Donnerstag , 15. November 2018
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Blick in die Ausstellung der Halle für Kunst, konzipiert als zweiten Teil einer Trilogie über Wahrnehmung von Kunst. Foto: nh

Die Ausstellung „Gebärden und Ausdruck“ der Halle für Kunst

Von Frank Füllgrabe
Lüneburg. Das Mehrdeutige und das Widersprüchliche gehören zu den zentralen Elementen der Kunst was auf den ersten Blick ersichtlich ist, verliert schnell seinen Reiz, und damit seinen Wert. Das gilt für Kunst in allen Epochen Um diese Aspekte, um Ambiguität und Ambivalenz, dreht sich die aktuelle Ausstellung „Gebärden und Ausdruck“, die bis 12. Februar in der Halle für Kunst (Reichenbachstraße) läuft.

Zu sehen sind Arbeiten von Liz Craft, Michaela Eichwald, Fanal, Birke Gorm, Julia Haller, Honey Suckle Company, Helena Huneke, Stefan Kern, Kontakt Sappho, Veit Laurent Kurz & Ben Schumacher & Stefan Tcherepnin, pcnc_bay und Steit. Eine aufwändig inszenierte Gemeinschaftsausstellung also, deren Vielschichtigkeit an sich bereits zu den angekündigten Themen führt. Aber natürlich sind es auch die einzelnen Exponate, die ihre innere Spannung dokumentieren.

Kino-Produktion als magisches Ritual

Ein zweiter Aspekt von „Gebärden und Ausdruck“ ist das Werk des Kaliforniers Kenneth Anger (Jahrgang 1927), speziell seine Vorstellungen vom Film. Er spricht von kultureller und künstlerischer Produktion als magischem Ritual abgegrenzt von dem „zutiefst zwiespältigen und ebenso fragwürdigen, von wirtschaftlichen und Machtinteressen durchsetzten Feld der Kunst“ („Magic Lantern Cycle“, 2015).

Die Präsentation ist der zweite Teil einer Trilogie, die im Frühjahr dieses Jahres mit dem Kernthema „Fantasie“ begonnen wurde und 2017 mit Erörterungen über Authentizität abgeschlossen werden soll. Im ersten Teil ging es um das Wesen künstlerischer Praxis an sich, um jene Momente, in denen zwischen Werk und Betrachter eine Verbindung entsteht. Dabei kommt die Fantasie ins Spiel, ohne sie wäre die Reflexion von Kunst wohl undenkbar. Im zweiten Teil soll nun die Beobachtung dieses Prozesses fortgesetzt werden werden.

Nachdenken über künstlerische Praxis

Alle drei Teile sind als ineinandergreifende Aspekte eines Nachdenkens über künstlerische Praxis konzipiert. Sie basieren auf dem Versuch, Begriffe für jene Resonanz auslösenden Momente zu finden, die an künstlerischen Arbeiten interessant sind. Dahinter steckt auch die Erkenntnis, dass sich zeitgenössische Kunst allzu häufig akademisch-spröde präsentiert, zu sehr im Durchdeklinieren von Referenzen verhaftet bleibt und der Diskurs einer engen Expertenrunde zum Selbstzweck wird.

„Vor dem Hintergrund einer immer lauter werdenden Kritik an entleerten kritischen und politisierten Kunstpraktiken“, so die Kuratoren, sei die Präsentation sinnlicher und bis zu einem gewissen Grad plakativer Kunst zwar „nicht mehr gleich dem Generalverdacht ausgesetzt, einem hoffnungslos altbackenen Kunstbegriff zuzuarbeiten“. Andererseits gelte es nun, Sensibilitäten dafür zu entwickeln, dass sich nicht eine `neue Empfindsamkeit` einschleicht, basierend auf der Reaktivierung einer auf das Formale beschränkten Vorstellung autonomer Kunst.

Das Rahmenprogramm

„Ausdruckstanz“ Workshop mit Helga Gerhard-Schroeder und Anneliese Maaß: Sonnabend, 21. Januar, 15 bis 16.30 Uhr, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
„Wuthering Sappho“ Musikperformance von Sonja Cvitkovic, Michaela Meise und Birgit Megerle: Sonntag, 29. Januar, 16 Uhr.
„Mitglieder führen“ mit Cornelia Kastelan: Mittwoch, 1. Februar, 18 Uhr
„Druckwerkstatt“: Sonnabend, 4. Februar, 11 bis 13 Uhr, für Kinder und Jugendliche von 6 bis 12 Jahren.