Aktuell
Home | Kultur Lokal | Premieren und sogar zwei Uraufführungen im Theater
Ballettchef Olaf Schmidt, umringt von seiner Truppe, und Orchesterleiter Thomas Dorsch, ebenfalls eingerahmt von seinen Künstlern, arbeiten gemeinsam an aufwändigen Projekten. Fotos: ff/t&w

Premieren und sogar zwei Uraufführungen im Theater

Von Frank Füllgrabe
Lüneburg. „Wenn ich mir etwas wünschen könnte…“ lautet einer der ersten Sätze in der Schauspielproduktion „Der goldene Drache“, die am 10. Februar im Theater Lüneburg Premiere feiert. Wünsche und Sehnsüchte verfolgen alle Figuren des Stückes, die in dem Mietshaus leben, in dem der Asia-Imbiss „Der goldene Drache“ untergebracht ist.

Es ist der reale Alltag, aber eine hochkomplexe, nicht immer einfache Welt, von der Roland Schimmelpfennig erzählt. „Schimmelpfennigs Kunstgriff ist es, kurze Sequenzen so zu verweben, dass ein regelrechter Sog entsteht“, so Hilke Bultmann, die leitende Schauspieldramaturgin. „Sechzehn Figuren, gespielt und erzählt von nur fünf Darstellern. Nicht zuletzt das Schicksal des illegal eingereisten Asiaten, der seine Schwester sucht, ist gerade heute zutiefst berührend.“

Olaf Schmidt beschäftigt sich in seinem großen Tanzabend, Premiere am 14. Januar, mit dem „Buch von Blanche und Marie“ des schwedischen Erzählers Per Olov Enquist. Im Zentrum stehen zwei historische Persönlichkeiten, die Hysterie-Patientin Blanche Wittman, die von einem Lehrer Sigmund Freuds behandelt wurde, und die Wissenschaftlerin Marie Curie. Beide Frauen erleben jeweils eine verbotene Liebe, die ihr Leben zutiefst verändern wird. Erstmals schreibt Thomas Dorsch, Generalmusikdirektor am Theater, selbst die Musik für Schmidts Kompanie — das Jahr beginnt also mit einer echten Uraufführung!

Tanz rund um Marie Curie und Blanche Wittman

Am 4. März feiert „Schlafes Bruder“ Premiere, ein Musiktheater-Stück vor allem mit Musik von Johann Sebastian Bach, das das Theater zusammen mit den Kantoreien an St. Johannis und St. Michaelis einstudiert. Der Roman von Robert Schneider sorgte Anfang der achtziger Jahre für Furore, die Verfilmung war ein Riesenerfolg. Nun erzählt Olaf Schmidt die Geschichte um das musikalische Wunderkind Elias Alder, das in einem abgelegenen Bergdorf in den Alpen aufwächst, in einem spartenübergreifenden Projekt, mit den Solisten des Musiktheaters, dem Ballettensemble und über achtzig Chorsängern. Noch eine Uraufführung also.

„Schlafes Bruder“ mit achtzig Chorsängern

„Wir beteiligen uns mit diesem Projekt an dem Programm zum Luther-Jubiläum 2017, denn Bachs Musik ist mit der Reformation aufs engste verbunden“, so Chefdramaturg Friedrich von Mansberg. „Und Schneiders Roman wirft viele Fragen nach der Verantwortung eines jeden einzelnen auf und nach dem ganz persönlichen Verhältnis eines jeden zu Gott. Das wird eine indirekte, aber sehr spannende Auseinandersetzung mit Luther.“

Große Literatur im Schauspiel: Theodor Fontanes „Effi Briest“ (Premiere: 24. März) zeigt eine junge Frau am Ende des 19. Jahrhunderts, die von starken Konventionen eingezwängt wird und vor allem eines will: leben! Und die letzte Produktion des Schauspiels wirft bereits ab Januar ihre Schatten voraus: In der Reihe „Theater trifft Museum“ stellen die Schauspieler John Steinbecks großes Epos „Jenseits von Eden“ vor: fünf Lesungen in fünf Räumen des Museums.

Sabine Bahnsen, Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters T.3, erläutert die Pläne für junge Zuschauer: „Für mich ist Der Junge mit dem Koffer das eigentliche Herzstück des diesjährigen Spielplans. Das Stück von Mike Kenny für Menschen ab 10 Jahren erzählt von der Flucht des Jungen Naz, der sich ganz allein bis nach London durchschlagen muss. Aber Kenny verbindet diese Gegenwarts-Geschichte mit den sieben Reisen von Sindbad, dem Seefahrer — das ist also heutig und märchenhaft gleichzeitig!“ Premiere: 9. Februar.

Apropos Wünsche — beziehungsweise: Weihnachten: Für alle Produktionen sind bereits Tickets erhältlich — für das Steinbeck-Projekt gibt es auch ein Kombiticket für alle fünf Lesungen.