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Erledigt: Die lästige Privatdetektivin wird von Scipio und seinen Freunden erst einmal kaltgestellt. Foto: t&w

Cornelia Funkes „Herr der Diebe“ feiert Premiere

Lüneburg. Prosper hat ein Problem, oder genauer: eine ganze Menge davon. Seine alleinerziehende Mutter ist gestorben. Nun soll er in ein Internat geschickt werden, während sein kleiner Bruder Bonifazius zu der schrecklichen Tante Esther und ihrem dämlichen Mann Max zieht. Ihn, Prosper, will die Tante nicht aufnehmen er ist ihr bereits zu groß und zu widerspenstig. Die beiden Geschwister flüchten nach Venedig, und das war wohl eine gute Idee. Hier werden sie von dem Herrn der Diebe aufgenommen und finden bei ihm Unterschlupf in einem geschlossenen Kino. Das riecht nach Abenteuer.

Bühnenfassung eines Romans von Cornelia Funke

Cornelia Funke veröffentlichte ihren Jugendroman „Herr der Diebe“, der natürlich zu einem Renner wurde, im Jahre 2000, fünf Jahre später folgten die erste Bühnenfassung und die fällige Verfilmung. Jetzt bringt das Kinderensemble drei des theaters im e.novum in der Regie von Edina Hasselbrink die romantisch-dramatische Geschichte auf die Bühne leicht komprimiert, aber nicht weniger spannend und auch für Erwachsene unterhaltsam.

Die Stadt der Masken und Intrigen

Karneval und Mummenschanz Venedig, die Stadt der Masken und Intrigen: Scipio ist erst zwölf Jahre alt, aber er bezeichnet sich selbst als Meisterdieb, anscheinend mit Recht: Kostbaren Schmuck bringt er regelmäßig ins Versteck. Den müssen seine Schützlinge, das sind vor allem Wespe und Mosca, bei dem Kleinkriminellen Barbarossa, der die Hehlerware per Bauchladen verkauft, zu Geld machen. Nun gehören auch die beiden geflüchteten Brüder zur Gang wobei Prosper streng darauf achten will, dass Bo nicht kriminell wird. Der wiederum würde zu gern bei den Gaunereien mitmachen.

Die Geschichte über die Macht von Freundschaft und Mitgefühl kommt schnell in Fahrt. Eine Privatdetektivin verfolgt im Auftrag von Tante Esther die Brüder, und der Herr der Diebe bekommt, vermittelt durch Barbarossa, von einem alten „Conte“, einem Grafen also, einen rätselhaften, wirklich sehr gut bezahlten Auftrag: Er soll aus einem Haus einen hölzernen Flügel stehlen, der von einer Karussellfigur stammt. Was ist an der ollen Schnitzerei denn bloß so kostbar? Und die Kinder müssen erkennen, dass ihr großartiger Boss wohl doch nicht so ein begnadeter Meisterdieb ist.

Die jungen Schauspieler(innen) stürzen sich mit viel Spielfreude in das Geschehen, entwickeln jeweils ihren eigenen Charme, zeigen erstaunliche Sicherheit in wechselnden Rollen, bezaubern als freche Gören und als wichtig auftretende Erwachsene. Es erfordert durchaus ein wenig Konzentration, die rasch wechselnden Situationen und natürlich immer nur angedeuteten Schauplätze auf die Reihe zu kriegen. Unterstützt wird die tragikomische Geschichte von der Musik aus dem Off: Ulf Manú schuf ein markantes Thema, das sich, arrangiert für Kammerensemble, durch die Abenteuer zieht, feinen Humor und den morbiden Charme der bröckelnden, modernden „Serenissima“ transportiert.

Und so gehen knackige anderthalb Stunden Spielzeit, die jede Minute wert sind, über die Bühne. Die nächsten Termine: morgen, 9 und 11.30 Uhr.

Von Frank Füllgrabe