Dienstag , 25. September 2018
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Zum nächsten Konzert in der Musikschule kommt wieder das ensemble reflektor, am 7. April um 19.30 Uhr. Die jungen Musiker spielen ein Programm unter dem Titel „Gewaltakt“ mit Musik von Beethoven, Rameau und Tüür. Foto: nh

Jahresberichte beim Kulturausschuss

Von Hans-Martin Koch
Lüneburg. Beschlüsse zu fassen hatte der Kulturausschuss des Rates an diesem Tag nicht. Aber da sich nach der Wahl viele neue Kommunalpolit iker für Kultur interessieren, schien es sinnig, Einrichtungen der Stadt zu Jahresberichten zu bitten. Überraschendes gab es im Glockenhaus nicht zu hören, bis auf eine Debatte, bei der ein Professor sich anhören musste, dass Bildung und eben auch kulturelle Bildung Geld kostet und dass dieses Investitionen für die Zukunft sind. Der Reihe nach:

▶ Kunstschule Ikarus: An Stelle der erkrankten Margarethe Stumpenhusen, die Ikarus seit 2004 leitet, stellte die in Heiligenthal lebende Künstlerin und Ikarus-Dozentin Doris Freitag vor, was in den vier Räumen der KulturBäckerei geschieht. Deutlich wurde: Das Angebot von Malerei bis zu digitaler Kunst wird verstärkt angenommen, je zu 50 Prozent von Teilnehmern aus Stadt und Kreis.

Im Unterschied zu privaten Kunstschulen, so machte Doris Freitag auf Anfrage von Sonja Jamme (CDU) deutlich, werde die Arbeit von Ikarus auf ihre Qualität hin überprüft. Das passiere im Rahmen der Mitgliedschaft im Landesverband der Kunstschulen Niedersachsen. Ein Problem: Die Geschäftsführung arbeitet ehrenamtlich – mindestens 16 Stunden die Woche. „Da werden wir ansetzen müssen“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Mädge, „im fünfstelligen Bereich.“ Ziel: „Wir wollen jedem Kind ermöglichen, sich künstlerisch zu betätigen.“

Aktuell hat Ikarus noch Plätze für Kurse frei, auch in den Osterferien: Da geht es um Filzen mit Anja Heiderich, Schrift-Kunstwerke mit Christian Karberg, Trickfilmfiguren mit Igor Frank und mehr, Infos: www.kunstschule-ikarus.de

▶ Ein Erfolgsmodell ist die seit 2011 bestehende Sparkassenstiftung mit ihren fünf Förderfonds und zurzeit neun Treuhandstiftungen. Die Kulturstiftung, die vor allem die freie Szene unterstützt, nimmt dabei einen besonderen Platz ein, sie verfügte 2016 über 2,76 Millionen Euro. Carsten Junge, Geschäftsführer der Stiftung, gab einen Überblick über die Bandbreite der Förderung. 2016 wurden 132 Anträge im Bereich der Kultur positiv beschieden.

KulturBäckerei zählte 50.000 Besucher

Die Stiftung agiert auch initiativ. Das manifestiert sich besonders mit Errichtung und Bewirtschaftung der KulturBäckerei als Haus für die Kunst und die freien Theater. 2016 kamen rund 50 000 Besucher. Das dürfte in diesem Jahr getoppt werden, denn allein die Bravo-Starschnitt-Ausstellung zog rund 10 000 Besucher an. Wegweisend sei die Stiftung, befand die Ausschussvorsitzende Birte Schellmann (FDP). Für die freie Kulturszene sei die Stiftung so etwas wie der Schlüssel, meinte Friedrich von Mansberg (SPD). Er machte zugleich den kulturellen Reichtum deutlich, der Lüneburg präge. Das gebe es in kaum einer anderen Stadt vergleichbarer Größe.

▶ Die Musikschule feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtag, seit 25 Jahren steht Ulrich Petersen an der Spitze, seit fünf Jahren in neuem Gebäude. „Das Haus ist komplett ausgelastet“, machte Petersen deutlich.

Prof. Dr. Gunter Runkel (AFD) bemängelte, dass die Musikschule mit öffentlichen Mitteln unterstützt werde: „Die Musikschule ist ein Sorgenkind.“ Sie mache Schulden, Klavier und Geige seien Oberschichtsaktivitäten. Musik sei sicher wichtig, er selbst habe vier Instrumente erlernt, ohne staatliche Förderung. Oberbürgermeister Mädge hielt dagegen: „Die Musikschule ist ein Bildungsbetrieb. Ich kenne keinen, der kostendeckend arbeitet. Wir müssen gleiche Chancen, gleiche Bildung für alle ermöglichen.“ Die Position wurde von allen Fraktionen außer der AFD getragen, und Rainer Mencke (CDU) belehrte den langjährigen Hochschullehrer: „Ihr Lehrstuhl konnte sich doch auch nicht allein finanzieren.“

Nutzungszahlen gegen den Trend

▶ Die Ratsbücherei , seit 1555 als Bibliothek in Betrieb, behauptet sich bei den Nutzungszahlen gegen den Trend. „In anderen Städten sehen wir zum Teil einen drastischen Rückgang“, sagte Leiter Dr. Thomas Lux. Die Ratsbücherei-Statistik zeigt eine ansteigende Kurve, besonders im Kinder- und Jugendbereich, in der die Mitarbeiterinnen an manchen Sonnabenden bis zu 700, 800 Ausleihen abarbeiten.

▶ Weit zurückblicken kann auch das Stadtarchiv mit Beständen, die bis zum Jahr 1229 reichen. Auf 5000 Regalmetern werden Urkunden, Fotos, Filme etc. für die Zukunft gesichert. Darüber, was erhalten bleibt, entscheiden Leiter Dr. Thomas Lux und Mitarbeiter. Eine der Herausforderungen stellt die Digitalisierung der Bestände mit neuen Speicherformaten dar. Da immer größere Anteile des Bestandes über das Internet direkt erforscht werden können, sinkt die Zahl der persönlichen Nutzungen vor Ort. Die Zahl schriftlicher Anfragen steige dagegen kontinuierlich, 2016 waren es 1783 gegenüber 1628 im Vorjahr.