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Nichts ist normal in diesem Haus. Rein kommen viele, raus dagegen allerdings nur wenige. Foto: t&w

Theater Rampenlicht: Jana und André leben im Haus Absurdistan

Lüneburg. Fensterputzer, Fernsehmechaniker, Gasableser und weitere Handwerker und Dienstleister, gelegentlich auch Pastorinnen, kehren regelmäßig ein in das Haus von Jana und André. Nur hinaus kommen sie meistens nicht mehr. Das liegt an einer gewissen „Unfallträchtigkeit“, nicht weiter schlimm, Missgeschicke kommen eben jeden Tag vor. Einzig Karl, Schwiegersohn in spe, stört sich an diesen Ungereimtheiten und will die Unfallursachen näher untersuchen.

Die Komödie „Kille Kille“ feierte beim ausverkauften Theater Rampenlicht in der Kulturbäckerei Premiere. Sie löste beim begeisterten Publikum mit seinen irrwitzigen Wendungen, seinen skurrilen Charakteren und ab­stru­sen Dialogen regelrechte Lachkrämpfe aus.

Das liegt – neben dem witzigen Stück von Derek Benfield – vor allem daran, dass jeder der Protagonisten seinen Charakter mit einem besonderen Spleen ausstattete. Sei es die überaus exaltierte Pastorin (Caren Hodel), die einfach alles lustig findet, vor allem aber sich selbst. Oder Babette (Nicole Nippert), die Schwester des Hausherrn, die trotz oder gerade wegen ihres übermäßigen Durstes die eine oder andere „Entsorgung“ sehr effektiv organisiert. Oder Karls Eltern Elisabeth (Cornelia Möller) und Philip (Matthias Stelling), die nicht gerade die hellsten Kerzen der Familie sind.

Im Haus von Jana (Judith Petersen) und ihrem Gatten André (Gunnar Jargstorff) reihen sich Absurditäten nahtlos aneinander. So wird ein sehr kleiner Gärtner mit immens großem Hut in der Schubkarre durch den Garten spazieren gefahren, während im Gartenhäuschen der Fernsehmechaniker (Benedict Beer) ruht. Kalli (herrlich ungelenk und übereifrig-verkrampft) schwankt zwischen Loyalität und Liebe zu seiner glutäugigen Verlobten Linda (Canan Duran: umwerfend kaltschnäuzig und ebenso leidenschaftlich) und Gesetzestreue. Aber auch sein ausdrucksstarker Himmelstanz kann die Pastorin letztlich nicht retten.

Und Jana, die stets freundliche und souveräne Dame des schmucken Hauses, verbirgt eine ungeahnte Gleichgültigkeit hinter ihrem gepflegten Äußeren. Noch skrupelloser ist da nur ihr Mann André, auch er mit gesundem Durst und einem derben Sinn fürs Praktische ausgestattet. Judith Petersen und Gunnar Jargstorff ergänzen sich perfekt als pragmatisches Paar mit Hang zu schnellen Lösungen.

Regie führt Michael Bischof, der zu Beginn erzählte, das Stück sei vor 38 Jahren erstmals in England uraufgeführt worden. Das Ensemble hat es dem heutigen Deutschland angepasst – der tiefschwarze britische Humor ist geblieben. Ein herrlich grotesker Spaß im Hause Absurdistan von Jana und André.

Von Silke Elsermann