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Annette Janecke präsentiert einen Goldring, der zu ihrem Markenzeichen gerworden ist. Foto: ff

Die eigene Handschrift für Goldschmuck

Lüneburg. Am Anfang war das Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse, das mit der berühmten Zeile „und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben“. Es dreht sich um die ewigen Kreise des Lebens, und für die Goldschmiedin Annette Janecke wurde es zum Programm. So entstand ein Ring im Ring, verbunden durch einen Brillanten, Anfang und Ende symbolisierend. Er bildet heute gewissermaßen das Markenzeichen der Lüneburgerin, ab heute zu sehen in der Ausstellung „Edles Handwerk“ in der Handwerkskammer.

Der Ring-Ring bildete auch Annette Janeckes Abschlussarbeit ihrer zweiten Ausbildung als Gestalterin. „Über den Tellerrand zu schauen, das war mir immer wichtig“, so die Goldschmiede-Meisterin. Geboren 1973 nahe Uelzen, war für Annette Janecke früh klar, dass ihr Beruf zuallererst etwas mit Kreativität zu tun haben müsse. Sie zog nach der Schule viel herum um sich zu orientieren, lernte in Berlin und Oldenburg, Münster und Koblenz, beschäftigte sich mit den chemischen Oberflächenreaktionen von Edelmetallen ebenso wie mit Innenarchitektur und Harmonielehre. Im Jahre 2006 zogen die Janeckes nach Lüneburg.

Betonung der klaren Formen

Eigene Entwürfe, Unikate und Kleinserien bilden den Kern der Arbeit daheim in der Werkstatt, wo neben dem Fein(st)werkzeug massige Maschinen wie die Spindelpresse (mit der Ringe gestaucht, also im Durchmesser verkleinert werden können) und die Blech- und Draht-Walze stehen Mechaniken, mit denen auch der fünfjährige Thilo seinen Spaß hat, unter Aufsicht natürlich. „Eine eigene Handschrift ist wichtig“, sagt Annette Janecke, sie liebt klare Formen, Schnörkeliges ist bei ihr eher selten zu finden.

Neben den eigenen Arbeiten gehört das Umarbeiten von altem Familienschmuck zum Kerngeschäft. Manches, was einst als repräsentativ galt, wirkt heute schlicht und einfach protzig oder als unpraktisch, eine „Krönchen“-Fassung etwa, mit der frau überall hängenbleibt, und die nun im wahrsten Sinne des Wortes entschärft wurde. Ein andermal hat Annette Janecke einen dicken Siegelring eingeschmolzen und daraus Schmuck für eine Mutter und zwei Töchter geschaffen. So blieb das geschichtsträchtige Erbstück in der Substanz erhalten und Gold ist nun einmal ein besonderer Stoff, nicht nur, weil er viel kostet.

Eröffnung morgen um 16 Uhr in der Handwerkskammer

Die Jahres-Ausstellung „Edles Handwerk“ wird morgen, Freitag, um 16 Uhr in der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade (Friedenstraße) eröffnet und ist noch morgen und Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Mehr als 50 Aussteller aus dem Kammer-Gebiet präsentieren ihre Arbeiten, neben dem Gebäude der Handwerkskammer selbst ist auch wieder das „Praxiszentrum für Verkauf und absatzorientierte Gestaltung“ mit einer Sonderausstellung zum Thema „Aufbruch“ dabei.

Von Frank Füllgrabe