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Katja Bogdanski sagte für Loriot ein Gedicht auf, das heute Kult ist. Foto: ff

Zicke zacke Hühnerkacke

Lüneburg. Katja war das alles ein wenig unheimlich: Erst tauchte ein Mann vom Fernsehen bei ihr in der Schulklasse auf, der dringend ein etwas pummeliges Mädchen suchte, sich umsah und prompt auf sie deutete. Dann fuhr sie mit ihrer Mutter in ein spießig eingerichtetes Bremer Reihenhaus, wo ein resoluter, aber doch freundlicher Herr das Mädchen in Augenschein nahm und sagte: „Gebongt, die nehmen wir.“ Katja war sieben Jahre alt, und hatte keine Ahnung, dass sie mit dem wohl berühmtesten Kurzgedicht der deutschen Gegenwart ein Stückchen Filmgeschichte schreiben würde. Es geht so: „Zicke zacke Hühnerkacke“.

„Früher warmehr Lametta“

Lange her, aber gut in Erinnerung: Katja Bogdanski präsentiert ein Foto der legendären Loriot-Fernseh-Familie Hoppenstedt. Foto: ff

In dem Sketch, für den Katja nun vor die Kameras trat, hieß sie „Dicki“, und der freundliche Herr war natürlich Vicco von Bülow alias Loriot. Heiligabend bei Familie Hoppenstedt, das ist ein TV-Klassiker, Zitate wie „Früher war mehr Lametta“, „Wir bauen uns ein Atomkraftwerk“ und „Wir heißen alle Hoppenstedt“ gehören – zumindest in einer bestimmten Generation – zum allgemeinen Zitate-Fundus. Evelyn Hamann und Heinz Meier spielten ein biederes Ehepaar, Loriot den Opa, und Dicki – in megapeinlicher Föhnfrisur, mit Fliege und Strickjacke – sollte unter dem Weihnachtsbaum ein Gedicht aufsagen. Es fiel kurz aus.

Eher lang fielen dagegen die Dreharbeiten damals im Oktober 1978 aus – nicht weniger als sechs Wochen insgesamt. Ton, Beleuchtung, Kulisse, Kostüme, Requisiten, Gestik, Dramaturgie – jedes Detail musste genau so sein, wie es sich der Regisseur vorstellte, Loriot machte seinem Ruf als Perfektionist alle Ehre: „Selbst diese drei Gedicht-Worte habe ich unzählige Male wiederholt, bis Loriot endlich zufrieden war“, sagt Katja Bogdanski, und erinnert sich, dass sie in all den anstrengenden Wochen „auch mal geheult“ hatte. Und das lag nicht nur daran, dass auch die Szene, in der ihr Vater Hoppenstedt die Geschenkekartons gegen die Stirn rammte, ebenfalls tausendmal gedreht wurde.

Im richtigen Lebeneine Lehre als Visagistin

Die Beule verheilte, dafür bescherte Katja Bogdanski ihr kurzes TV-Gastspiel später immer wieder aufregende Erinnerungs-Auftritte. „Wie war das damals?“ fragten Johannes B. Kerner und Günter Jauch in ihren Shows, sie stand in Berlin auf dem roten Teppich, schrieb die Laudatio für die posthume Grimme-Preis-Verleihung an den Meister. Am spannendsten aber war eine Wiederbegegnung mit Loriot selbst: Zu seinem 70. Geburtstag wurden – wiederum zu Dreharbeiten – alle „Ehemaligen“ eingeladen, und, auch daran erinnert sie sich gern, Vicco von Bülow plauderte charmant mit seiner TV-Enkelin, die nun selbst einigen Kultstatus hatte.

Im richtigen Leben machte Katja Bogdanski, ihre Mutter bestand auf eine vernünftige Ausbildung, eine Lehre als Visagistin, arbeitete sich zur Vertriebsleiterin einer namhaften Edelfirma hoch. Irgendwann aber wurden ihr die 70-bis-80-Stunden-Wochen zu viel. Heute lebt sie in Lüneburg, ist stolze Mutter, alles dreht sich um ihren dreijährigen Sohn (er wird nicht Dicki genannt) und unterstützt ihren Mann im Agentur-Büro.

Immerhin ist nun geklärt, ob Dicki ein Mädchen oder ein Junge ist. Diese Frage konnte Opa Hoppenstedt seinerzeit beim Weihnachtsgeschenke-Kauf auf die behutsame Frage der Verkäuferin („Hat ihr Enkel denn ein Zipfelchen?“) nicht beantworten. Seine Antwort („Mein Enkelkind hat alles, was es braucht!“) ist heute ebenfalls ein Klassiker.

Von Frank Füllgrabe

One comment

  1. Und 2018 gibt’s in der KulturBäckerei Lüneburg „Weihnachten bei Hoppenstedts“!
    Versprochen!
    Thomas Ney