lärm und unnötige Komplikationen zu vermeiden, lockt der Wolf das unternehmungslustige Schaf, das offensichtlich den Ernst der Lage nicht erkannt hat, zu einem kleinen Ausflug mit seinem Schlitten. Der künftige Sonntagsbraten ist ganz begeistert von der „Er-Fahrung“. Doch nun läuft alles anders als geplant: Der geschwächte Räuber lässt sich von seinem neugierigen Opfer bezaubern, das sich wiederum von seiner Angst vor der Dunkelheit und den seltsamen Geräuschen des Waldes nicht überwältigen lässt, seinen Entführer sogar zum Tanzen und Seilspringen verleitet. Das soll helfen, die Eisdecke auf einem Teich zu zertrümmern, darunter gibt es bestimmt leckere Fische. Tatsächlich bricht das Eis unter dem Wolf und beide drohen als Verlierer aus diesem Abenteuer hervorzugehen. Aber man sollte Schafe nicht unterschätzen.

Miteinander geht es leichter als gegeneinander

Die humorvolle Geschichte, basierend auf dem Kinderbuch von Maritgen Matter und Anke Faust, erzählt von Freundschaft, von Respekt, die Botschaft ist klar: Miteinander geht es leichter als gegeneinander, und Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen auch wenn das Schaf damit eigentlich etwas anderes meinte.

Von Frank Füllgrabe