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Der Akkordeonist Martynas Levickis kommt 2017 ins Bleckeder Schloss. Den Hof als Konzert-Ort begutachten Intendant Dr. Markus Fein, Bürgermeister Jens Böther, Landrat Manfred Nahrstedt und Carsten Junge (Sparkassenstiftung). Foto: A/ff

Bleckeder Schmuckkästchen für Konzerte

Von Frank Füllgrabe
Bleckede. Es gibt Tage, da gehört Lüneburg zu Schleswig-Holstein — wenn die Stadt einmal wieder, wie eigentlich jedes Jahr, zum südlichsten Konzert-Ort des Schleswig-Holstein Musik Festivals wird. Und manchmal ist Bleckede ein Teil Mecklenburg-Vorpommerns, das hängt ebenfalls mit dem Festival des Bundeslandes zusammen. So wird es auch im nächsten Jahr kommen. Damit ist zugleich eine kleine Jubiläumsfeier fällig.

Rund um die vier Jahreszeiten

Am Freitag, 23. Juni, gastiert der Akkordeonist Martynas Levickis mit seinem „Mikroorkéstra“ (also einem Kammerorchester) im Bleckeder Schlosshof. Titel: „Die vier Jahreszeiten“. Natürlich gehört der Werkszyklus von Antonio Vivaldi zum Programm; aber auch Astor Piazzolla hat Musik für „Las Cuatro Estaciones Portenas“ geschrieben, abgerundet wird das Konzert mit dem „Herbstlied“ von Tschaikowski.

Der 27-jährige Martynas Levickis, geboren in Litauen, studierte an der Royal Academy of Music in London, gewann Akkordeon-Wettbewerbe in aller Welt. Dazu gehört die „American Accordionist Association Competition“ in Memphis und ein zweiter Preis der Gala Rini International Competition in Santa Clara, Kalifornien. Levickis ist unter anderem Künstlerischer Leiter des Palendriai International Composers Course & Festival. Damit verbindet er seinen Wunsch nach neuen Noten, nach zeitgenössischen Kompositionen für Akkordeon und Kammerorchester.

Akkordeon als Kernthema

Lange Zeit klebte an dem Instrument der Ruf, nur für Seemannslieder und (als „Bajan“) für russische Volksmusik zu taugen. Das hat sich mittlerweile geändert, die Niedersächsischen Musiktage hatten bereits das Akkordeon (meist mit zwei Tastaturen) zu einem Kernthema gemacht. In Lateinamerika ist das Akkordeon — oder sein kleiner Bruder, das Bandoneon — im Tango (Stichwort Piazzolla), generell in der klassischen Tanzmusik des Kontinents, fest verankert.

Zweiter Termin: Am Donnerstag, 3. August, gastiert Alexej Gerassimez in Konau (Nummer 25, also bei dem Verein „Frohe Zukunft“). Das Konzert ist eingebettet in das „Friends“-Projekt des Festivals, der Schlagwerker spielt unter anderem mit dem Jazzpianisten Omer Klein, dem Kon­trabassisten Haggai Cohen-Milo und dem vision string quartet. Das Konzert führt von Schubert über Tango bis zu „Spain“, dem wohl bekanntesten Werk des amerikanischen Jazzpianisten Chick Corea. Alexej Gerassimez, 1987 in Essen geboren, ist als „Preisträger in Residence“ Gast der Festspiele. Auch er hat bereits viele internationale Auszeichnungen gesammelt.

Zweiter Einsatz für den Verein Frohe Zukunft

Für Konau 25 ist es der zweite Einsatz im Rahmen der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, für das Bleckeder Schloss bereits der fünfte. Dr. Markus Fein, Künstlerischer Leiter des Festivals, preist den Schlosshof als „einen der akustisch besten Open-air-Orte“ seiner Konzertreihe, „das ist ein richtiges Schmuck-Kästchen“. Mit dem Kompliment verbindet Dr. Fein auch den „Dank an die Leute vor Ort“, an die vielen ehrenamtlichen Helfer, die vor allem aus den Reihen des Heimat- und Kulturvereins Bleckede stammen und in den früheren Jahren bereits Konzerte im Schlosshof auf die Beine stellten. Mit der Einbindung in das Festival und seine Infrastruktur stieg auch die Resonanz, alle Konzerte waren schnell ausverkauft. Mit eigenen Mitteln, da sind sich Landrat Manfred Nahrstedt und Bürgermeister Jens Böther einig, wäre das nicht hinzubekommen.

Vorverkauf hat bereits begonnen

Apropos: Der Vorverkauf (unter anderem bei der LZ) hat bereits begonnen. Im Falle eines Falles, also bei schlechtem Wetter, ziehen Musiker und Zuschauer um in das — nur wenige Meter entfernte — Bleckeder Haus gleich hinter dem Deich.

Der Landkreis Lüneburg unterstützt die Bleckede-Konzerte, in Konau springt die Sparkassenstiftung mit ein. Im nächsten Jahr muss dann der Fünf-Jahres-Vertrag mit der Festival-Leitung in Schwerin erneuert werden, das wird wohl gelingen, alle Beteiligten zeigen sich jedenfalls optimistisch. Ansprechpartner für Stadt und Landkreis wird Dr. Markus Fein bleiben.

Intendant im Amt bestätigt

Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern haben den Vertrag mit dem geschäftsführenden Intendanten Dr. Markus Fein vorzeitig um fünf Jahre verlängert. Der 45-jährige Musikwissenschaftler bleibe somit mindestens bis Ende 2021 im Amt, teilten die Festspiele in Schwerin mit. Fein hatte die Leitung 2014 von Festivalgründer Matthias von Hülsen übernommen, viele bewährte Musikreihen fortgeführt, die Festspiele aber auch um neue Projekte bereichert.