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Seit ihrer Jugend sind Simon Schneider und Marco Decker von der Hip-Hop-Kultur fasziniert. Als Duo NAiZ haben sie ein Mini-Album produziert. Foto: ada

Rap-Duo „NAiZ“: Mit Hip-Hop durchs Leben

Lüneburg. Wir treffen uns vor einem grau lackierten Garagentor. Irgendwo in Lüneburg, zwischen Supermärkten und Mietshäusern. Simon Schneider und Marco Decker warten schon. Man erkennt sie schnell an dem tief ins Gesicht gezogenen Baseball-Cap mit den Lettern „Beginner“. An den weiten Pullovern, der Jogginghose. Hier, hinter der grauen Garagentür haben die Freunde sich ein zweites Zuhause geschaffen, fernab von Beruf und Alltag. Denn während man oben orthopädisches Zubehör verkauft, leben Simon Schneider und Marco Decker unten ihre Faszination: den Hip-Hop.

Angefangen hat die Geschichte der Freunde rund 20 Jahre früher in der Grundschule. Es muss die dritte oder vierte Klasse gewesen sein, als sie Freunde wurden. Ganz genau weiß das keiner mehr. Sie besuchten dieselbe Schule, spielten gemeinsam Fußball. Und ein paar Jahre später verband sie die Begeisterung für Rap, Graffiti und Breakdance.

„Jeder ist im Hip-Hop willkommen“

„Es ist eine ganze Kultur, die einen da erreicht. Da gehörte ja auch das Tanzen dazu und das Malen. All das hat uns ganz schnell abgeholt“, erinnert sich Marco Decker an die späten 90er Jahre. Breite Hosen, die ersten Turntables und musikalischen Wortgefechte, ein bisschen Anderssein – das machte den Hip-Hop für die heute 31-Jährigen aus. „Hip-Hop war ja eine Jugendkultur, etwas Neues, Rebellisches. Das hat man deutlich nach außen getragen. Aber den Hip-Hop hat schon damals eine große Toleranz ausgemacht. Mir hat schon immer gefallen, dass jeder willkommen war“, erklärt Marco Decker.

Bands wie Freundeskreis, Beginner oder Mongo clikke stürmten die Charts und prägten die Jugend von Simon Schneider und Marco Decker. Die Freunde sitzen auf ihrer Lieblingscouch, mitten in ihren Proberäumen. Mit ein paar Freunden teilen sie sich die Räume, zum Musikhören, -machen oder Relaxen. An der Wand hängen Poster von längst vergangenen Hip-Hop-Events, in großen Lettern stehen die Namen ihrer Idole darauf. Zu jedem Poster, jedem Bild, jedem Song könnten Simon Schneider und Marco Decker Geschichten erzählen. Wie sie damals in Deutschlands Großstädten Ausschau nach den Graffiti-Zeichnungen ihrer Lieblingsbands hielten, wie sie selbst gerappt, gebeatboxt und gefreestylt haben. „Das war eine schöne Zeit“, sagt Simon Schneider. Und während sie in Erinnerungen schwelgen, huscht wieder und wieder ein Lächeln über ihre Gesichter.

Bis heute gehört der Hip-Hop zu ihrem Leben. Vergangenes Jahr haben die Freunde als Band namens NAiZ ein eigenes Mini-Album namens „NAiZ n‘Funky“ veröffentlicht. Darauf folgten sie vor allem Oldschool- und Funky-Rap-Musik, die an die Anfänge der deutschen Hip-Hop-Kultur erinnert. „Wir wollten zurück zu unseren Wurzeln. Das hat schon einen Bezug zu unseren Idolen von früher“, sagt Marco Decker. Und so ist auf der CD auch „Mr. Schnabel“, ein Rapper der 90er Jahre zu hören. „Für ihn ist das nichts Außergewöhnliches, aber für uns ist es schon cool, jemanden, den man früher angehimmelt hat, auf der eigenen CD zu hören“, sagt Marco Decker ein bisschen stolz. Anderthalb Jahre arbeiteten „NAiZ“ an dem Projekt, hörten sich immer wieder alte Hip-Hop-Tracks, aber auch Jazz- und Soulplatten aus den 50er und 60er Jahren an.

Fern von Gangster-Rap und Hasstiraden

Der Name des Duos ist angelehnt an das Wort „nice“, das in der Jugendsprache häufig anstatt cool verwendet wird. Die Schreibweise hat ihren Ursprung darin, dass sich das Z gut als Graffitizeichen „taggen“ lässt.

Beats und Rhythmen, die gefielen, belebten sie neu, schrieben eigene Texte dazu, nahmen die Songs auf. „Oft gibt mir der Beat ein bestimmtes Gefühl. Oder man geht durch den Alltag und findet etwas so lustig, dass man eine ganze Idee dazu entwickelt“, erklärt Simon Schneider. Es sei Musik für jedermann, fernab von Ganster-Rap, Hasstiraden und Beleidigungen. „Ich achte inzwischen schon darauf, was ich sage. Auch meinen Töchtern zuliebe“, sagt Simon Schneider, dessen Vierjährige längst mitrappt, wenn der Papa wieder eine neue Textzeile probt.

Die Weltkarriere, das wissen Schneider und Decker längst, wartet nicht mehr auf sie. Stattdessen wollen sie einfach Spaß haben, gemeinsam Musik aufnehmen, auf ein paar Bühnen spielen, immer noch besser werden. Denn ihr Herz schlägt weiter laut und deutlich im Hip-Hop-Beat: „Wir sind mit der Musik gewachsen. Wäre irgendwann das Gefühl gekommen, man ist jetzt zu alt dafür, hätten wir aufgehört“, sind sich die Freunde einig. Und so lange sich dieses Gefühl nicht einstellt, werden sie auch künftig gemeinsam Musik machen, hören oder einfach relaxen. Hier, hinter dem grau lackierten Garagentor, irgendwo in Lüneburg.

Von Anke Dankers