Dienstag , 25. September 2018
Aktuell
Home | Kultur Lokal | „Aprikosenzeit“ im T.3 des Lüneburger Theaters
Eine Szene aus "Aprikosenzeit": Conte Luigi (Wolfgang Erkwoh) ist wieder müde, Gärtner Lavalle (Paul Brusa) dagegen hellwach. Foto: t&w
Eine Szene aus "Aprikosenzeit": Conte Luigi (Wolfgang Erkwoh) ist wieder müde, Gärtner Lavalle (Paul Brusa) dagegen hellwach. Foto: t&w

„Aprikosenzeit“ im T.3 des Lüneburger Theaters

Von Hans-Martin Koch
Lüneburg. Der Gärtner Lavalle hat Aprikosen, der Conte Luigi ein Problem. Lavalle hat natürlich auch Probleme, nämlich zwei, ein grundsätzl iches und ein ganz konkretes. Er pflegt seine Aprikosen seit 30 Jahren und das so gut, dass er jetzt zu viele hat. Er schafft es einfach nicht, alle zu ernten. Ganz konkret platzt nun noch ein Gewitter los, und Lavalle rennt in die nächste Hütte. Dort stößt er auf Conte Luigi, der Kleidung trägt wie aus Mozarts Zeiten und im Stehen schnarcht. Der ach so müde Conte muss ein Rätsel lösen und grübelt wer weiß wie lange schon daran herum. So fängt es an mit der „Aprikosenzeit“ im T.3 des Theaters.

Geschrieben wurde das humor- und inhaltsvolle Stück vom Autorenquartett Wetter/Steinmann/Lichtenberger/Bohn. Sabine Bahnsen hat es mit Wolfgang Erkwoh und Paul Brusa einstudiert. Barbara Bloch schuf dazu einen Raum, der eine grob zusammengezimmerte Hütte darstellt und zugleich Zutaten eines verstaubenden Palastes enthält, mit großem Gemälde, abgewetztem Sessel etc. – und dann ist da noch ein kleiner Fels. Er ist wichtig für den Conte Luigi.

Der nämlich ist eigentlich ein Zwerg und wollte die schöne Tochter des Königs heiraten. Wie es so in einem Märchen aber sein muss, klappt es mit der Contessa Vanessa nicht auf Anfrage. Der Zwergenkönig schickt den Kandidaten hinaus in die Menschenwelt. Er soll ein Rätsel lösen und sich damit als tauglicher Schwiegersohn beweisen. Einen besonderen Stein muss der Conte finden. Drei Versuche hat er. Scheitert er, ist er tot. Nun tapert der Conte also seit rund 237 Jahren als Mensch über die Erde und kommt nicht weiter mit seinem Rätsel.

„Aprikosenzeit“ richtet sich an Menschen ab sechs Jahren. Die jungen Premierenbesucher verfolgten das mit viel Witz aufbereitete Stück gebannt. Sabine Bahnsen hat das Tempo, die Witze, die Action und den Prozess der Annäherung sinnig und nachvollziehbar eingerichtet, ohne plakativ zu werden.

Zwei Einzelgänger werden Freunde

Knappe 50 Minuten dauert es, bis alle Probleme und vor allem besagtes Rätsel gelöst sind. Der Conte schrumpft auf Zwergenmaß, findet beim Fels den Weg heim und eilt zur Contessa, das Gewitter verzieht sich, und Lavalle hat plötzlich allnächtlich Erntehelfer. Auf dem Weg ans Ziel lernten der verschrobene Gärtner und der aus der Zeit gefallene Conte, dass der so ganz andere Mensch völlig in Ordnung ist. Und dass sich Probleme am besten gemeinsam lösen lassen.

Wolfgang Erkwoh spielt den Conte Luigi di nano Maggiore di Monte Pulciano di Pinti di Punti di Pontio Pelati. So heißt er nun mal. Solche Namenslangläufer tauchen seit Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah immer wieder auf. Spaß an der Figur hat Erkwoh, er gibt dem Sprachenmixer und Reimeschleimer, dem mäßig begabten Zauberer und Weltentrückten den passenden Ausdruck, auch dem Müden, dem Mauligen, dem Verzweifelten und Hoffenden.

Ebenso kann sich Paul Brusa als Gärtner Lavalle – und als einvernehmender Erzähler – beweisen, mal aufbrausend, mal neugierig, mal bekümmert, mal verständnisvoll, immer erdverbunden. Am Ende, wenn sie sich trennen, sind die beiden Sonderlinge und Einzelgänger ziemlich beste Kumpel geworden. Aber was dem einen die Contessa, das sind dem anderen die Aprikosen, die sich – man ahnt es schon – als des Rätsels Kern entpuppt haben.

Die „Aprikosenzeit“ bricht wieder am Montag, 27. März, um 10 Uhr an. Neben weiteren Vormittagsaufführungen gibt es drei um 15 Uhr, am 8. April, 21. Mai und 10. Juni.