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Carsten Rieckhoff und Sandra Petersen spielen ein Paar, bei dem jeder bald eigenen Interessen folgt. Foto: phs

Theater Bleckede: Liebe, Verrat, Intrigen und Tod

Bleckede. Holzaufbauten, quer und längs, auf- und nebeneinander, bieten den Rahmen zum Verstecken und Deklamieren, zum Erniedrigen und Erhöhen, für Liebe, Verrat und Tod. Peter Andersonn begrüßte zur ersten Premiere des Theaters Bleckede im Haus der Künste. Mit „Weibsteufel“ feierte das Ensemble, das zwölf Jahre in den Theaterstall Brackede eingeladen hatte, sein Debüt am neuen Ort. Wo einst die Elbfischer ihre Festbälle abgehalten haben, ist jetzt ein Drama um Intrigen, Gier und Leidenschaft zu sehen.

Die Frau als Köder?

Das neue Theater im gut 300 Jahre alten Haus ist „mehr“ Theater mit seinen hohen, mit Kronleuchtern bestückten Decken und den eigenwilligen Malereien, mit seiner Bühne, mit rotem Samtvorhang und Bar im Eingangsbereich, die aus ausgedienten schwedischen Holzkisten zusammengezimmert wurde. Aber es kann natürlich nicht so unmittelbar, so intim sein wie im ehemaligen Theaterstall Brackede. Umso mehr Gefühle und Leidenschaft braucht es, um das Publikum zu bannen womöglich ein Grund für Regisseur Peter Andersonn, sich das Stück „Der Weib­s­­­­­­­teu­­­fel“ von Karl Schönherr (1915 in Wien uraufgeführt) auszusuchen.

In diesem harten Drei-Personen-Stück regieren Selbstnutz und Rücksichtslosigkeit. Ein Schmuggler sieht sich in seinem kriminellen Schaffen von einem ehrgeizigen Grenzjäger, der ihm unbedingt auf die Schliche kommen will, bedroht. Also setzt er, der sich selbst für über die Maßen schlau hält, seine hübsche, junge Frau auf den Polizisten an. Der Plan verfängt zu sehr, denn die Frau verliebt sich in den starken Ordnungshüter, dem Gegenentwurf zu ihrem vermeintlich schwachen und kränklichen Mann.

Die Frau als Köder? Sie selbst will es so sehen, beklagt sich giftig, als Spielball in der Männerwelt herumbugsiert zu werden. Aber zieht nicht eigentlich sie die Strippen, provoziert, taktiert und manipuliert die beiden Mannsbilder? Am Ende bekommt sie, was sie will.

Die hölzerne Sprache ist eine Herausforderung

„Der Weibsteufel“ gilt als frühes Stück der Emanzipationsbewegung, allerdings ist die Frau keine Sympathieträgerin. Sandra Petersen spielt sie forsch und fordernd, nur selten deckt sie ihre schwachen Seiten, ihren unerfüllten Kinderwunsch, auf. Carsten Rieckhoff spielt ihren Mann, der sich schlau durchs Leben gaunert, über kalte Füße und andere Wehwehchen klagt, aber als Schwächling geht er dennoch nicht durch. Ahmed Ahnert ist als „Herkules“ sein Gegenentwurf, der sich fangen lässt vom Teufelsweib, sogar die Karriere opfern will, um rechtschaffen zu bleiben und am Ende tut, was sie von ihm verlangt.

Die drei Protagonisten spielen mit großer Leidenschaft und Konzentration, die etwas hölzerne Sprache war gewiss eine Herausforderung für sie. Als „Kunstsprache, die sich an einem Dialekt orientiert“, beschreibt Andersonn sie. Mit seiner Frau Undine konnte er sich über eine geglückte, gut besuchte Premiere freuen und bedankte sich für die großzügige Unterstützung vieler Bleckeder, allen voran bei Richard Wagner, dem Eigentümer der neuen Theaterheimat.

Von Silke Elsermann