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Christian Baumgarten, Alexander Köpp, Petra Flindt und (ganz rechts, halb verdeckt) Kirstin Rechten bei der Generalprobe. Foto: t&w

Theater für Kinder: Die Geister und der Geizkragen als Live-Hörspiel

Lüneburg. Ein Drehbuch, vier Schauspieler, zwanzig Rollen und unzählige Geräusche: Am Sonnabend feierte Charles Dickens „Eine Weihnachtsgeschichte“ des Amateur-Ensembles von „Kunst & Fertig“ Premiere. Anstatt eines klassischen Theaterstücks hat sich die Theatergruppe für ein Live-Hörspiel entschieden. Nicht grade eine leichte Aufgabe, die bekannte Geschichte um den geizigen und griesgrämigen Ebenezer Scrooge und seinen überirdischen und schaurigen Weihnachts-Besucher in eine Hörspielfassung zu verwandeln. Doch das vierköpfige Ensemble überzeugte auf ganzer Linie bei der Premiere in seinem gemütlichen Wohnzimmer-Theater.

Heiligabend ist ja doch nur Geldverschwendung

Alles ist dunkel, nur die Melodie von „We wish you a merry christmas“ erklingt aus einer kleinen Spieluhr in der Ecke der Bühne. Schauspielerin Kirstin Rechten hat ein ganzes Arsenal an Alltagsgegenständen um sich aufgebaut. Auf drei Tischen um sie herum findet sich alles, was die Geräuschkulisse für ein Live-Hörspiel braucht. Mit dem Ende der Melodie haben auch die drei anderen Köpfe oder besser gesagt: Stimmen des Ensembles ihre Plätze hinter ihren Textbüchern eingenommen.
Petra Flindt eröffnet das Live-Hörspiel mit den berühmten Worten: „Marley war tot, damit wollen wir anfangen.“ So beginnt die bekannte Geschichte aus dem 19. Jahrhundert um die Weihnachtsnacht des geizigen Warenhausbesitzers Scrooge. Jacob Marley, das war der Geschäftspartner und einzige Freund von Ebenezer Scrooge, dem Protagonisten von Charles Dickens Weihnachtsgeschichte.

Der Geizhals und Griesgram Scrooge sitzt an Heiligabend genau sieben Jahre nach Marleys Tod mit seinem Assistenten in seinem Warenhaus. Weihnachten hält der verbitterte Alte für Humbug, Geld- und Zeitverschwendung. Allerdings nur bis zu diesem Heiligabend. In der Nacht wird er von drei Geistern heimgesucht, die ihm seine vergangenen und das diesjährige Weihnachtsfest vor Augen halten und eine düstere Zukunft voraussagen.

Weit über zwanzig Rollen hat die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens. Damit haben auch die vier Schauspieler jede Menge zu tun. Nur Christian Baumgarten spielt weniger als zwei Rollen, denn er spricht den alten Scrooge. Mit knarziger Stimme und Schlafmütze auf dem Kopf nimmt man dem Schauspieler den knausernden Greiß sofort ab. „Pff Weihnachten, bäh, Humbug“, schimpft Baumgarten als Scrooge immer wieder vor sich hin, wenn er nicht im Dialog spricht. Mit veränderter Kopfbedeckung und Stimmlage verwandelt sich der Vierte im Bunde, Schauspieler Alexander Köpp sogleich in unzählige Charaktere. Das Gleiche gilt für die beiden weiblichen Stimmen im Ensemble.
Fliegende Geister, die durch verschiedene Zeiten und Räume schweben, müssen auch an die Fassung angepasst werden. Die Schauspieler nutzen die gesamte Bühne. Es kommen wenige, aber immer passende Requisiten zum Einsatz. „Seit Frühjahr haben wir die Originalgeschichte als Hörspielfassung umgeschrieben und sind auf Geräusch-Suche gegangen“, sagt Rechten.

Nussschalen für das Hufgetrappel

Der Aufwand hat sich ausgezahlt. Dazu zählt nicht nur die klimpernde Weihnachts-Spieluhr. Mit einer Kaffeemühle kann ganz authentisch das Öffnen und Schließen von alten Fensterläden nachgeahmt werden. Der schleppende Gang der Geister wird mit Rasseln und Ketten untermalt. Und das Hufgetrappel der Kutschen aus dem 19. Jahrhundert hört sich exakt so an wie zwei klappernde Nussschalen. Die Schauspielgruppe hat aus dem Klassiker nicht nur eine spannende, sondern auch witzige Hörspiel-Fassung gemacht dafür sorgen die zahlreichen Slap-Stick- Einlagen der Ensemble-Mitglieder. Die eigens umgeschriebene Fassung schafft es außerdem, jüngeres und älteres Publikum gleichermaßen in seinen Bann zu ziehen und mit Spannung die stets aktuelle Geschichte um den alten Scrooge zu transportieren.

» Noch vier weitere Male wird das Stück aufgeführt: 26. und 27. November sowie 4. und 12. Dezember, jeweils um 16 Uhr.