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Buddy Sebastian Sebastian Gottheit (rechts) und Julian hayes gestern beim Aufbau in der KulturBäckerei. Foto: t&w

Alles muss leuchten in der KulturBäckerei

Lüneburg. Die Technik ist zum Teil älter als sie selbst. Sie nutzen Diaprojektoren, dazu Overheadprojektoren, zaubern mit Licht, und über das Summen und Brummen legen sie einen Teppich aus Klängen. Die können von heute sein, so in Richtung Ambient. „Ein Licht unter vielen“ nennt sich das Duo Buddy Sebastian Gottheit und Julian Hayes. Seit drei Jahren sind sie mit Licht-Installationen unterwegs, und jetzt verwandeln sie vier Tage lang die KulturBäckerei, mit neuen und mit alten Bildern. Und weil alle guten Dinge drei sind, kommt noch Francis Eggert mit Video Mapping hinzu – Bilderwelten, die sie am Computer generiert.

Was da ab heute, Donnerstag, passiert, kündigt das Team so an: „Wir werden der KulturBäckerei aus Licht und Schatten frische Unterwäsche & neue Kleider schneidern. Ihr werdet schnell merken, dass ihr ein Teil der Ausstellung werdet, sobald ihr den Raum betretet.“ Der sonst vor allem für klassische Ausstellungen genutzte Sal ist abgedunkelt, an einer Wand entstehen bereits Weltraum-Bilder. An anderen werden sich Zeichen und Muster bilden, entworfen mit geschliffenen Linsen, Folien und anderen Medien, etwa einer Petrischale. So werden Effekte erzeugt, durch die Bilder nicht statisch wirken.

„Es gibt eine kleine Szene, die Ähnliches macht“, sagt der Bienenbütteler Sebastian Gottheit, also Buddy. Gottheit/Hayes fanden bei einem Magdeburger Festival zusammen. „Wir merkten, wir passen zusammen, könnten eigentlich auch heiraten“, sagt Buddy Gottheit und lacht. Er hat zwei Kinder, das mit dem Heiraten wird nix. Mit ihren Projektoren aber sind sie landauf, landab unterwegs, viel auf Festivals von Fusion bis E.Ventschau. Sie leuchteten die Lüneburger Mondbasis aus, den Hamburger Club Uebel & Gefährlich, sorgen auf Stadtfesten für Licht und Farbe und wo es sich anbietet, wo sie gefragt werden. Im Sommer, obwohl es da ja spät dunkel wird, sind sie weit häufiger im Einsatz.

Da passt es, dass sie in der KulturBäckerei nun Zeit zum Aufbauen haben. Der klare Schnitt des Saals kommt ihnen entgegen, weiße Wände sind zwar nicht ganz so gut wie dunkle. Aber das Team wirkt entspannt. „Angenehme Arbeit“, sagt Julian Hayes.

Projekte werdenauf den Raum zugeschnitten

Zum Einsatz kommen rund 15 bis 20 für ihre Zwecke umgerüstete Projektoren. „Wir werden verbauen, was da ist“, sagt Julian Hayes. Bevorzugen sie eine Marke? „Kodak“, kommt es sofort von beiden, Projektoren aus den 60er- bis 80er-Jahren. Sie werden nicht mehr gebaut, „funktionieren aber einfach gut“. Die ersten Dia-Projektoren besorgte sich Buddy Gottheit im Möbel-Trödel für fünf Euro, Reste von Haushaltsauflösungen. Mittlerweile werden sie etwa bei ebay fündig, auch bei Sammlern. Das gibt‘s, Menschen, die Dia-Projektoren sammeln.

Es gibt natürlich technisch neuere Methoden, um mit Licht künstlerisch zu arbeiten. Aber das Team folgt einem Buddy-Grundsatz: „Analog ist von der Qualität her betrachtet wie Schallplatten zu mp3.“ Manchmal eben war früher auch was besser, das Licht für ihre Illuminationen ist vergleichsweise warm.

Francis Eggert wird für ihre Video-Collagen mit den deutlich bewegteren Bildern einen eigenen, räumlich abgegrenzten Teil nutzen. So war es jedenfalls beim Aufbaustart zu sehen. Aber „Ein Licht unter vielen“ entwickelt seine Projekte vor Ort, da kann sich vieles wandeln. Lichtkunst ist etwas Temporäres, man kann Videos darüber drehen, Fotos machen, aber Raum, Bilder und Sound erleben, das geht nur vor Ort.

Am Freitag und Sonnabend wird die KulturBäckerei von 13 bis 21 Uhr ausgeleuchtet, Sonntag von 13 bis 20 Uhr.

Von Hans-Martin Koch