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Jin Jim spielt am kommenden Freitag Jazzrock im T.3 des Theaters Lüneburg. Foto: kim

Die Jazz-Szene ist gut vernetzt

Von Hans-Martin Koch
Lüneburg. Das Foto machen wir draußen. Es regnet. „Schreiben Sie jetzt bloß nicht: Der Jazz steht im Regen“, sagt Wilfried Bokelmann, Vorsitzender der Lüneburger JazzIG. Das stimme nämlich nicht. „Die Jazzszene lebt“, so der Vibraphonist und oberste Lüneburger Jazzvertreter. Seit 31 Jahren gibt es die Jazz-IG, sie ging auch schon mal durch ein Tal, aber es gebe jetzt neue Mitstreiter, sagen Bokelmann und seine Vertreterin Carmen Sillmann, die jazzalltags mit dem Saxofon bei Frollein Sax aktiv ist. Das erste Konzert des Jahres, das die JazzIG in die Stadt holt, steht bevor: „Jin Jim“ spielt am Freitag, 24. Februar, um 20 Uhr im T.3.

Die lokale Rockszene bekommt anders als die Jazzkollegen langsam, aber wohl sicher, ein Problem. Es könnte bald, falls nach dem Zwick auch das Klatsch in ein, zwei Jahren von der Bühne abtreten sollte, an Möglichkeiten für Live-Auftritte fehlen. Die Jazzer haben das Problem nicht. Sie sind variabler. Die in der Regel geringere Lautstärke gibt bei der Ortssuche mehr Möglichkeiten, der stärkere reine Konzert-/Zuhörcharakter, der technische geringere Aufwand und das — oft — alles in allem quantitativ kleinere Publikum.
Die lokale Jazz- ist anders als die Rockszene organisiert und vernetzt. Es gibt zwar auf dem Papier noch die AGLM (Arbeitsgemeinschaft Lüneburger Musiker), die sich mal als Vertretung der Rockszene gründete. Aber längst rockt jeder für sich allein, abgesehen von „Lets Rock“, dem Proberaumzentraum, das Modellcharakter besitzt.

Die JazzIG hält dagegen die — kleinere — Jazzszene der Region zusammen. Sie pflegt Partnerschaften, etwa mit der Musikschule, mit dem Theater, dem Museum, dem Wasserturm, mit der Leuphana, dem Kulturforum, der PianoKirche, den „Lebensklängen“ in St. Nicolai und anderen. Sie startet Projekte, bekommt Förderung vom Landschaftsverband, von der Sparkassenstiftung, von der Stadt etc.

Allerdings langen die Fördermittel nicht, um den Jazzworkshop für Schüler im Herbst wie bisher mit vielen Dozenten fortzusetzen. „Wir müssen das umbauen“, sagt Carmen Sillmann. Angedacht ist, eine gute Band einzuladen, die abends ein Konzert gibt, vorher einen Workshop anbietet. „Wir wollen den Workshop auch für Erwachsene öffnen, aber die Jugendförderung bleibt natürlich wichtig“, so Bokelmann.

Seit einigen Jahren zieht die JazzIG mit ihren Konzerten durch die Stadt. Das ist eine Idee, die gut ankommt. Los geht das nicht mehr junge Jahr aus Jazz-IG-Sicht so richtig am Freitag, 24. Februar: Da spielt um 20 Uhr im T.3 des Theaters Jin Jim , eine Modern-Jazz-Rock-Formation, die unter anderem zur JazzBaltica eingeladen ist. Einer der vier Musiker stammt aus Lüneburg, spielte auch beim Christmas Jazz im Café Klatsch: Johann May, Gitarre.

Als nächstes JazzIG-Konzert wird am 24. März um 20 Uhr in der Musikschule Rasgueo auftreten. Das international besetzte Quartett aus Berlin wird von Flamencogitarre (Nikos Tsiachris) und Trompete (Martin Auer) beherrscht. Alle Termine, auch die anderer Veranstalter, listet ein Flyer für das erste Halbjahr auf. Da findet sich auch der Hinweis, dass die JazzIG beim Stadtfest vom 16. bis 18. Juni wieder klangliche Alternativen im Rathausgarten bietet. Aufgelistet sind schließlich die Session-Termine. Sessions gehören unbedingt zum Jazz, sie finden monatlich im Weinhaus Wabnitz statt, die nächste am 21. März.

Mehr Jazz

Zu den weiteren Jazzanbietern in der Region zählt — unter anderem — der Salon Hansen, der jungen Bands ein Forum gibt, wieder am 9. März mit dem Berner Frauen-Trio Of Dwarfes And Other Creatures. Das Mälzer ist immer am ersten Freitag im Monat Treffpunkt der Oldtime/New Orleans-Szene. Das Kulturforum setzt mit der 26. Jazznight — zumindest noch in diesem Jahr — Zeichen, am 10. Juni. Jazz spielt auch sonst dort eine Rolle, als nächstes wird das Tingvall Trio am 18. März auftreten. Ab und an findet der Jazz auch im Kunstraum Tosterglope Gehör, wieder am 8. April mit dem Melt Trio.  lz