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Mitten auf einer Wiese im Tiergarten, nah der Teufelsbrücke, steht die Installation An der Schwelle zwischen Finsternis und Licht. Foto: oc

Das Tor zur weiten inneren Welt

Lüneburg. Er hat einen Weg aus Fahnen zu einem Ort der Flüchtlinge errichtet. Ein großes Ei zog mit ihm hinaus in die Welt, bis Georgien. Immer wieder sorgt Christian Elster für überraschende, irritierende und inspirierende Landart-Projekte. Er will mit ihnen Türen ins Innere öffnen, Verständigung schaffen.
Jetzt hat der Psychologe, Psychodrama-Therapeut, Gärtner und seit 1996 Landschafts-Künstler mit Gabriela Sommer einen großen Torbogen auf eine Wiese nahe der Lüneburger Teufelsbrücke gestellt. Die Idee kam Elster beim Durchschreiten von alten Kirchenruinen, hinter denen sich der Raum ins Unendliche weitete. Anregung gab vor allem die dachlose Kirche San Galgano in der Toskana.

Fahnen hinter dem sieben Meter hohen und sieben Meter breiten Torbogen aus Douglasienholz markieren im Tiergarten nun andeutungsweise einen Raum, der trotzdem bewusst offen bleibt. „An der Schwelle zwischen Finsternis und Licht“ nennen Elster/Sommer ihr Kunstprojekt, das aus einem weihnachtlichen Gedanken positiver Botschaft in dunkler Zeit heraus entstanden ist und nun in ein neues Jahr führt. Das Tor soll einladen, „vom Alltags-Raum in den bewusst und in Präsenz erlebten Raum“ zu gehen „von der offenen Landschaft in den Landschafts-Tempel, der nur vom eigenen Bewusstsein, von der eigenen Haltung und Achtsamkeit konstituiert wird.“

Ein Appell an die Achtsamkeit

Das erfordert vom Besucher ein Einlassen, wie weitgehend, das steht ja jedem frei. Die Landart von Elster/Sommer unterscheidet sich mit ihrem spirituellen Anspruch von den Kunstprojekten, die in der Region vor allem der Kunstverein Springhornhof in Neuenkirchen bei Soltau seit genau vierzig Jahren in Wald, Heide und Wiese setzt.

Am Freitag, 6. Januar, von 16 bis 18 Uhr soll ein Weg der Stille beschritten werden, längs der Ilmenauniederung und natürlich durch das Portal in den dahinter angedeuteten Raum. Tags darauf, am 7., wird die Installation ab 10 Uhr abgebaut Hilfe ist willkommen. Der Torbogen, der sorgsam zerlegt und transportiert werden kann, wird ähnlich wie das große Ei wandern. Das Portal soll an die Nordsee reisen, Christian Elster schwebt vor, das Tor in Sankt Peter-Ording zu errichten oder auf Amrum, in jedem Fall an einem Ort, der hinter dem Portal Weite bietet.
Mehr Infos zum Projekt und zur Philosophie von Christian Elster und Gabriela Sommer, die seit 2005 zusammenarbeiten, finden sich hier.

Von Hans-Martin Koch