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Zurzeit bespielen Licht und Schatten die Räume des Ostpreußischen Landesmuseums. Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert wartet auf den Bescheid, der den Start zur Neu-Einrichtung erlaubt. Foto: t&w

Ostpreußische Landesmuseum: mehr Geld, Arbeit und Zeit

Lüneburg. Da schlagen sozusagen zwei Herzen in der Brust des Museumsdirektors. „Die Verzögerung finde ich furchtbar, aber das Warten lohnt sich“, sagt Dr. Joachim Mähnert. Es tut sich nämlich noch nichts und trotzdem viel beim Ostpreußischen Landesmuseum. Das Haus wächst, ist geschlossen, wird größer, sollte eigentlich schon eröffnet haben, aber immer wieder platzt die Realität zwischen die Wünsche, und sie bringt auch Gutes mit sich, nämlich Geld. Das erst macht es möglich, eine Ausstellung einzurichten, die attraktiv ist und zeitgemäß in Sachen Vermittlung, Ästhetik und Methodik. Gerade kam gute Botschaft aus Berlin.

Wie berichtet, hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages eine weitere Million Euro für den Ausbau des Landesmuseums beschlossen. Das Museum hatte ursprünglich zwei Millionen beantragt, die erste Hälfte wurde 2015 bewilligt, schrumpfte aber aus Haushaltsgründen. Dr. Mähnert ist dank der jüngsten Entscheidung zufrieden, denn bisher lag sein Etat für die Ausstellung bei weniger als 30 Prozent der gängigen Richtwerte für Museen. „Das bereitete uns Bauchschmerzen. „Man baut um, schließt das Haus, schürt Erwartungen“, da müsse doch der Inhalt stimmen.
„Eine laufende Dauerausstellung macht weniger Arbeit“

Was machen eigentlich die Mitarbeiter?

Nun könne mit rund 1200 Euro pro Quadratmeter geplant werden. Das ist gut, klingt viel, ist es aber nicht wirklich, wenn man Kosten für Medienstationen, Vitrinen etc. kennt. Die Gestaltung des Museums plant das Büro hgb in Hannover, das eine lange Liste von großen und kleinen musealen Projekten betreut hat. In Lüneburg waren Homann-Güner-Blum schon tätig, 2013 für die „Schätze des Glaubens“ in der Johanniskirche.

Was machen denn bloß die Mitarbeiter des Ostpreußischen Landesmuseums in der langen Zeit der Schließung? Däumchen drehen? Dr. Mähnert hält dagegen: „Der Tagesbetrieb eines Museums ist weit weniger aufwendig als eine Umbauphase, eine laufende Dauerausstellung macht weniger Arbeit.“ Für das wachsende Museum müssen Konzepte, Texte und mehr erstellt werden und durch die sich positiv ändernde finanzielle Basis laufend angepasst werden.

Als die Raumplanungen für den Ausbau abgesegnet waren, fiel zudem in Duisburg ein bedeutender Beschluss: Das dort ansässige Museum Königsberg schloss die Türen, der gesamte Bestand mit mehreren tausend Exponaten wurde nach Lüneburg verfrachtet. Gut, dass hier die Depotfläche gerade um das Doppelte wuchs.

Das Ostpreußische Landesmuseum beherbergt nun die weltweit bedeutendste Sammlung zum Philosophen Immanuel Kant, eine große zu Käthe Kollwitz und vieles mehr. Nur in Teilen werden die Schätze in das neue Museum integriert. Kant sorgt für das nächste große (Bau-)Thema. Im April 2024 wird der 300. Geburtstag des Königsbergers gefeiert. Das ist denn auch das Zieldatum für einen eigenen Kant-Trakt. Dafür hat der Bund bereits 5,6 Millionen Euro als seinen Anteil in die Finanzplanung eingestellt.

Auch das Brauereimuseum wird aufgehübscht

Der aktuelle Stand der Dinge: Der Hochbau ist nahezu abgeschlossen. Die Kosten werden bei sechs Millionen Euro liegen, knapp 1,5 Millionen mehr als zunächst angesetzt. Beim Bauen in der Denkmalzone und im Bestand sind Kalkulationen schwerer als bei reinen Neubauten. Alle Steigerungen seien begründbar gewesen, so Dr. Mähnert. Das Museum wird um 30 Prozent wachsen, rund 2000 Quadratmeter Fläche bespielen. Neu hinzu kommt eine Deutschbaltische Abteilung. Eine wissenschaftliche Stelle dafür wurde gerade mit Hilfe der Sparkassenstiftung gesichert.
Noch sind die zusätzlichen Mittel des Bundes nicht frei. Es fehlen die Bescheide, die einen Maßnahmenbeginn erlauben. Im Museum herrscht also Ruhe. Wann aber ist das Haus denn wieder offen? Ursprünglich sollte das schon 2015 passieren, dann aber kam alles anders. Mittlerweile können das neue Foyer für Veranstaltungen und ein Raum darüber für Sonderausstellungen genutzt werden. Im Januar ist das Haus noch einmal komplett geschlossen. „Da hübschen wir unter anderem das Brauereimuseum auf“, sagt Dr. Mähnert. Auf einen Termin für die komplette Wiedereröffnung lässt er sich nicht festnageln. Auf der Homepage steht „frühestens Mitte 2017“. Das wird Dr. Mähnert ändern lassen. „Wenn alles glatt läuft, Winter 2017“, sagt er. Es läuft gut, aber nicht immer glatt.

Die nächste Sonderausstellung widmet sich dem Bernstein. Ein „Goldenes Fenster zur Vorzeit“ wird vom 25. November bis 30. Dezember geöffnet und vom 31. Januar bis 7. Mai.

Von Hans-Martin Koch