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Mal sehen, wo es weitergeht: Jetzt ist Synke Köhler erst einmal Literatur-Stipendiatin im Heine-Haus. Foto: ff

Heine-Stipendiatin Synke Köhler: künstlerisch ausgestreckt

Lüneburg. Metzelthin ist ein Dorf in Brandenburg mit viel Landschaft drumherum, eine Straße führt hindurch, und ansonsten gibt es nichts, nicht mal Handy-Empfang. Nur auf einem kleinen, erhöhten Fleckchen Erde kann man mit etwas Glück kurze Telefonate führen. Hier wohnt eine Gemeinschaft junger Leute, und das Handy-Refugium, obwohl es streng genommen nicht zum Grundstück gehört, ist zu einem zentralen Ort der WG geworden. Doch eines Tages sitzt da plötzlich ein Fremder, der nichts sagt und auch nicht geht. Er bedroht niemanden, ist einfach nur da, und genau das macht die Sache hier am Ende der Welt so unheimlich. Was tun?

So beginnt die Kurzgeschichte „Nachbild“, und mit ihr beginnt gewissermaßen auch die Laufbahn von Synke Köhler als Erzählerin. Mit dem Text gewann sie den Newcomer-Preis des Literaturwettbewerbs Wartholz, verbunden mit einem Verlags-Vertrag. Unter dem Titel „Kameraübung“ (Verlag Kremayr & Scheriau, 2016) sind neun Kurzgeschichten erschienen. Jetzt lebt und arbeitet die Berlinerin als Literatur-Stipendiatin im Lüneburger Heinrich-Heine-Haus und schreibt an einem Roman.

Es gibt eine Zeitvor und nach Pawel

Der Typ also, der da im Gras sitzt, sieht ein bisschen verlottert aus, aber das könnte auch Berlin-Style sein. Zunächst wird er noch mit Wein und Schinken versorgt, aber dann rufen die Bewohner die Polizei. Die kommt nach langem Warten endlich, die nächste Wache ist weit. Die Polizisten nehmen die Personalien auf, der Mann heißt laut Personalausweis (den er brav immerhin vorzeigt) Pawel, ansonsten aber können sie – „Sie können hier schlafen, aber morgen müssen Sie weiter, ist das klar?!“ – auch nicht viel ausrichten. Bis Pawel irgendwann tatsächlich geht. Alles ist wieder wie vorher – fast. Denn nun liegt ein seltsamer, diffuser Schatten über dem Paradies in der Provinz Brandenburg. Es gibt eine Zeit vor und nach Pawel.

Synke Köhler beschreibt Situationen, die nur wenig neben der Alltags-Spur liegen, und trotzdem Einschnitte für die Protagonisten bedeuten. Der Erzählstil ist immer etwas anders, das richtet sich nach dem Thema, nach der Intuition der Erzählerin; zu spüren ist hier auch, wie sich die Autorin in dem Genre orientiert.

Der erste Romanführt nach Berlin

Schriftstellerin wollte Synke Köhler, 1970 in Dresden geboren, eigentlich nicht werden, eher schon Malerin, „ich habe mich früh künstlerisch ausgestreckt“, sagt sie. Köhler studierte Psychologie, aber das reizte síe nicht sonderlich, immerhin wurde das Studium abgeschlossen. Drei Jahre lang widmete sie sich der Arbeit einer Graphikerin, ist damit noch heute im Web präsent. Die nächste Station: Studium an der Drehbuchwerkstatt München, so entstanden unter anderem die Vorlagen für zwei Langfilme (ein Thriller und ein Kinderfilm), die allerdings nicht realisiert wurden. Aber nur Dialoge formulieren, das war Synke Köhler ohnehin zu wenig. Und so folgten den Drehbüchern die ersten Gedichte (2011 erschien ihr Lyrikband „waldoffen“), die dann immer länger wurden, sich zu Prosa auswuchsen.

Nun also sitzt die Autorin, die einen Masterstudiengang am Deutschen Literaturinstitut Leipzig absolvierte, mittlerweile mit mehreren Stipendien ausgezeichnet wurde, an ihrem ersten Roman. Er ist zu zwei Dritteln fertig und wird ein Berlin-Thema behandeln, es geht um die Bewohner eines Hauses, das luxussaniert werden soll.
Am Mittwoch, 15. Februar, 19.30 Uhr, stellt sich Synke Köhler mit einer Lesung im Heine-Haus vor; sie teilt sich den Abend mit ihrer Kollegin Franziska Gerstenberg, sie war 2007 in Lüneburg Stipendiatin. Martina Sulner, Literaturredakteurin der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und Mitglied des Literarischen Beirats des Literaturbüros Lüneburg, moderiert.