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„Schlafes Bruder“, heute im Theater: Auch bei dieser Aufführung ist die Volksbühne als Besucher-Organisation präsent. Foto: t&w

Bundestreffen der Volksbühnen findet in Lüneburg statt

Lüneburg. Kunst und Kultur gehören nicht nur einer elitären Minderheit, sondern sollten möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden – auch und gerade jenen, die sich auf eigene Faust niemals in ein Schauspielhaus oder eine Oper trauen würden und sowieso jeden Pfennig dreimal umdrehen müssen. Das war die Idee, als im Jahre 1890 in Berlin die erste Theater-Besucher-Organisation gegründet wurde, die „Volksbühne“ war geboren.

Dass heute die Theater, und da ist Lüneburg ein Musterbeispiel, quer durch die Bevölkerung geschätzt werden, ist sicher zu einem großen Teil das Verdienst der Volksbühnen. Aber natürlich müssen auch diese Organisationen mit der Zeit gehen. Das war das Thema des Lüneburger Volksbühnentages 2017.

Theaterlandschaft ist vielfältiger geworden

Landesweit haben sich rund 60 Besucherorganisationen zum „Bund deutscher Volksbühnen“ zusammengeschlossen. Alle zwei Jahre versammeln sich die Vorsitzenden und Geschäftsführer zu einem Arbeitstreffen. An diesem Wochenende waren also die Lüneburger die Gastgeber, sie feierten nebenbei ihr 65-jähriges Bestehen. Die Lüneburger Volksbühne war (fast) von Anfang an mit dabei, als nach dem Krieg der Bühnenbetrieb wieder aufgenommen wurde.

Zwar hob sich bereits am 29. September 1946 der Vorhang für Stefan Zweigs „Der verwandelte Komödiant“, aber der einsetzende Winter beendete die Saison. Es gab in der frierenden Stadt, die durch den Zustrom der Flüchtlinge in kurzer Zeit von 39 000 auf 65 000 Einwohner gewachsen war, einfach dringendere Aufgaben, als ein Theater zu heizen. Jahre später glückte der zweite Startversuch, 1952 wurde entsprechend die Volksbühne ins Vereinsregister eingetragen.

Daran erinnerte Helmut Ebert, Vorsitzender der Volksbühne Lüneburg, auf dem Arbeitstreffen. Jene zu befördern, die abends nicht mit dem eigenen Auto zum Theater fahren können oder wollen, das sei weiterhin eine Kernaufgabe, ebenso das Angebot vergünstigter Tickets. Längst zu einer festen Institution geworden ist der Montagstreff im Hotel Scheffler: Einmal im Monat werden Regisseure, Dramaturgen und Schauspieler eingeladen, die über ihre Arbeit sprechen, aktuelle Produktionen vorstellen.

Es wurde im Rathaus auch über Geld gesprochen

Aber die Theaterlandschaft hat sich gewandelt: „Über Jahrzehnte hatte das Lüneburger Theater ein Alleinstellungsmerkmal“, so Helmut Ebert, aber „die Angebotspalette hat eine erhebliche Erweiterung erfahren.“ Kulturscheune, KulturBäckerei, private Bühnen wie etwa das e.novum-Theater – „es wird von einer Spielstätte zur anderen gependelt“, diese Entwicklung gelte es zu berücksichtigen. Die Volksbühne Lüneburg hat aktuell gut 800 Mitglieder. Die Entwicklung, so Geschäftsführer Harald Lutterloh, sei altersbedingt leicht rückläufig, erfreulich sei aber die Entwicklung bei der Altersgruppe rund um die Sechzig – die Kinder sind aus dem Haus, die Eltern haben wieder mehr Zeit für eigene Interessen.

Die Arbeit der Volksbühnen müsse über die Organisation von Bussen hinausgehen, das betonte auch Bernd Rickert, Vorsitzender der Hamburger Volksbühne mit rund 22 000 Mitgliedern: Vor dem Hintergrund einer sich rasant verändernden Medienlandschaft sei Flexibilität gefordert – in Richtung Kulturreisen, Museums- und Ausstellungsbesuche.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge empfing im Rathaus die bundesweit angereisten Gäste und sprach auch über Geld: Gegenüber den Staatstheatern in Braunschweig, Hannover und Oldenburg seien die kommunalen Theater benachteiligt – Staatssekretärin Andrea Hoops vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, würdigte Mädge als zähen Verhandlungspartner. Die Finanzierungsprobleme des Theaters müssen aber ein andermal gelöst werden. Natürlich beteiligten sich auch Intendant Hajo Fouquet und Chefdramaturg Friedrich von Mansberg an dem Treffen, Aufführungen rundeten das Volksbühnen-Bundestreffen ab.

Von Frank Füllgrabe