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David Bowie (1947-2016), gesehen und erinnert von Andreas Ole Ohlendorff. Foto: nh

Das Feuer weiterreichen

Winsen/Luhe. Sechs Jahre war Andreas Ole Ohlendorff Polizist auf der Davidswache, dann ging er auf Weltreise, zog später nach Lüneburg, arbeitete als Roadie, Werftarbeiter, Kurierfahrer und Koch, als Rocker hatte er auch einen Ruf. In Lüneburg begann Ohlendorff, sich autodidaktisch als Maler auszubilden. Er zeichnete zum Beispiel minutiös Motorräder, fand aber schließlich ein Thema, das ihm bundesweit einen guten Ruf verschaffte. Ohlendorff, der seit langem wieder in seinem Geburtsort Winsen lebt, erfand die Serie „Dead Rock Heads / Legenden der Rockmusik“.
Nie gab es so viel künstlerische Trauerarbeit für den 58-Jährigen wie in diesem Jahr, wo mit David Bowie, Prince, Leonard Cohen und George Michael ganz Große der Musikszene starben, aber auch viele andere Promis wie in den vergangenen Tagen Rick Parfitt (Status Quo), Knut Kiesewetter und der Jazzdrummer Alphonse Mouzon. Im Interview spricht Ohlendorff (www.ohlendorff-art.com) über dieses auf traurige Art besondere Jahr.

Interview

2016 gilt als Jahr, in dem besonders viele große Rockmusiker starben. Welcher Tod hat Sie am stärksten getroffen?
Ole Ohlendorff: Da ich mich für meine Serie „Dead Rock Heads“ neben den großen Stars der Musikbranche auch immer für die „Sternchen“ interessiert habe, ist für mich der größte Verlust des Jahres 2016 ein Musiker aus Hamburg: Karl-Heinz „Carlo“ Blumenberg, mit dem ich fast 40 Jahre befreundet war. Kennengelernt habe ich „Carlo“ Ende der 70er Jahre als Sänger der legendären Dirty Dogs, einer wilden Kapelle mit Nieten- und Leder­image. Welch eine Bühnenpräsenz! Später ist er unter anderem mit den Lüneburger Musikern Dieter Borchardt und Django Seelenmeyer mit der Formation „Leinemann“ erfolgreich gewesen. Das Onkel Pö lässt schön grüßen…

Kommen Sie bei den vielen Toten des Jahres mit dem Malen noch nach?
Die „Taktung“ war dieses Jahr schon gewaltig. David Bowie, Keith Emerson, Prince, Leonard Cohen und viele mehr sind jetzt ja in der großen Bigband des Rock-Heaven beheimatet. Die Auswahl für die Aufnahme in meine „Dead Rock Heads“ war und ist aber dann doch von subjektiver Natur. Ich male ja nicht in beliebiger Manier an einem „Bilderbuch-Rocklexikon“, sondern begebe mich auf eine ganz persönliche Zeitreise zu den Weggefährten meiner Jugend und der späteren Jahre.
Auf das Jahr verteilt komme ich daher mit dem Malen schon noch nach. Im Atelier gibt es ohnehin keinen Stress. Dem Bild soll ja in erster Linie „Seele eingehaucht“ werden, und da empfiehlt sich ohnehin: „Eile mit Weile“.

Ist es nicht eigentlich biologisch betrachtet normal, dass die Generation, die in den 60ern und 70ern die Popularmusik neu definierte, nun abtreten muss?
Ich wundere mich auch über das große Erschrecken in weiten Kreisen der Medien und der Gesellschaft. Die Vergänglichkeit ist doch ein Bestandteil allen Lebens. Gerade und insbesondere dann, wenn der verstorbene Musiker auch ein hohes Alter erreicht hat.

Da manche aber die Kerze von beiden Seiten angezündet haben, ist ein früher Tod, siehe Amy Winehouse, für die Trauerbewältigung der Fans eine sehr viel größere Herausforderung. Die Unsterblichkeit unserer Idole und Legenden ist aber doch bestens durch die jeweilige Musik gewährleistet.

Ist es nicht ein merkwürdiges Gefühl, als prominenter „Dead Rock Heads“-Maler in gewisser Weise vom Tod der Musiker zu profitieren?
Profitieren würde ich das erst einmal nicht nennen. Sicher arbeitet mir der Lebenszyklus vom Werden und Vergehen schon zu, aber in erster Linie verstehe ich mich als Zuarbeiter der Erinnerungskultur. Dieses Lebensgefühl „Rockmusik“ als Ausdruck von Rebellion, Melancholie, Wut, Träumen, Sehnsüchten und vielem mehr teile ich ja nicht nur mit meiner Generation.
Wie heißt es doch in meiner Philosophie: Es geht nicht um Stars. Es geht um Leben. Um Musik. Um Tanz. Um Gefühle. Es geht um dich. Um mich. Um uns. Und um das Weiterreichen des Feuers!

Wo sind Ihre Bilder denn in den kommenden Monaten zu sehen?
Zur Zeit sind die Drähte gerade mal wieder „am Glühen“. Ich darf daher noch nicht zuviel verraten, aber die Schweiz ist schon ein heißer Kandidat für eine kommende Ausstellung meiner „Dead Rock Heads“.

Und in der Region?
In Norddeutschland ist Lübeck eine Option, aber auch gerne mal wieder Lüneburg. Schauen wir also hoffnungsfroh in die Zukunft.

Von Hans-Martin Koch