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Nach wie vor unermüdlich unterwegs ist der Trompeter Ludwig Güttler, jetzt spielte er wieder einmal in Lüneburg. Foto: t&w

Ludwig Güttler begeistert in Lüneburg

Von Heinz-Jürgen Rickert
Lüneburg. Anders hören und interpretieren wollte er die Musik des Barock, das war vor rund 50 Jahren ein mutiger Aufbruch. Ohne romanti sche Glasur, kerniger, authentischer sollte es sein. Dieser Anspruch prägte seine Karriere. Sie bescherte ihm Meriten, Trophäen, Tonträger-Aufnahmen, hinzu kamen Lehrtätigkeiten, Festival-Gründungen wie die Musikwoche in Hitzacker und die Rekrutierung eigener Ensembles. Inzwischen hat die Auseinandersetzung mit historischer Aufführungspraxis neue Impulsgeber, doch Ludwig Güttler ist auch im gereiften Alter weiterhin unterwegs, begeistert sein Publikum mit strahlender Blechbläserpracht, nun in der voll besetzten Michaeliskirche.

Schätze aus dem 17. und 18. Jahrhundert

In der Kirche gastierte der sächsische Künstler mit seinem Leipziger Bach-Collegium. Immer verstand sich Güttler auch als wissensdurstiger Forscher, umtriebiger Inspirator. Er rief unter anderem die Virtuosi Saxoniae ins Leben, entdeckte zahllose Schätze des 17. und 18. Jahrhunderts abseits des Repertoires, brachte sie auf die Podien der Welt, darunter Musik von Gottfried Finger oder Alessandro Poglietti. Von beiden gab es im Konzert etwas zu bestaunen. Virtuose Funkenschläge bescheren vor allem die schnellen Sätze aus Fingers (um 1660-1730) Sonate Nr. 1: ein beherztes Warm-Up für den Ausnahme-Trompeter. Er brachte diesen unverwechselbaren Glanz in perfekter Intonation mühelos zur Geltung.

Poglietti starb 1683 und gönnt der führenden Trompete in seiner Sonate C-Dur breiten Entfaltungsspielraum, fordert ebenso die übrigen Instrumentalisten mit beachtlichen Kontrasten heraus. Brillieren durfte Ludwig Güttler am Schluss noch einmal mit dem Concerto Es-Dur von Johann Joachim Quantz. Das Corno da caccia sorgte für Leidenschaft, beschwor im Largo subtile Töne. Der Solist bestach durch famose Technik und Vitalität, von seinen sechs Kollegen in Bestform begleitet.

Auch ohne Güttler versteht sich das seit 1976 aktive Bach-Collegium auf klangliche Delikatesse. Telemanns Quartett e-Moll, Johann Christian Bachs Quintett A-Dur, Johann Sebastian Bachs Triosonate G-Dur und — besonders herausragend — das Concerto g-Moll von Antonio Vivaldi unterstrichen die Qualität der Kammerbesetzung in Bezug auf handwerkliche Finesse und künstlerische Gestaltung. Flöte, Oboe, Streicher und Basso continuo schritten den barocken Parcours in wechselnden Stimmungslagen kongenial und in feinster Harmonie ab: ein Ohrenschmaus, den die Zuhörer genossen; zwei Nachschläge mit Ludwig Güttler samt Trompete erklatschten sie.

Hitzacker — Vorgänger und Nachfolger

Es ist ein feiner Zug, wenn der Intendant eines Festivals seinen Vorgänger einlädt. So geschieht es bei der Musikwoche Hitzacker am Freitag, 3. März. Um 20 Uhr wird das Blechbläserensemble Ludwig Güttler um 20 Uhr in Hitzackers — ausverkaufter — St. Johanniskirche spielen. Es ist das schon zu Güttlers Zeiten eingeführte Konzert vor dem eigentlichen Beginn.
Das Eröffnungskonzert übernimmt dann am Sonnabend, 4. März, um 20 Uhr Güttlers Nachfolger, der Oboist Albrecht Mayer. Er leitet um 20 Uhr im Verdo das Staatsorchester Braunschweig, das unter dem Motto „Schottische Fantasien“ Musik von Vaughn Williams, Schumann und Mendelssohn Bartholdy bietet. Solistin ist die chinesische, seit 2013 in Kassel lebende Geigerin Tianwa Yang, die unter anderem zweimal den ECHO-Preis gewann. oc