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Raymond Voß, Klaus Büchner, Stefan Lehmann und Volker Schmidt feiern Weihnachten auf ihre Art. Foto: t&w

Die 27. „Bagaluten-Wiehnacht“ mit Torfrock im Vamos

Lüneburg. Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Bernhard zum Beispiel, der liebt Staub und Schuttt. Mittlerweile hört er nicht mehr so gut, ist tadderig geworden, verschüttet in der Frühstückspause regelmäßig seinen Tee. Trotzdem holt er jeden Tag den Presslufthammer aus der Werkzeugkammer, ein Einfamilienhaus zerrüttelt er in viereinhalb Stunden; Motto: ratatazong ratatazong weg ist der Balkon, dong. Sein Name: Presslufthammer-B-B-Bernhard.

Eine ganze Menge Klassiker

Das ist so eine typische Torfrock-Geschichte. B-B-Bernhard gehört zu den Klassikern des Quartetts, davon haben Sänger Klaus Büchner, Gitarrist Raymond Voß und ihre Kollegen mittlerweile eine ganze Menge. In Lüneburg waren sie zur Feier der „Bagaluten-Wiehnacht“ zu hören: der Boxer, die Rocker (beinhart!), die Sonntagsjäger, und das Publikum im vollbesetzten oder besser: vollgestellten Vamos erwies sich als textsicher. Dresscode für einen Torfrock-Abend: schwarzes T-Shirt, Wikingerhelm, Bierflasche.

Wikinger und bräsige Friesen, die Helden von Haitabu und dem (fiktiven) Torfmoorholm, Torfrock hat mit seinen Songs schon viele skurrile Typen auf die Bühne gebracht. Einer davon schien zum Leben erwacht: Er nennt sich MacPiet, kommt aus Winsen (nicht an Luhe oder Aller, sondern bei Bad Segeberg), sieht aus wie Rollo der Wikinger, und bestritt das Vorprogramm. Celtic Folk goes Rock, „Country Road“ von John Denver, „The Boxer“ von Simon & Garfunkel, „Was wollen wir trinken“, ein ziemliches Kuddelmuddel, aber ganz das Richtige, um die Konzertbesucher einzustimmen.

Hau mir doch bitte nich`mehr auf die Lippe

Die Partykracher von Torfrock erscheinen alle irgendwie ähnlich. „Hau mir doch bitte/ nich` mehr auf die Lippe“, klagt der notorisch erfolglose Vereins-Boxer, „die Unterlippe steht schon vor wie ne Schippe“. Schließlich könnte der Gegner doch auch mal auf den Magen hau`n/ oder auf die Augenbrau`n. Doch diese Blödelsongs mit den eingängigen Melodien und dem Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Charme erzählen nebenher tragikomische Geschichten vom arbeitenden Volk, vom Baggerführer „Hannes Kabeltod“ etwa, vom Torfstechermeister „Adular Zech“. Oder eben von dem vielfach durchgerüttelten B-B-Bernhard, der nach Feierabend noch beim Chef daheim malochen soll, und versehentlich, er hatte mal wieder nicht richtig gehört, dessen Haus in seine Einzelteile zerlegt: robuste Satiren, die immer auch Sympathien für Land und Leute transportieren.

Der kreative Kern ist geblieben

Zu ernst nehmen darf man das Ganze andererseits natürlich nicht. „Beinhart“, der Titelsong für den ersten „Werner“-Film, geht so: Beinhart wie n Rocker/ beinhart wie n Chopper/ beinhart wie n Flasch Bier/ beinhart geht das ab hier dengel, dengel, dengel, dengel…“

Die Geschichte von Torfrock begann schon Mitte der 70er-Jahre mit Texten von Edgar Allan Poe, mit Jimi Hendrix op Platt, was wider Erwarten zum Erfolg wurde. Die Gründerväter Voß und Büchner (der nebenbei mit dem Schlager-Duo „Klaus & Klaus“ kein Schützenfest ausließ) sind der kreative Kern geblieben. Es gab in den fast vierzig Jahren traurige, ernsthafte Zeiten, etwa, als der Gitarrist Jürgen Lugge plötzlich starb, sein Posten als Gitarrist wurde bewusst nicht mehr besetzt.

Heute werden Voß und Büchner von Schlagzeuger Stefan Lehmann und Volker Schmidt (Bass, Gitarre, Harp, Mandoline) begleitet. Musikalisch gibt es da nichts zu meckern, das geht alles schön nach vorne, Raymond Voß wechselt, was dann irgendwie auch symbolisch wirkt, von der akustischen zwölfsaitigen Ovation zur Flying-V-Hardrock-Gitarre. Und Klaus Büchner entwickelt sich zum Meister des überflüssigen Blockflöten-Solos. Ist ja Wiehnacht. Dengel, dengel, dengel dengel.

Von Frank Füllgrabe