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Marita Richter stellt in der Kreuzkirche aus.

„Digitale Malerei“ in der Kreuzkirche

Lüneburg. Am Anfang war ein alter Apple. Nicht gerade ein Hochleistungsrechner, aber Marita Richter kam der Computer mit seinen Büroprogrammen gerade recht. De nn was sie anstrebte, waren Grafiken, mit einer ganz eigenen Ausprägung: pixelig und plakativ zugleich, codierte Kommentare zum Zeitgeschehen. Die Bilder wirken, als seien sie aus der Zeit gefallen. Beispiele zeigt die in Gartow lebende Künstlerin bis 28. Mai unter dem Titel . Vernissage: Sonntag, 16. April.

Eigentlich ist Marita Richter, 1941 in Berlin geboren, Musikerin und Lehrerin, sie komponierte ein Musical und schrieb ein musikwissenschaftliches Buch. Gewissermaßen als Ausgleichsübung beschäftigte sich die Klavierpädagogin mit der Malerei, speziell mit der Avantgarde. Seit zwölf Jahren ist also nun der Rechner ihr Instrument.

Mal Richtung Grafik, mal Richtung Aquarell

Als Basismaterial dienen meistens Fotografien: Bilder vom Staudamm des Yangtse-Kiang in China, von einem Fußballstadion im südafrikanischen Durban oder von einer jungsteinzeitlichen Grabanlage bei Fallingbostel. Sie werden zu Serien ausgebaut, in denen die Motive verfremdet werden, sich die Zusammenhänge auflösen, aber immer noch Mitteilung transportieren. Bei dem Staudamm beispielsweise geht es um die Erschaffung eines 500 Kilometer langen Sees, was erhebliche Folgen für die Natur und natürlich für die Bevölkerung hat. Solche Nachrichten stecken aber eher im Verborgenen, in Details, daher hat die Künstlerin einen kleinen Katalog als Wegweiser für die Besucher vorbereitet. Anderswo hat Marita Richter einen Tulpenstrauß als Ausgangsmotiv genommen, spielt mit den Ausdrucksmöglichkeiten, das führt mal Richtung Grafik, mal Richtung Aquarell.

Linien und Flächen bestehen oft aus quadratischen Punkten

Die 38 Exponate fallen zunächst durch ausgeprägte Farbigkeit auf – es knallt so richtig schön, wie bei der Pop-Art, eine Reihe von Arbeiten erinnert ohnehin in ihrer Komposition an Explosionen. Konkretes und Abstraktes liegen auf den Drucken eng beieinander, viele haben einen ausgeprägten Retro-Charme, erinnern an die Pionierzeiten der Computergrafik in den Siebzigerjahren, oder auch an die ersten Videospiele. Es gibt Artefakte zu erkennen, berstende Maschinen vielleicht, mit solchen Motiven ließen sich die Cover von klassischen Science-Fiction-Romanen illustrieren. Dazu passt, dass Linien und Flächen oft aus quadratischen Punkten bestehen, der alte, ruppige Rechner ist in der Ästhetik der Bilder immer präsent.

Vernissage ist am Sonntag um 11.15 Uhr. Bereits im Gottesdienst um 10 Uhr kommt Marita Richter zu Wort. Die Ausstellung ist jeweils dienstags und donnerstags von 9 bis 1130 Uhr oder nach Vereinbarung zu sehen. Die von Katja Hirschbiel kuratierte Ausstellungsreihe wird dann am 1. Oktober mit Fotografien von Uwe Ahrens fortgesetzt.

Von Frank Füllgrabe

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